Sterbegeld -Versicherung prüfen

Sterbegeld -Versicherung prüfen

Versicherer leben davon, dass sie Sorgen ihrer Kunden vorhersehen und passenden Schutz bieten. Im Fall der Sterbegeldpolice ist es vor allem das ungute Gefühl, die Nachkommen mit der eigenen Bestattung finanziell zu belasten oder gar bei einem Armenbegräbnis irgendwo verscharrt zu werden. Absicherung für die letzte Reise, Abschied in Würde – so oder so ähnlich lauten denn auch die Produkttitel und Slogans, die in Flyern über Sterbegeldversicherungen zu lesen sind. Mithilfe der Police könnten die Versicherten selbst im Rentenalter noch problemlos mit erschwinglichen monatlichen Prämien ein ausreichendes Finanzpolster für die eigene Bestattung absichern – so das Versprechen der Lebensversicherer.

Unrentables Geschäft

Ein Angebot, von dem Verbraucherzentralen oder der Bund der Versicherten (BdV) dagegen abraten: Völlig überflüssig, überteuert, ein Renditegrab lautet die klare Kritik seitens der Verbraucherschützer. „Sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen, wie die eigene Bestattung finanziert werden kann, ist sicherlich richtig. Aber in den meisten Fällen ist eine Sterbegeldversicherung der falsche Weg“, meint Thorsten Rudnik, Vorstand beim BdV. Tagesgeldkonten oder Risikolebensversicherungen sind oft die sinnvollere Alternative.

Verkannte Kosten

Die Beerdigungskosten schnellen leicht in die Höhe. Durchschnittlich kostet eine Beisetzung in Deutschland derzeit rund 5000 Euro. (siehe Tabelle)

Kosten Todesfall SterbegeldHinter den Sterbegeldpolicen verbergen sich Mini-Kapitallebensversicherungen. Die Versicherungssummen liegen bei den meisten Anbietern zwischen 2500 und 10000 Euro. Die Kunden finanzieren diesen Risikoschutz mit monatlichen Prämien ab etwa 10 Euro. Je nach Gesellschaft schließt der Versicherte einen Vertrag bis zu einem bestimmten Alter – 65 oder 85 – oder über eine feste Laufzeit ab. Nach Ende der Laufzeit führt die Versicherung die Police beitragsfrei weiter. Stirbt die versicherte Person, zahlt die Gesellschaft die vereinbarte Versicherungssumme sowie erwirtschaftete Überschüsse an die Hinterbliebenen aus. Wichtig: „Wenn Policen über Verbände oder Vereine abgeschlossen werden, fließen die Überschüsse oft an den jeweiligen Verband oder werden gespendet“, gibt Versicherungsexperte Rudnik zu bedenken.

Auf die Sperrfristen achten

Ein kritischer Blick in die Bedingungen ist eh Pflicht, bevor der Interessent sich für die Police entscheidet. Oft wird er dann weitere Einschränkungen entdecken. So enthalten Sterbegeldversicherungen Sperrfristen von einem bis drei Jahren, innerhalb derer die gesamte Versicherungssumme lediglich bei Unfalltod des Versicherten gezahlt wird. Stirbt der Kunde dagegen aufgrund einer Krankheit, erhalten die Hinterbliebenen lediglich die bis dato eingezahlten Beiträge oder – im besten Fall – einen von der Dauer des Vertrags abhängigen Anteil der Versicherungssumme.

Hinzu kommt, dass die Police über die Jahre sehr kostspielig werden kann. „Die Versicherten zahlen regelmäßig mehr Prämien ein als ihre Hinterbliebenen erhalten“, mahnt Rudnik. Würden die Beiträge alternativ in einen Sparvertrag fließen, käme ein höherer Betrag zusammen.

Auch eine Risikolebensversicherung (RLV) sei günstiger, sagt Rudnik: „Eine 50-jährige gesunde Frau zum Beispiel kann eine RLV über eine Summe von 5000 Euro und mit einer Laufzeit von 15 Jahren bereits für 2 Euro monatlich haben.“ Tritt der Todesfall ein, zahlt die Gesellschaft sofort – Sperrfristen gibt es nicht. Nachteil: Die garantierte Summe fließt wirklich nur dann, wenn der Versicherte während der Laufzeit stirbt – andernfalls bekommen die Hinterbliebenen gar kein Geld. „Da der Versicherte aber einen wesentlich niedrigeren Beitrag als für eine Sterbegeldpolice zahlt, kann er die Differenz immer noch über Tagesgeldkonten wachsen lassen“, meint Rudnik.

