Rentenversicherungen im Überblick

Rentenversicherungen im Überblick

Riester-, Rürup- oder die klassische Lebensversicherung: Jede Vorsorge hat ihre Vor- und Nachteile. Was Sie wissen müssen um dem Ruhestand entspannt entgegensehen zu können.

Rund 120000 neue Rürup-Verträge wurden in den ersten neun Monaten 2007 abgeschlossen. Im Vorjahr war es gerade einmal die Hälfte. Damit kommt das Geschäft mit der Rürup-Rente langsam, aber stetig in Fahrt. Anlass für den Erfolg dürften die neuen Steuervorteile sein, die seit Jahresanfang gelten.

Bisher wurden die Beiträge vom Finanzamt mit anderen Vorsorgeaufwendungen verrechnet, jetzt können – zumindest bei den meisten Selbstständigen – alle Einzahlungen bis zur Höchstgrenze von 12800 Euro im Jahr 2007 steuerlich geltend gemacht werden.

Trotzdem: Die Rürup-Rente bleibt das Stiefkind unter den Vorsorgeprodukten. Deutlich beliebter ist die Riester-Variante mit ihren Zulagen und Steuervorteilen. „Inzwischen haben rund neun Millionen Deutsche einen solchen Vertrag in der Schublade“, weiß Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) in Köln.

Pikant: Oft aus Unwissenheit verschenken viele Sparer jedes Jahr Geld, weil sie den Zulagenantrag nicht ausfüllen und abschicken. Dabei haben die künftigen Riester-Rentner dafür bis zu zwei Jahre Zeit. Einmal ausfüllen – das reicht, danach muss der Zulagenstelle nur gemeldet werden, wenn sich etwas ändert.

Die Mühe ist es wert. So kommt eine Familie mit zwei Kindern schnell auf eine Förderquote von 50 Prozent und mehr. Wer auf das Sparen mit Zulagen verzichten will, sollte die klassische Variante einer Rentenpolice wählen. Denn diese genießt in der Auszahlungsphase den Vorteil, dass nicht die ganze Rente, sondern nur der Ertragsanteil besteuert wird.

Risiko-Policen: Für den Ernstfall

Der Abschluss einer Risiko-Lebenspolice ist vor allem für junge Familien mit einem Alleinverdiener und Kindern besonders empfehlenswert.

Prinzip: Der Name ist Programm. Versichert wird allein jenes Risiko, dass der Hauptverdiener einer Familie plötzlich verstirbt und die Hinterbliebenen finanziell einstweilen gut versorgt werden müssen. Der Vermögensaufbau spielt deshalb keine Rolle. Überflüssig sind Risiko-Policen wegen dieses sehr fokussierten Schutzes jedoch keinesfalls. Im Gegenteil, denn neben einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung zählt der Risikoschutz vor allem bei einer jungen Familie mit zur existenziellen Grundabsicherung.

Höhe: Verbraucherschützer geben die angemessene Versicherungssumme mit dem drei- bis vierfachen Bruttojahreseinkommen des Hauptverdieners an.

Beiträge: Da auf den Vermögensaufbau verzichtet wird, sind die Kosten (= Beiträge) denkbar gering. So zahlt ein 30-jähriger Familienvater für eine Risikopolice mit 200000 Euro Todesfallleistung und 20-jähriger Laufzeit bei einem guten Versicherer netto rund 200 Euro Jahresbeitrag. Dies muss nicht das letzte Wort sein. Denn beliebt sind Risiko-Policen mit stetig abnehmender Todesfallleistung. Idee dahinter: Mit zunehmendem Alter wächst der Wohlstand und die größten Schulden, etwa aus einer Eigenheimfinanzierung, sind Schritt für Schritt zurückgezahlt

VORTEILE
+ Preiswerter Risikoschutz
+ Große Flexibilität, weil sich die Todesfallleistung bei Bedarf mit der Zeit verringern lässt. Das spart Kosten.
+ Kombinierbar mit der Rürup-Rente und deshalb Steuerersparnisse möglich

NACHTEILE
- Keine Kapitalbildung für später
- Verlust der Beiträge, falls nichts passiert
- Immer teurer mit zunehmendem Eintrittsalter
- Kostspielig oder sogar unmöglich für kranke Menschen


Kapital-Policen: Sicherheit und Rendite

Wer seit vielen Jahren in eine klassische Kapitallebenspolice einzahlt, profitiert im Alter von den Steuervorteilen. Neue Verträge sind deutlich weniger lukrativ.

