Rentenversicherung und Abgeltungssteuer - was Sie wissen müssen

Rentenversicherung und Abgeltungssteuer

Von 2009 an langt der Fiskus bei Kapitaleinkünften teilweise stärker zu als bisher. Das trifft vor allem Langzeitsparer, die Aktienfonds nicht scheuen.

Von 2009 an ist für Kapitalerträge wie Kursgewinne aus Anlagen in Fonds oder Aktien, Zinsen aus festverzinslichen Wertpapieren oder Dividenden eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag gültig. Der Name ist dabei Programm: Die Steuerschuld ist mit den 25 Prozent abgegolten. Davon können grundsätzlich alle Anleger profitieren, die einen persönlichen Steuersatz von mehr als 25 Prozent haben.

Vor allem Investoren, die langfristig in Fonds ansparen, bringt die neue Steuer jedoch einen gravierenden Nachteil. Bislang konnten sie an der Börse erzielte Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei kassieren. Diese Spekulationsfrist fällt ab 1. Januar 2009 weg. Die Folgen sind dramatisch. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) rechnet vor: Wer 100 Euro monatlich in einen durchschnittlich rentierenden Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland anlegt (unterstellte Wertentwicklung 8,3 Prozent), erhält nach 30 Jahren rund 150000 Euro steuerfrei ausgezahlt. Nach neuem Recht wären es nur 118080 Euro. Diese Möglichkeiten haben Fondssparer, der Abgeltungssteuer zu entgehen:


Riester-Rente

Die geförderte Altersvorsorge ist ein Verkaufsschlager: Mehr als 8 Millionen Deutsche haben einen Riestervertrag abgeschlossen. Das liegt auch an den steigenden Zuschüssen. 2008 klettert der Fördersatz auf 154 Euro plus 185 Euro je Kind.

Was viele Anleger dabei nicht wissen: Auf die Riester-Rente ist keine Abgeltungssteuer fällig. Hier gilt die nachgelagerte Besteuerung: In der Einzahlungsphase müssen Riester-Sparer Zinsen und Kursgewinne nicht versteuern. Dafür greift der Fiskus in der Auszahlungsphase bei der monatlichen Zusatz-Rente voll zu – erfreulicherweise oft nur auf dem Papier. Für Fondssparer, die in Zukunft von der Abgeltungssteuer gequält werden, noch keinen Riester-Vertrag haben und als Rentenversicherungspflichtiger oder Beamter anspruchsberechtigt sind, ist ein Riesterfonds-Vertrag deshalb eine gute Alternative. Wer bereits „riestert“, kann den Eigenbeitrag über das für die staatliche Förderung erforderliche Minimum aufstocken, rät Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen.

Jedem Riester-Sparer sollte allerdings klar sein, dass er – rein steuerlich gesehen – von einem Riester-Vertrag nur in der Einzahlphase profitieren kann. In der Auszahlphase gilt: Ein Steuerpflichtiger mit einem Steuersatz von 35 Prozent muss auf seine Riester-Rente sogar mehr Steuern zahlen als der Fondssparer, für den die Abgeltungssteuer gilt. Und ein Geringverdiener mit einem Steuersatz von 15 Prozent hat mit einem Riester-Vertrag die gleiche Abgabenhöhe wie mit der Abgeltungssteuer. Denn Geringverdiener unterhalb der Schwelle von 25 Prozent können sich zu viel gezahlte Abgeltungssteuer mit ihrer Steuererklärung vom Fiskus zurückholen.


Rürup-Rente

Die Rürup-Rente, das Pendant der Riester-Rente für nicht rentenversicherungspflichtige Selbständige, war bislang kein Renner. Seit Anfang des Jahres ist die Förderung aber deutlich attraktiver. Die Anbieter rechnen deshalb in Zukunft bei der Rürup-Rente ebenfalls mit einem Boom. Auch bei der Rürup-Rente fällt keine Abgeltungssteuer an. Hier gilt das Alterseinkünftegesetz: Jahr für Jahr steigt die steuerliche Abzugsfähigkeit der Ansparbeiträge, im Gegenzug greift der Fiskus bei der Auszahlung immer stärker zu, bis im Jahr 2040 volle 100 Prozent zu versteuern sind.