„Solche Rechenexempel können Sinn machen, wenn der Interessent noch jung ist“, denkt Alexander Helbach von Aeternitas, einer Verbraucherinitiative für Bestattungskultur. Für alte Menschen ist die Sterbegeldpolice oft der einzige Weg, um die Vorsorgelücke zu schließen. Eine RLV ist für Senioren in der Regel wegen vorhandener Vorerkrankungen tabu. Gute Sterbegeldversicherer verzichten auf eine Gesundheitsprüfung, weshalb auch Menschen ab 65 diese Policen abschließen könnten.


Sterbegeld-Versicherung contra Tagesgeld

Die Versicherungspolice hat nur dann einen Vorteil gegenüber Festgeld, wenn der Versicherte vor Laufzeitende stirbt. Dann erhalten die Erben die garantierte Versicherungssumme.

Sterbegeld-Versicherung Tagesgeld Auszahlung

„Auch Tagesgeldkonten bieten Senioren nicht die gewünschte Sicherheit“, so Helbach weiter. Denn das Risiko, dass nicht mehr genügend Zeit bleibt, um das notwendige Polster anzusparen, steigt naturgemäß im Alter. Helbach: „Wer einen guten Sterbegeldtarif mit kurzer Sperrfrist abschließt, kann sich bereits nach einem Jahr auf die Auszahlung der kompletten Summe verlassen.“

Andere Möglichkeiten prüfen

Für diese Gewissheit müssen ältere Menschen allerdings auch mehr bezahlen. Denn mit höherem Eintrittsalter steigen aufgrund des größeren Sterblichkeitsrisikos auch die Beiträge: Für eine Versicherungssumme von 5000 Euro müssen Senioren nicht selten im Monat mit 40 Euro und mehr für ihren Abschied in Würde kalkulieren.

Sie sollten daher in jedem Fall erst prü-fen, ob sie nicht noch ganz andere Möglichkeiten haben, ihre Nachkommen finanziell zu entlasten. „Wenn etwa eine Lebensversicherung im Alter ausbezahlt wird, kann ein Teil davon abgezwackt werden“, rät BdV-Vorstand Rudnik.

Richtig vorsorgen

Einige Versicherer bieten ganze Trauerpakete an und kombinieren die Sterbegeldpolice mit einem Bestattungsvorsorgevertrag.

In dem Fall wird die Versicherungssumme unwiderruflich an ein mit dem Versicherer kooperierendes Bestattungsunternehmen abgetreten. Dieses regelt sämtliche Behördengänge und gestaltet die Beerdigung nach den zuvor mit dem Versicherten abgesprochenen Wünschen – von der Bestattungsart über die Grabpflege bis zu den Trauerkarten.

Zielgruppe dieses Vorsorgepakets, das zum Beispiel die Ideal, InterRisk, Nürnberger, Volkswohlbund oder LV 1871 anbieten, sind vor allem Senioren, die keine Angehörigen mehr haben oder mit diesen in Streit leben. Sie sichern mit der Bestattungsvorsorge ab, dass kein ungeliebter Verwandter eine billigere Beerdigung organisiert und sich den restlichen Betrag einsteckt.

DOCH VORSICHT: Der Kunde bindet sich mit solch einer Kombination frühzeitig verbindlich an einen bestimmten Bestatter – eine Änderung ist in der Regel nicht möglich. Und falls sich die Hinterbliebenen später doch für ein anderes Unternehmen entscheiden, werden bis zu 10 Prozent der Versicherungssumme abgezogen. Wer bereits zu Lebzeiten Details seiner Beerdigung regeln möchte, kann jederzeit unabhängig von einer Police mit einem Bestattungsunternehmen seiner Wahl sprechen.




Text MELANIE RÜBARTSCH
Artikel aus Heft 03/2009

Vorsorge


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