Studium und Ausbildung finanzieren - Vorsorge für Kinder und Jugendliche

Studium und Ausbildung finanzieren - Vorsorge für Kinder und Jugendliche

Oft wollen Großeltern helfen, dem Nachwuchs den Start ins eigene Leben zu erleichtern. Welche Produkte sich für die Ausbildungsvorsorge anbieten.

Für Irmgard und Dieter Schelling (Name geändert) steht außer Frage, dass ihr zweijähriger Enkel Tim ein aufgeweckter Junge ist. Die Großeltern planen, den Nachwuchs nicht nur mit gelegentlichen Geschenken oder Babysitting zu umsorgen, sondern langfristig Geld für ihn anzulegen. Alles wird teurer. Das wird erst recht gelten, wenn Enkel Tim später ins eigene Leben startet.

Ein durchschnittlich langes Studium kostet bereits heute nach Statistiken des deutschen Studentenwerks etwa 56000 Euro. Auch Auszubildende kommen kaum mit dem ersten Gehalt über die Runden. „Die Großelterngeneration sieht sich mehr und mehr in der Pflicht, für ihre Enkel etwas zu tun“, hat Andreas Kutschera, unabhängiger Versicherungsberater in Mönchengladbach, beobachtet. Bei der Suche nach dem passenden Produkt ist Ehepaar Schelling auf eine breite Angebotspalette gestoßen. Versicherungsgesellschaften und Finanzinstitute werben um die Gunst sparwilliger Eltern und Großeltern – Ausbildungsversicherungen, Rentenpolicen oder Sparpläne stehen zur Wahl.

„Die Interessenten müssen sich einen guten Überblick verschaffen und die Renditen der angebotenen Produkte in Ruhe vergleichen“, empfiehlt Kutschera.

Ausbildungspolice

Studium und Ausbildung finanzieren - Vorsorge für Kinder und JugendlicheBeinahe unweigerlich werden die Eltern mit der Ausbildungs- oder Aussteuerversicherung konfrontiert. „Dahinter verbirgt sich eine Kapitallebensversicherung mit einer fixen Laufzeit“, erklärt Kutschera. Die Großeltern zahlen bis zum vereinbarten Ablauftermin – zum Beispiel dem 18. Geburtstag des Kindes – gleich bleibende oder leicht steigende Beiträge.

Mit 18 erhält der Enkel die Ablaufsumme. Stirbt die versicherte Person, läuft die Police weiter, ohne dass weitere Beiträge fällig werden. Der Nachwuchs erhält am vereinbarten Stichtag auf jeden Fall die vertraglich fixierte Summe. Die in der Versicherungssumme enthaltenen Erträge – also die Differenz zwischen Ein- und Auszahlung – muss das Kind allerdings versteuern, wenn sein Grundfreibetrag (derzeit 7664 Euro im Jahr) bereits ausgeschöpft ist.
„Schließen die Großeltern solch einen Vertrag, sollten sie die Eltern als versicherte Person einsetzen“, rät Berater Kutschera. Grund: Vor Abschluss der Police wird für die versicherte Person eine Gesundheitsprüfung fällig. Bei den Großeltern dürfte diese in der Regel schlechter ausfallen – was die Beiträge erhöht. Zudem gilt: Je höher das Eintrittsalter, desto mehr müssen die Versicherten für die gleiche Auszahlung investieren.

Teuer ist diese Form der Enkelvorsorge jedoch so oder so. Denn über die Beiträge finanzieren die Versicherungsgesellschaften nicht nur die Ablaufsumme, sondern auch ihre Verwaltungs- und Abschlussgebühren – Kosten, die die Rendite schmälern. Hinzu kommt, dass die Versicherten diese Gebüh-ren zu Beginn der Vertragslaufzeit abzahlen. Erst danach beginnen sie anzusparen. Diese Praxis macht die Police zu einem sehr unflexiblen Vorsorgevehikel: „Wer den Versicherungsvertrag etwa aufgrund von finanziellen Engpässen vorzeitig kündigen möchte, zahlt in der Regel drauf“, warnt Arno Gottschalk, Anlageexperte bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Rentenversicherung

