Richtig sparen - das müssen Sie beachten

Richtig sparen mit 3fach Taktik

Die wenigsten Menschen sind finanziell für das Alter gerüstet. Dabei helfen schon wenige Kunstgriffe, um die Versorgungslage zu verbessern.

Die Rente mit 67 ist gerade unter Dach und Fach, da denken Spitzenpolitiker schon über eine weitere Verlängerung der Arbeitszeit nach. Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit propagiert die Rente mit 70. Mit seinem Vorschlag steht er nicht allein, Wirtschaftsforscher wie Klaus Zimmermann vom Institut für Wirtschaftsforschung DIW stimmen ihm zu.

Vor Jahren hätte Wowereits Vorstoß kräftig für Wirbel gesorgt, heute regt sich kaum jemand auf. Die Krise des staatlichen Rentensystems hat sich herum gesprochen, zwei Drittel der Deutschen sorgen auch privat für ihren Lebensabend vor.

Gleichwohl: Von einer klaren Sicht ihrer Versorgungslage sind die Bürger weit entfernt. Laut der neuesten Studie zur Altersvorsorge glauben sie, als Rentner im Schnitt 70 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens zu erhalten. Und irren gewaltig. Laut Fidelity, dem Urheber der Analyse, werden es gerade noch 56 Prozent sein. Andere Experten zeichnen ein noch düsteres Bild. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge DIA rechnet bis 2040 nur mit 49 Prozent – und das nicht bezogen auf den Brutto- sondern auf den Nettoverdienst. Damit klafft eine Rentenlücke von 51 Prozent.

Hauptgrund für die Täuschung: Viele Sparer orientieren sich bei der Vorsorgeplanung an Schätzwerten – und lassen vermeintlich unbedeutende Einflussgrößen außer acht. Ein fataler Fehler, der schon bei der Überlegung zur gesetzlichen Rente beginnt. „Wer zwei Jahre weniger in die Rentenkasse einzahlt, muss Abschläge von 10 Prozent kalkulieren“, sagt Finanzberater Michael Reeg von der Versicherungsmakler Hoesch&Partner. Ein Szenario, das für viele Arbeitnehmer zutrifft. Schließlich werden viele Ältere trotz persönlicher Bereitschaft nicht bis 67 arbeiten können.

Systematisch unterschätzt wird die Geldentwertung. Nur wenige wissen, dass sich der Wert des Geldes in 30 Jahren halbiert. Die Folge: Wer anno 2037 über 2000 Euro im Monat verfügen will, muss dafür heute mit 4195 Euro kalkulieren. Vor allem Jüngere täuschen sich, wie lange ihr Vorsorgegroschen vorhalten muss. Heute geborene Jungen werden im Schnitt voraussichtlich 84,9 Jahre, Mädchen sogar 90,4 Jahre alt.

Die wenigsten Menschen sind finanziell für das Alter gerüstet. Dabei helfen schon wenige Kunstgriffe, um die Versorgungslage zu verbessern.

Um die Lücke zu schließen, hat der Sparer zwei Möglichkeiten. Entweder er schraubt seine Ansprüche auf die kargen de-facto-Bezüge herab. Oder er beschleunigt den Vermögensaufbau. Letzteres ist nicht nur die verlockendere Alternative, es ist auch leichter als gedacht.

Noch immer schlummert Erspartes hierzulande vor sich hin. „Die meisten Deutschen setzen auf wenig renditeorientierte Anlageformen wie Lebensversicherung, Sparbuch oder Bausparvertrag“, so Fidelity-Sprecher Jörg Allgäuer. Langfristig renditestarke Anlagen werden dagegen systematisch gemieden. „Investmentfonds oder Aktien werden nur von einem Fünftel der Befragten genutzt.“

Ein unverzeihlicher Luxus. Bei Lebensversicherungen verzinst sich der Sparbeitrag aktuell im Schnitt mit 4 Prozent. Geldentwertung und Abgaben drücken den Magerzins auf Mickerniveau. „4 Prozent schrumpfen nach Steuern und Inflation auf weniger als 1,5 Prozent zusammen.“ Die Rendite auf den gesamten Beitrag liegt noch tiefer – nach Abzug von Kosten kommen nur drei Viertel der Beiträge überhaupt im Spartopf an. Die Folge: Weil es mit niedriger Schlagzahl arbeitet, legt das Kapital nur im Schneckentempo zu.

Schneller voran geht es nur mit höheren Renditen. Und die gibt es vor allem an der Börse. Weltweit anlegende Aktienfonds haben in den vergangenen 20 Jahren 6,7 Prozent per anno verdient – trotz Milleniumcrash und nach Abzug von Kosten. Das bringt Vermögen auf Trab. Wer 20 Jahre 200 Euro pro Monat in Fonds investierte, besitzt heute knapp 100000 Euro. Eine Lebensversicherung hätte im Schnitt gerade zwei Drittel der Summe gebracht. Noch größer ist die Differenz nach 30 Jahren. Während der Fondsanleger 220000 Euro angehäuft hätte, müsste sich der Policenkunde mit der Hälfte begnügen.