Prinzip: Kapital-Policen kombinieren naturgemäß Risikoschutz und Vermögensaufbau miteinander. Bei Vertragsabschlüssen vor 2005 sind die in der Ablaufleistung einer Police enthaltenen Überschüsse steuerfrei. Solche Kapitalversicherungen erreichen nach wie vor Nettorenditen, an die konkurrierende Investments mit vergleichbarer Anlagesicherheit kaum herankommen. Doch nachdem die Große Koalition dieses Privileg weit gehend beseitigt hat, ist das Neugeschäft mit Kapital-Policen fast völlig zum Erliegen gekommen.

Rendite: Wegen der Börsenbaisse kurz nach der Jahrtausendwende und den damit verbundenen dramatischen Kursverlusten an den Aktienmärkten mussten alle Lebensversicherer die Gewinnbeteiligungen für ihre Kunden deutlich zusammenstreichen. Mittlerweile beträgt die Rendite auf den Sparanteil der Beiträge bei guten Versicherern gerade einmal zwischen 4 und 5 Prozent im Jahresschnitt.

Kritik: Die Kostenstruktur solcher Policen ist intransparent. Mit dem neuen Versicherungsvertragsgesetz (VVG), das wohl Anfang kommenden Jahres in Kraft tritt, sollen Kunden jedoch mehr Rechte erhalten. Wer kann, sollte mit dem Abschluss bis 2008 warten.

VORTEILE
+ Noch steuergünstige Übertragung (Schenkung) des Versicherungsvermögens an Angehörige
+ Nach Wegfall des Steuerprivilegs mehr Flexibilität bei Beitragszahlung und Vertragslaufzeit
+ In der fondsgebundenen Variante gute Renditechancen

NACHTEILE
- Vergleichsweise hohe Abschluss-kosten und Intransparenz
- Weiterhin finanzielle Nachteile bei vorzeitiger Kündigung
- Sehr geringe Beitragsrendite wegen weiterhin magerer Überschussbeteiligung
- Wenig Garantiezins

Riester-Rente: Zulagen inklusive

Familien mit Kindern erhalten hohe Zulagen vom Staat. Der Abschluss einer Riester-Rente ist deshalb für sie besonders rentabel.

Prinzip: Ab 2008 können maximal 4 Prozent des Jahresbruttoeinkommens bis zu 2100 Euro inklusive Zulagen (derzeit 1575 Euro bzw. 3 Prozent des Jahresbruttolohns) in einen Riester-Vertrag fließen. Angeboten wird dieser als Versicherungsvertrag, Banksparplan oder Investmentfondsvertrag.

Förderung: Wer den Höchstbetrag investiert, erhält im kommenden Jahr die volle Förderung von 154 Euro (derzeit 114 Euro). Bei Ehepaaren erhalten beide jeweils die Grundzulage, wenn sie beide einen eigenen Vertrag abschließen. Ist nur einer der Partner direkt förderberechtigt, reicht es aus, wenn nur er seinen Eigenbeitrag leistet. Pro Kind gibt es noch bis zu 185 Euro (2008) bzw. 138 Euro (2007) dazu. Gegebenenfalls gewährt das Finanzamt auch einen Sonderausgabenabzug bis zu 2100 Euro (2008) bzw. 1575 Euro (2007).

Berechtigte: Gefördert werden Arbeitnehmer, Auszubildende, Beamte, pflichtversicherte Selbstständige oder Arbeitslosengeldbezieher. Studenten etwa können nicht riestern.

