Richtig von der Riester-Rente profitieren

Richtig von der Riester-Rente profitieren

Die geförderte Altersvorsorge ist eine gute Sache. Doch manche Angebote sind so teuer, dass die Kosten die staatliche Zulage auffressen. Verbraucherschützer raten deshalb, nur bei solchen Anbietern Verträge abzuschließen, die mit relativ geringen Kosten kalkulieren. Dabei gilt es aber, zunächst einmal die richtige Produktgruppe zu finden:

Diese sechs Produkt-Varianten mit Riester-Förderung durch den Staat gibt es:

Produkt Produktbeschreibung Kosten Renditeerwartungen
klassische Rentenversicherung Der Sparanteil wird weitgehend in festverzinsliche Anlagen investiert. Die Mindestrente ist bereits bei Vertragsschluss bekannt. Verhältnismäßig hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Mindestgarantie plus variable Überschussbeteiligung.
Banksparplan Variabler Zins, der je nach Angebot dynamisch dem aktuellen Zinsniveau folgt. Verlässlicher Sparvertrag. Laufende Kosten über Zinsabschlag. Keine Abschlusskosten, geringe Wechselkosten. Rendite orientiert sich am Kapitalmarktzins, der momentan sehr niedrig ist.
Fondsgebundene Rentenversicherung Sparanteil fließt ganz oder teilweise in Investmentfonds. Die Höhe der späteren Rente ist bei Vertragsschluss weitestgehend unsicher. Hohe Versicherungskosten für Abschluss und Verwaltung, zusätzlich Fondskosten. Anleger können von Kursgewinnen der Fonds an den Börsen profitieren. Der Versicherungsmantel schmälert Renditechancen.
Fondssparplan Investmentfonds werden per Sparplan regelmäßig zugekauft. Aufteilung zwischen Aktien- und Rentenfonds schwankt je nach Alter des Kunden und Börsenlage. Höhe der späteren Auszahlung ungewiss. Ausgabeaufschläge und laufende Fondskosten. Rendite über Kursgewinne an den Börsen.
Bausparvertrag Niedriger Festzins plus spätere Option auf zinsgünstiges Darlehen. Abschlussgebühr (1% der Bausparsumme) plus Kontogebühren (14 bis 30 Euro jährlich) und Darlehenszinsen. Niedriger Guthabenzins. Option auf günstiges Darlehen für Baufinanzierung.
Baudarlehen Darlehen mit festem Zinssatz, bei dem die Riester-Förderung in die Tilgung fließt. Vereinzelt Bearbeitungs- und Kontogebühren. Ggf. Gebühren für Wertermittlung. Rendite entspricht den durch schnellere Tilgung ersparten Zinsen. Riester-Sparvertrag mit höchster sicherer Rendite.

Richtig von der Riester-Rente profitieren

Hans Müller hat nie daran geglaubt, dass die Rente sicher ist. Ihm war klar, dass er um eine zusätzliche Altersvorsorge nicht herumkommen würde. Also schloss er einen Riester-Vertrag ab. Das kann ja nichts Schlechtes sein, dachte sich Müller. Schließlich gibt es üppige staatliche Zulagen und Steuervorteile. Der Berater eines großes Finanzdienstleisters bestätigte ihn darin. Es lohne sich auf jeden Fall, versicherte ihm der Vertreter. Als Müller aber die erste Abrechnung seiner fondsgebundenen Riester-Rentenversicherung erhielt, war der Angestellte entsetzt.

Aus dem Schreiben ging hervor, dass 2005 für Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten genau 111,17 Euro einbehalten wurden – also 41,17 Euro mehr als seine Grundzulage in Höhe von 76 Euro. 2006 erlebte Müller erneut eine böse Überraschung: Die verschiedenen Kosten, insgesamt 164,68 Euro, fraßen die Grundzulage von nun 114 Euro wieder mehr als auf. Und inzwischen weiß der Riester-Sparer von der Verbraucherzentrale Hamburg, dass sich dies in den nächsten Jahren nicht ändern wird. Die Verbraucherschützer veröffentlichten den Fall kürzlich.

Fondsgebundene Riester-Renten können teuer werden

So wie Hans Müller geht es derzeit Hunderttausenden von Riester-Sparern. Vor allem die Kunden, die eine fondsgebunde-ne Police (Infokasten) unterschrieben haben, werden von den Anbietern zur Kasse gebeten. Bei diesen Verträgen handelt es sich um eine Kombination aus einer Riester-Versicherung und einem Riester-Fondssparplan, bei dem ein bestimmter Sparanteil meist in Aktienfonds fließt.

