Rentenversicherungen im Vergleich

Rentenversicherung im Vergleich: Riester, Rürup, private, staatliche

Riester boomt, Rürup nicht. Und das Geschäft mit herkömmlichen Rentenpolicen ist recht stabil.

Die Grenzen des staatlichen Rentensystems sind bekannt. Zu allem Überfluss schmälert das Alterseinkünftegesetz mit seiner Besteuerung auch der gesetzlichen Rente das künftige Versorgungsniveau deutlich. Auch deshalb müssen die Menschen verstärkt privat vorsorgen für ihren Ruhestand", sagt Günther Soboll, Hauptbevollmächtigter der deutschen Niederlassung des Versicherers Canada Life in Köln. Und Gerd Frieg, Vorstand des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP, fügt hinzu: „So erfreulich es auch ist, dass die Menschen dank des medizinischen Fortschritts immer älter werden, so gehört die Langlebigkeit zu den meist unterschätzten Risiken."

Eine nicht gerade prickelnde Situation. Hier der Wackelkandidat gesetzliche Rente mit stetig steigenden Beiträgen und absehbar weniger Leistungen. Dort das Risiko Langlebigkeit mit der Gefahr, dass ein zuvor angespartes Versorgungskapital verfrüht bis auf den letzten Cent aufgebraucht ist. Und schließlich ein mittlerweile recht weitläufiges staatliches Fördersystem bei Riester- und Rürup-Rente sowie der betrieblichen Altersvorsorge (bAV).

Herkömmliche Rentenpolicen sind demgegenüber, zumindest in ihrer öffentlichen Wahrnehmung, ein wenig ins Hintertreffen geraten. „Grund dafür sind möglicherweise vor allem die in der Ansparphase fehlenden Steuervorteile", vermutet Matthias Helfesrieder, unabhängiger Finanzberater in Singen und GELDidee-Kolumnist.

Rentenversicherung im Vergleich: Riester, Rürup, private, staatliche

Doch obwohl Rentenpolicen während der Ansparphase nicht staatlich gefördert werden, bieten sie unübersehbare Vorteile. Man muss halt nur Geduld haben. „Stichhaltiges Argument für diese dritte Schicht der Altersversorgung ist in der Tat deren attraktive steuerliche Behandlung", sagt dann auch Günther Soboll von Canada Life. Hintergrund: Bei staatlich nicht geförderten Renten gilt nach wie vor die so genannte Ertragsanteilbesteuerung. Das Finanzamt hat somit Zugriff auf einen bestimmten prozentualen Anteil der Jahresrente.

FAUSTFORMEL: Je später der Privatrentier zum ersten Mal sein Geld bekommt, desto niedriger der Ertragsanteil. Positiv: Mit dem Alterseinkünftegesetz wurde die Ertragsanteilbesteuerung privater Rentenpolicen zu Beginn des vergangenen Jahres spürbar verbessert. Bei einem Rentenbeginnalter von 65 Jahren beispielsweise betrug der steuerpflichtige Anteil bis Ende 2004 immerhin 27 Prozent. Dieser Satz wurde auf nur noch 18 Prozent verringert. Vergleichbares passierte in den anderen Altersstufen.

Zumindest die traditionellen privaten Rentenversicherungen, also eben nicht jene Fondspolicen, bei denen das Ertrags- und Versorgungsrisiko letztlich auf den Versicherungsnehmer abgewälzt wird, sind nicht unbedingt Renditeknüller. Ab dem kommenden Jahr, sofern dann ein Vertrag neu abgeschlossen wird, noch weniger als heute. Zum 1. Januar 2007 soll nämlich der so genannte Garantie- oder auch Rechnungszins von heute 2,75 auf 2,25 Prozent verringert werden. Zu allem Überfluss wird dieser feste Satz nur auf den Sparanteil der Beiträge gezahlt.

FOLGE: Ohne Überschüsse, die die Assekuranzen ihrer Policenkundschaft Jahr für Jahr gutschreiben, läge die Rendite auf den gesamten Beitrag gerade mal ein wenig über Sparbuchniveau. Inklusive der – allerdings nicht garantierten – Überschüsse erreichen private Rentenpolicen derzeit eine Gesamtverzinsung zwischen 4 und 5 Prozent im Jahresschnitt. „Beim Abschluss sollte man jedoch überwiegend auf die garantierten Leistungen achten und nicht so sehr auf die prognostizierten Überschüsse", empfi ehlt Karl-Heinz Reimer, Vorstand des Siegburger Analysehauses FSS-online AG. Reimer und sein Team haben exklusiv für GELDidee die momentan besten Angebote bei privaten Rentenpolicen zusammengestellt (siehe Kästen).

Rentenversicherung im Vergleich: Riester, Rürup, private, staatliche

Karl-Heinz Reimer: "Beim Abschluss einer privaten Rentenversicherung sollten Policensparer vor allem auf die garantierten Leistungen achten." Reimer ist Vorstandssprecher der FSS-online AG in Siegburg. Das Unternehmen analysiert die Angebote der Versicherer.

„Über die Solidität privater Rentenversicherungen entscheidet mehr denn je die Höhe und die Stabilität der Erträge, die die Assekuranzen erwirtschaften", betont Finanzberater Helfesrieder. Die voraussichtliche Überschussbeteiligung ist dabei ein willkommenes Extra, sollte aber nicht ausschlaggebendes Kriterium bei Vertragsabschluss sein. Wer Risiken bewusst in Kauf nimmt, steigt auf fondsgebundene Rentenpolicen um. Diese sind für Langfristanleger mit mehreren Jahrzehnten Horizont wegen ihres hohen Investitionsanteils in Aktien durchaus geeignet. Bekanntlich werfen börsennotierte Unternehmensbeteiligungen umso mehr Ertrag ab, je länger der Sparprozess dauert.

Wem das zu riskant und vielleicht auch kostspielig ist, weil Fondspolicen allgemein als nicht gerade preiswert gelten, kann auch auf private Renten nach angelsächsischem Muster ausweichen. „Diese bieten dank des vergleichsweise hohen Aktienanteils die Aussicht auf sehr gute Renditen, so dass Policeninhaber die Chance auf ansehnliche Ablaufl eistungen oder regelmäßige Zahlungen bei Vertragsende haben", erläutert Günther Soboll von Canada Life.

Der wohl wichtigste Vorzug solcher Angebote ist deren so genanntes Smoothing. Frei übersetzt: das Glätten der Erträge. In guten Zeiten halten die Versicherer nach der Eichhörnchenmethode einen Teil der Gewinne in der Hinterhand. Diese bewahren in düsteren Phasen Policeninhaber vor bösen Überraschungen. Dadurch lassen sich die Erträge langfristig stabilisieren.

Doch „generelle Aussagen darüber, welches Vorsorgeangebot letztlich passt, lassen sich nicht treffen. Das hängt vom Einzelfall ab", sagt Finanzberater Helfesrieder. Erste Bürgerpflicht ist dabei, die staatlichen Fördermöglichkeiten optimal auszuschöpfen. Ob das dann später auch noch so sinnvoll ist, Stichwort: nachgelagerte Besteuerung, muss sich erst noch zeigen. Ein Mix aus unterschiedlichen Vorsorgeformen ist häufig die beste Wahl.




Text Heinz-Josef Simons
Artikel aus Heft 11/2006

Vorsorge


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