Private Rentenversicherung im Trend

Private Rentenversicherung im Trend

Private Rentenpolicen sind derzeit bei Kunden gefragt. Vor allem, weil die neuen Produkte besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Sparer zugeschnitten sind.

Eine Binsenweisheit: Wie man es auch dreht und wendet, jeden Euro kann man nur ein einziges Mal ausgeben. Und fast immer fehlt dieser Euro.

„Deshalb bedeutet die Geldanlage für eine später höhere Rente oft auch Konsumverzicht“, ist sich Bernd Katzenstein, Sprecher des „Deutschen Instituts für Altersvorsorge“ (DIA) in Köln, sicher.

Private Rentenversicherung im TrendDas stimmte in den vergangenen Jahren, ist mittlerweile aber nicht mehr ganz so richtig. Denn „es ist allmählich an der Zeit, dass die Versicherungsbranche mit der Gleichung ‚Rente bedeutet Verzicht’ aufräumt“, meint Christoph Buchbender, Vorstandsmitglied der RheinLand Versicherungsgruppe in Neuss.

Gemeinsam mit dem Versicherer ARAG brachte die RheinLand Mitte März unter der Bezeichnung „Deutschland RENTE“ ein recht neues Angebot auf den Markt. Frei nach dem Motto „Rimini und Rente gleichzeitig“ kombinieren die beiden Versicherer private Altersvorsorge mit einer konsumabhängigen Komponente.

Dank eines Bonussystems erhöht jeder Einkauf mit Kreditkarte bei weit mehr als 200 Kooperationspartnern die Beitragszahlungen und damit die späteren Rentenansprüche.

Kosten runter

Ebenfalls im März kam die KarstadtQuelle-Versicherung, die über die Ergo-Gruppe im weitesten Sinn zur Münchener Rück gehört, mit einer knapp kalkulierten privaten Rentenpolice auf den Markt. Das Angebot zielt auf eher gut situierte Policensparer, die mal eben 50000 oder noch mehr Euro als Einmalbetrag in eine private Rente investieren können.

Dafür verlangt die Ergo-Tochter einmalig 300 Euro Kosten für die Vermittlung und 60 Euro im Jahr für die Verwaltung – unabhängig vom investierten Betrag. Wer bei irgendeiner Konkurrenz – angenommen – 100000 Euro in eine Rentenpolice investiert, zahlt allein für die Vermittlung, abhängig vom Vertriebsweg, zwischen 3000 und 6000 Euro Provision, die bereits im Tarif einkalkuliert sind (sogenannte Zillmerung).

„Wer mehr als 40000 Euro investiert, profitiert erheblich von unserem festen Kostensatz“, rechnet Peter Endres, Vorstandschef der KarstadtQuelle-Versicherung, vor.

Die Schaffensfreude bei der Entwicklung neuer privater Rentenprodukte wurde angestoßen in Berlin. 2004 kappten Bundestag und Bundesrat das über Jahrzehnte den Absatz von Lebens- und Rentenpolicen antreibende Steuerprivileg.

Für Verträge, die ab 2005 abgeschlossen wurden, interessiert sich nun auch das Finanzamt. Folge: Das für den Policenabsatz so förderliche Argument der Steuerfreiheit zieht nicht mehr. Herkömmliche Kapitallebensversicherungen sind deshalb ein Auslaufmodell.

Private Rentenpolicen hingegen boomen – mit Angeboten, die sich passgenau an den unterschiedlichen Bedürfnissen von Anlegern und Vorsorgern orientieren. Mit größeren Renditechancen, mehr Flexibilität in der Ansparphase und der Rentenzeit.

Fondspolice

Der größte Anteil beim Absatz privater Rentenversicherungen entfällt mittlerweile auf fondsgebundene Produkte. Der Sparanteil des regelmäßigen Beitrags wird dabei vorzugsweise in Aktienfonds investiert, die langfristig die besten Renditechancen haben.

Nachteil: Zumindest kurzfristig sind Aktieninvestments deutlich riskanter als Zinsanlagen. Und genau das ist bei der privaten Altersvorsorge, wo es auf Kalkulationssicherheit ankommt, nicht akzeptabel. Deshalb bieten die neuen Produkte...

Garantien

Einen Mindest- oder Rechnungszins wie bei herkömmlichen Lebens- und Rentenversicherungen gibt es bei fondsgebundenen Policen nicht. Aber das könnte Sparer in Deutschland, die traditionell extrem sicherheitsorientiert sind, vom Kauf abschrecken.

Deshalb bieten die privaten Rentenangebote zunehmend ein Sicherheitsnetz. Zwar keine Mindestverzinsung, aber Beitrags- und auch Höchststandsgarantien. So kann der Anleger sicher sein, dass er zumindest kein Geld verliert oder aber von einer Baisse am Aktienmarkt, die auf einen längeren Aufschwung mit spürbaren Kursgewinnen folgt, kurz vor Rentenbeginn nicht kalt erwischt wird.

Solche Garantien sind dank moderner Finanzinstrumente wie Optionen und Futures an den internationalen Kapitalmärkten ziemlich problemlos zu realisieren. Sie kosten allerdings Geld und schmälern die langfristigen Renditechancen einer Fondspolice erheblich. Gleichwohl bestehen gute Aussichten, dass am Ende teils spürbar mehr herauskommt als bei herkömmlichen Lebens- und Rentenversicherungen, die überwiegend in Anleihen und Immobilien investieren.

Flexibilität

Weil bei kaum jemandem die familiäre und berufliche Biografie geradlinig verläuft, müssen sich private Rentenpolicen anpassen. Die meisten Versicherer erlauben ihren Kunden Sonderzahlungen während der Sparphase, etwa nach Erbschaften oder Abfindungen, weil der Arbeitgeber beim Großreinemachen ältere Mitarbeiter auf die Straße setzt.

Zum Ausgleich darf der Rentenbeginn in einer vertraglich vereinbarten Zeitspanne, etwa zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr, flexibel gestaltet werden. Genauso zählen Teilauszahlungen des angesparten Versorgungsvermögens Jahre vor dem Rentenbeginn mittlerweile zu den üblichen Produktstandards. Die Möglichkeit, das Kapital rechtzeitig von Aktienin wertstabile Renten- und Geldmarktfonds umzuschichten, ist sowieso längst obligatorisch.

Schönheitsfehler

Einen von Verbraucherschützern monierten Makel haben die fondsgebundenen Rentenpolicen bislang jedoch noch nicht abbauen können: Sie sind bei den Abschlusskosten teils deutlich teurer als simple Aktienfondssparpläne. Das allerdings dürfte sich allmählich ändern.

Zum einen wegen der künftigen Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent auf Kapitalerträge aller Art, worunter vor allem Aktieninvestments in Zukunft extrem leiden werden. Andererseits weil möglicherweise immer mehr Versicherer dem Beispiel von KarstadtQuelle folgen und die Kosten spürbar drücken werden.




Text Heinz-Josef Simons
Artikel aus Heft 05/2008

Vorsorge


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