Antrag: Das Formular wird nur einmal ausgefüllt. Sie müssen parat haben: Riester-Vertrag, Sozialversicherungs-, Steuernummer, Meldung zur Sozialversicherung, ggf. Kindergeldnummer.

VORTEILE
+ Hartz IV sicher: Die eingezahlten Beiträge müssen nicht vorzeitig aufgelöst werden.
+ Keine Abgeltungssteuer ab 2009
+ Bei Beginn der Rentenauszahlung ist eine Teilauszahlung von 30 Prozent des Altersvorsorgevermögens möglich.

NACHTEILE
- Die Gewinne in der Einzahlungsphase bleiben steuerfrei, jedoch ist die Rente voll steuerpflichtig.
- Riester-Sparer können den Vertrag zwar ruhen lassen, sich jedoch vor dem 60. Lebensjahr nichts auszahlen lassen. Andernfalls sind die geflossenen Zuschüsse zurückzuzahlen.


Rürup-Rente: Steuervorteil für Sparer

Gut verdienende, ältere Selbstständige profitieren von den Steuervorteilen am meisten. Deshalb ist diese Variante geförderter Altersvorsoge für sie interessant.

Prinzip: Gefördert wird die Rürup-Rente über den Steuervorteil – und zwar stetig steigend bis 2025. In 2007 sind die Beiträge bis zu 12800 Euro im Jahr steuerlich geltend zu machen, 2008 werden es 13200 Euro sein. Ab 2025 ist der Höchstbetrag von 20000 Euro erreicht. Verheiratete profi tieren jeweils in doppelter Höhe. Nur wenn der Sparer parallel in die gesetzliche Rente oder in ein berufsständisches Surrogat einzahlt, wird der Höchstbetrag vom Fiskus mit den Zulagen verrechnet.

Steuer: In der Auszahlungsphase sind die Leistungen steuerpfl ichtig – zu-mindest teilweise. Wie viel der Fiskus kassiert, hängt vom Renteneintritt ab. Wer im nächsten Jahr die erste Zahlung erhält, muss 56 Prozent versteuern. Wer erst 2040 erstmalig profi tiert, versteuert die gesamte Rente.

Faustregel: Je höher das Einkommen und je älter der Sparer, desto höher ist nach Musterrechnungen die Rendite der Rürup-Rente. Das ergibt sich aus der Differenz zwischen den steuerbegünstigten Einzahlungen und der steuerpflichtigen Rente.

Berufsunfähigkeit: Bis zu 49 Prozent des gesamten Beitrags dürfen für den Berufsunfähigkeitsschutz verwendet werden, ohne dass der Steuerabzug gefährdet ist.

VORTEILE
+ Bei langer Arbeitslosigkeit wird das Ersparte nicht angerechnet.
+ Die Rürup-Verträge können während der Einzahlungsphase zudem nicht verpfändet werden.
+ Jeder Sparer kann einen Vertrag abschließen, Riester-Rente scheidet für viele Selbstständige aus.

NACHTEILE
- Die Rürup-Rente kann nicht vererbt oder übertragen werden.
- Eine Kapitalauszahlung ist nicht möglich. Der angesparte Betrag wird lebenslang verrentet. Spekulation auf ein hohes Lebensalter
- Die Rürup-Rente kann nicht vor dem 60. gezahlt werden.

Renten Policen: Garantie und Extras

Die klassische Variante ist bei den Deutschen zur Altersvorsorge beliebt. Wichtig ist, dass der Vertrag über viele Jahre und laufend bedient wird.

Prinzip Das große Plus privater Rentenversicherungen ist deren Kalkulierbarkeit. Der Versicherte erhält bis ans Lebensende garantierte Beträge. Diese Zahlungen werden durch Überschüsse aufgestockt, die von Jahr zu Jahr variieren können, weil sie vom Anlageerfolg der Geldmanager bei den Assekuranzen abhängen.