Für Fondssparer, die die Abgeltungssteuer vermeiden und steuerliche Vorteile in der Einzahlphase nutzen wollen, kommt deshalb auch die Rürup-Rente in Frage, zumal voraussichtlich ab September 2007 mit der Union Investment (Volks- und Raiffeisenbanken) und der Deka (Sparkassen) zwei Fondshäuser erstmals fondsgebundene Rürup-Renten anbieten.


Fondsgebundene Versicherungen

Finanzexperte Arno Gottschalk rechnet vor: Zahlt ein Sparer 30 Jahre lang monatlich 100 Euro in eine fondsgebundene Rentenversicherung ein und würde der Fonds dann eine durchschnittliche Wertsteigerung von 7 Prozent erzielen, so käme er inklusive nicht garantierter Überschüsse auf 100900 Euro. Hätte der Sparer dagegen die 100 Euro in einen Aktienfonds mit einer Wertentwicklung von sieben Prozent angelegt, kämen bei fünf Prozent Ausgabeaufschlag 112000 Euro heraus.

„Für die Kapitalbildung sind die Fondspolicen folglich das schlechtere Produkt, da es zusätzlich mit den Kosten des Versicherers belastet ist“, folgert Gottschalk. Doch nach Steuern wird es künftig anders aussehen, sofern die Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr erfolgt. Da bei den Versicherungen weiter nur die Hälfte der Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen mit dem persönlichen Satz besteuert wird, verbleiben von den 100900 Euro bei einem Steuersatz von zum Beispiel 30 Prozent 91200 Euro beim Anleger. Bei dem reinen Aktienfonds lässt die Abgeltungssteuer dagegen nach den Berechnungen der Verbraucherzentrale nur 81700 Euro übrig, wenn 3 der 7 Prozent Rendite auf Dividenden entfallen.

Trotzdem sollte sich jeder Sparer den Abschluss einer Fondspolice sehr gut überlegen: „Bei vorzeitiger Kündigung, wie es häufig geschieht, werden solche Verträge zur Falle. Neben Nachteilen aus der hohen Kostenbelastung zu Vertragsbeginn droht dann auch die volle Besteuerung des Ertrags“, warnt Gottschalk.

Blick in die Sterne

Welche weiteren Entwicklungen sich in Zukunft ergeben, lässt sich nicht mit aller Sicherheit sagen. Auf Ihr Horoskop sollten Sie sich in diesem Fall allerdings nicht verlassen. Der Markt ist stetig in Bewegung, da bietet ein Blick in die Sterne allerhöchstens eine Wa(a)ge Vorausschau. Vergleichen Sie in jedem Fall die verschiedenen Vorsorge-Produkte und holen Sie sich im Zweifel Rat bei einem professionellen Berater.

Immobilienfonds

Im langfristigen Durchschnitt bringen offene Immobilienfonds deutlich weniger Ertrag als Aktienfonds. Für langfristig orientierte Fondssparer, die Wert auf Sicherheit legen und wenig Abgeltungssteuer zahlen wollen, können einige Fonds eine Alternative sein.

Immobilienfonds und Abgeltungssteuer
• Ausländische Erträge muss der deutsche Anleger nicht mit dem Finanzamt teilen, sie sind innerhalb des Fonds in dem jeweiligen Land zu versteuern.

• In der Regel handelt es sich dabei um Länder, bei denen eine Doppelbesteuerung ausgeschlossen ist. Solche Erträge bleiben somit für den Anleger abgeltungssteuerfrei.

• Wer davon profitieren will, kann nach Fonds Ausschau halten, bei denen der für den Anleger steuerfreie Ertragsanteil möglichst hoch ist.




Text Frank Schuster
Artikel aus Heft 09/2007

Vorsorge


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