Sicherheitshalber sollten nur 40 Prozent des Altersgeldes aus Aktienanlagen stammen. Das meint zumindest Finanzberater Reeg. Denn bei der Planung der Auszahlungsraten muss der Sparer eine fest begrenzte Zeit unterstellen. Ein Problem, wenn der Sparer älter wird als kalkuliert. Stammen rund 60 Prozent der Einkünfte aus lebenslangen Zahlungen wie gesetzlicher oder privater Rente, ist die Grundversorgung immer garantiert.

Um der Verzinsung des Versicherungspostens auf die Sprünge zu helfen, rät Reeg zu britischen Produkten. Während deutsche Versicherer im Schnitt nur 10 Prozent des Geldes in Aktien investieren, gehen britische Anbieter deutlich stärker in Aktien hinein. Die Folge: Langfristig liegt die Verzinsung bei britischen Policen um zwei bis drei Prozentpunkte höher.

Rendite verschenkt wird auch beim Aktienkapital. Vorsorgeprodukte der Fondsindustrie schichten das Geld meist lange vor der Rente in sichere, aber niedrig rentierende Anlagen um. Nicht selten startet der Umbauprozess ein Jahrzehnt vor der Rente.

Doch wenn Menschen 85 Jahre und älter werden, macht es wenig Sinn, bei der Kapitalanlage schon mit 55 auf die Bremse zu treten. Stattdessen kann das Vermögen noch 20 oder 30 Jahre in der langfristig rentablen Aktienanlage arbeiten. Finanzberater Reeg rät deshalb zur Häppchenstrategie: Nur ein Teil des Geldes wird gleich mit 65 von der Börse abgezogen, der Rest bleibt weiter investiert. Der Plan: Während die erste Tranche in den ersten Rentenjahren aufgebraucht wird, kann sich der verbleibende Teil „ungestört“ in Aktien höher verzinsen. Selbst drastischere Kursverluste können so abgefedert werden: Weil der Rentner sein Geld erst viele Jahre später abrufen muss, sitzt er Schwankungen des Wertes aus. Erst um den 75. Geburtstag herum wird auch der Rest des Aktienvermögens gesichert. Ein Kunstgriff, der sich lohnen kann. Ob eine Summe von 200000 Euro zehn Jahre mit 3 oder aber 6 Prozent per anno rentiert, macht 90000 Euro Unterschied.

Wer sein Vorsorgekonto mit hohem Aktienanteil und kluger Zeitplanung aufgestockt hat, kann selbst die von Klaus Wowereit geforderte Rente mit 70 verkraften. Schließlich hat er genug Reserven angesammelt, um sich ein paar Jährchen früher in den verdienten Ruhestand zu begeben. Die unvermeidlichen Abschläge bei der Rente kann er verschmerzen.

So kalkulieren Sie richtig

Viele Anleger tappen bei der Altersvorsorge in dieselben Fallen. Sie unterschätzen die Versorgungslücke – und legen ihr Geld nur gering verzinst an. So umgehen Sie die Stolperstellen.

• Rentenbeginn realistisch kalkulieren. Nicht jeder wird bis zum offiziellen Rentenalter von 67 Jahren einen Job ausüben. Bei Arbeitslosigkeit sinken die Beiträge zur und die Ansprüche aus der gesetzlichen Rente. Wer freiwillig mit 65 Jahren in den Ruhestand geht, erhält einen Abschlag von 10 Prozent.

• Lebensalter hoch genug ansetzen. Viele junge Menschen unterschätzen, wie lange ihr Geld im Alter ausreichen muss. Denn die Deutschen werden immer älter.

• Inflation beachten. Das Geld verliert über die Jahre an Kaufkraft. Nach 30 Jahren ist es nur noch etwa die Hälfte wert. Wer in 30 Jahren über 2000 Euro monatlich verfügen will, muss mit dem doppelten Wert kalkulieren.

• Aktienanteil aufstocken. Die Deutschen setzen zu stark auf konservative Produkte wie Anleihen oder Versicherungen. Diese werfen nur geringe Zinsen ab: Das Kapital wächst zu langsam, um die nötige Höhe zu erreichen. Aktien rentieren langfristig besser: Das Geld „vermehrt“ sich schneller.

• Nichts verschenken. Prüfen Sie, ob Betriebsrenten, Riester- oder Rürup-Verträge für Sie lohnend sind. Bei diesen Produkten gibt es eine steuerliche Förderung oder eine Zuzahlung vom Staat.

Richtig sparen mit 3-fach Taktik



Text Ingrid Müller
Artikel aus Heft 06/2007

Vorsorge


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