Flexibilität ist aus Sicht des Verbraucherschützers das A und O bei der Vorsorge. Schließlich kommt es immer wieder vor, dass die Kinder vor Ausbildungsbeginn eine zusätzliche Finanzspritze gut gebrauchen können. Versicherungsanbieter wie die Aspecta, die LV 1871 oder die Nürnberger haben diesen Bedarf erkannt und bieten speziell Großeltern als „Generationenbrücken“ bezeichnete fondsgebundene Rentenversicherungen an. Mit einem Produkt soll der Opa mit dem Enkel nicht nur für das Studium, sondern gleich noch für das Alter vorsorgen. In der „Versorgungsphase“ zahlen die Senioren die Beiträge, das Kind kann den Vertrag zu einem späteren Zeitpunkt übernehmen. Von vornherein einkalkuliert sind Entnahmemöglichkeiten zu bestimmten Zeitpunkten sowie Extrazahlungen. Kutschera ist jedoch skeptisch: „Da diese Produkte sehr aufwendig gestaltet sind, dürften auch die Verwaltungskosten sehr viel höher sein.“ Um so wichtiger ist es, die versprochene Rendite nachzurechnen. „Oft wird sich zeigen, dass die Großeltern mithilfe eines Sparplans mehr erwirtschaften können – selbst wenn dieser nur 3 Prozent Zinsen bringt“, schätzt der Berater.

Sparpläne

Diese sind in der Regel nicht nur rentabler, sondern vor allem flexibler als Versicherungen. Der Sparbetrag lässt sich jederzeit aufstocken, Einmalzahlungen sind möglich, Sparpausen lassen sich spontan realisieren. Nachteil gegenüber den Policen: Wenn der Sparer stirbt, hören die Zahlungen auf. Die Erben erhalten lediglich das bis dato angesparte Vermögen.

Sicherheitsbewusste Sparer legen ihr Geld auf ein Tagesgeldkonto an oder sparen in Form von Bundesschatzbriefen. Risikofreudigere Großeltern entscheiden sich für Fondssparpläne – etwa auf Aktienbasis. Diese haben in den vergangenen 20 Jahren laut Bundesverband Investment und Asset Management bei einer Monatsrate von 50 Euro eine jährliche Rendite von durchschnittlich 5,59 Prozent erwirtschaftet. Eine Alternative sind Sparpläne auf Basis von Indexfonds. „Wer solch einen Fonds wählt, kann recht sicher sein, dass er längerfristig in der Spitze der Marktentwicklung liegt, während bei aktiv gemanagten Fonds das Risiko überwiegt, schlechter als der Markt abzuschneiden“, meint Anlageexperte Gottschalk. Da Indexfonds kein Heer von Fondsmanagern brauchen und häufiges Umschichten des Portfolios nicht nötig ist, sind die Verwaltungsausgaben begrenzt. Doch egal, für welches Produkt sich die Sparer entscheiden – langer Atem gehört auch hier zum Sparen. „Die Großeltern sollten eine Laufzeit von mehr als zehn Jahren einplanen, um die Schwankungen an den Börsen optimal auszugleichen“, empfiehlt Gottschalk. Wenn die Senioren Sparplan oder Tagesgeldkonto nicht von vornherein auf den Namen des Kinder laufen lassen, erhält der Enkel die angesparte Summe einfach als Geschenksteuerfrei bis zu 51.200 Euro. Familie Schelling hat sich entschieden. Von den 200 Euro, die das Paar für den Enkel zur Seite legt, fließen monatlich 75 Euro in einen Fondssparplan und 75 Euro auf ein Tagesgeldkonto. 50 Euro investieren sie sofort: in Form einer Kostenbeteiligung an den Beiträgen für die Kindertagesstätte.




Text Klara Fischer
Artikel aus Heft 01/2007

Vorsorge


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