Der Großteil des Kundengeldes wandert aber in festverzinsliche Wertpapiere, sonst kann der Anbieter nicht – wie gesetzlich vorgeschrieben – den Erhalt der Einzahlungen und Zulagen garantieren. Auf den ersten Blick haben solche Angebote Vorteile: Die Anleger haben einerseits die Chance, an der Börse überdurchschnittliche Kursgewinne zu erzielen. Andererseits können sie ruhig schlafen, weil sie ja kein Geld verlieren. Doch der Nachteil überwiegt, und das sind die höheren Kosten.

Die Verbraucherzentralen kritisieren, dass solche Fondspolicen meist zu teuer und zudem „häufig mit zu schlechten Fonds kombiniert“ seien. „Diese Riester-Variante wird besonders gern verkauft, weil sie für die Vermittler in Bezug auf die Provisionen wohl am lukrativsten ist“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale (VZ) Baden-Württemberg. Für Nauhauser ist klar, dass der Vertrag von Hans Müller kein Einzelfall ist.

Der Finanzexperte legte kürzlich ein anderes besonders abschreckendes Beispiel für Riester-Abzocke vor: Dabei zahlt eine 28-jährige Frau den geförderten Höchstbetrag von 2100 Euro bis zu ihrem 64. Lebensjahr ein, und zwar wieder in eine fondsgebundene Police.

Abgeschlossene Riester-Renten

Nauhauser unterstellte nun eine Rendite von 5,0 Prozent. Dabei entstehen Kosten bis zur Fälligkeit des Vertrages in Höhe von 40320 Euro, vor allem Gebühren, die bei der Anlage in den Dach- und Zielfonds anfallen plus Gebühren für Abschluss, Vertrieb und Verwaltung.

Wer genau rechnet, muss auch noch die entgangenen Kapitalerträge berücksichtigen. Schließlich wandern die Gebühren ja nicht in den Spartopf und können nicht angelegt werden. Dieser negative Effekt summiert sich nach Angaben der VZ Baden-Württemberg auf weitere 38000 Euro. Auf der Guthabenseite stehen staatliche Zulagen und Steuervorteile von 23000 Euro. Ergebnis: Kosten und Gebühren reduzieren das Kapital, das für die Rente aufgrund einer Rendite von 5,0 Prozent zur Verfügung stehen würde, von hochgerechnet 200000 Euro auf sage und schreibe 121680 Euro.

Auffällig bei den Riester-Fondspolicen sind stets die verschiedenen Kostenpositionen, die die Verträge intransparent und es dem Verbraucher praktisch unmöglich machen, die Gesamtkosten zu überblicken. Bei Müller fallen zum Beispiel während der Einzahlungszeit fünf verschiedene Kosten an.

Und selbst wenn die Zusatzrente im Ruhestand aufs Konto fließt, kassiert der Anbieter noch 1,35 Prozent der Jahresrente sowie „2 Euro pro Rentenfälligkeit“. Hinzu kommen Managementgebühren für den Fonds in Höhe von 1,38 Prozent jährlich, die vom angesparten Fondsvermögen abgehen.

Hohe Kosten mit Riester-Sparern abzurechnen, ist marktüblich

Die Anbieter verweisen in solchen Fällen stets darauf, dass solche Kosten „marktüblich“ sind. Das stimme, mache die Sache aber nicht besser, sagt Edda Casteló, Finanzexpertin der VZ Hamburg. Die hohen Gebühren führten letztendlich dazu, „dass aus Steuermitteln die Versicherungsbranche unterstützt wird.

Das kann nicht die Sache des Erfinders sein“, sagt Castelló. Genauso sieht es Nauhauser: Hinter der Praxis, Kosten unübersichtlich aufzuschlüsseln, stecke System. Er fordert deshalb ebenso wie seine Hamburger Kollegin das Eingreifen des Staates. Die Verbraucherschützer wünschen sich, dass die Anbieter ihre Gebühren in einer Summe ausweisen müssen und bei den Kosten eine Obergrenze eingezogen wird. Dass es dazu kommt, ist letztendlich aber sehr unwahrscheinlich.



Infografik zur Riester Rente



Infografik Riester Rente



Text: Frank Schuster

Vorsorge


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