Höhe Besteuert wird bei der späteren Rente nur der Ertragsanteil. Und dieser ist umso niedriger, je älter der Privatrentier bei der ersten Zahlung ist. So beträgt der Ertragsanteil bei einem 65-Jährigen gerade einmal 18 Prozent. Dieser Prozentsatz bleibt lebenslang, also ohne Steigerungen in den Jahren danach.

Beiträge Beim Angebotsvergleich sollte die vom Versicherer genannte Garantiezahlung den Ausschlag geben. Hohe Rentenzahlungen inklusive der angeblichen Überschüsse sind nur auf den ersten Blick attraktiv und sollten deshalb kein Entscheidungskriterium sein. Wie schnell diese Gewinnbeteiligung zusammengestrichen werden kann, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Wenn ein heute 30-Jähriger bis zur Rente regelmäßig 100 Euro investiert, kann er auf eine monatliche Rentenleistung von 500 Euro kommen.

VORTEILE
+ Bis ans Lebensende garantierte Zahlungen
+ Zusätzlich Überschüsse, die die Gesamtzahlung spürbar aufstocken können
+ Versorgung des hinterbliebenen Partners durch Vereinbarung einer Rentengarantiezeit

NACHTEILE
- Keine Förderung bzw. Steuervor-teile während des Vermögens-aufbaus
- Vergleichsweise hohe Abschluss- und Verwaltungskosten
- Geringe Garantieverzinsung und in den vergangenen Jahren deutlich gesunkene Überschussbeteiligung


Fonds-Renten: Vorsorge mit Renditekick

Fondsgebundene Policen werden in verschiedenen Varianten angeboten. Renditesicherheit ist allerdings nicht gegeben. Deshalb sind sie für jüngere Sparer geeignet.

Prinzip Herkömmliche private Rentenpolicen haben ein Problem: die absehbar vergleichsweise geringe Verzinsung. Deshalb floriert das Neugeschäft mit fondsgebundenen Rentenversicherungen. Der Sparanteil der Beiträge wird nicht in Festzinspapiere und Immobilien gesteckt, sondern in Investmentfonds. Vorzugsweise in Aktienfonds. Das bietet sich insbesondere an, wenn der Sparer sich 20 Jahre und mehr mit dem Vermögensaufbau Zeit lassen will. So attraktiv die langfristigen Renditechancen sind, mit Kalkulationssicherheit können Fondsrenten nicht punkten.

Varianten Deshalb haben die Anbieter von fondsgebundenen Rentenversi-cherungen seit Beginn des vergangenen Jahres etliche Produktvarianten auf den Markt gebracht, welche die Anlagerisiken verringern. Etwa ein flexibles Ablaufmanagement, bei dem man den Rentenbeginn – abhängig vom Börsenumfeld – um einige Zeit verschieben kann. Auch außerplanmäßige Ein- und Auszahlungen während der Investitionsphase sind möglich.

Steuer Es gilt genauso wie bei der klassischen Variante die günstige Ertragsanteilbesteuerung während der Verzehrphase, die einen ansehnlichen Teil der Zahlungen vom Fiskus unberührt lässt.

VORTEILE
+ Langfristig überdurchschnittliche Renditechancen bei Konzentration auf Aktienfonds
+ Tarife mit Beitrags- oder Höchststandsgarantie bieten eine gewisse Anlagesicherheit
+ Günstige Ertragsanteilsbesteuerung

NACHTEILE
- Große Abhängigkeit von der Entwicklung an den internationalen Aktienmärkten
- Spürbar höhere Kosten als bei herkömmlichen Aktienfonds
- Keine Steuervorteile oder staatliche Zuschüsse während des Vermögensaufbaus




Text E.-M. Neutinger, H.-J. Simons
Artikel aus Heft 12/2007

Vorsorge


Die gesetzliche Altersversorgung wird beim Eintritt ins Rentenalter kaum ausreichen. Machen Sie jetzt Ihre kostenlose und unverbindliche Anfrage zur Rentenversicherung.