Private Altersvorsorge - zu spät?

Private Altersvorsorge - zu spät?

Besser spät als nie. Auch mit 50 ist private Altersvorsorge noch möglich und sinnvoll. Jetzt allerdings kommen nur noch sichere Anlageformen infrage.

Googeln Sie mal! Nein, ausnahmsweise nicht nach erotischen Angeboten im Internet, sondern mit dem Suchbegriff „Generation 50 +“. Nach nur 0,25 Sekunden sind allein in deutscher Sprache rund 622000 Seiten gefunden.

Kein Zweifel, auch im WWW machen die Senioren mobil. Quantitativ werden der fidele Fritz und die agile Adele in unserer Gesellschaft sowieso bald das Ruder übernehmen. Schon heute sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts knapp 40 Prozent der Bevölkerung in Deutschland 50 Jahre und älter. Zur Jahrhundertmitte soll deren Anteil an der Gesamtbevölkerung auf fast 54 Prozent ansteigen (siehe Grafik).

Private Altersvorsorge - zu spät?Im Hinblick auf ihre finanziellen Möglichkeiten sind die Senioren eine Bevölkerungsgruppe mit stetig wachsender Bedeutung. So wird das Geldvermögen der Menschen in der Altersgruppe bis 55 Jahre nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank in 2010 rund 2,3 Billionen Euro betragen.

Die Generation der 55-Jährigen und Älteren hingegen wird zum gleichen Zeitpunkt über ein Geldvermögen von gut 2,8 Billionen Euro verfügen können. Deshalb sind die „Best Agers eine bedeutende, zugleich sehr gut informierte und anspruchsvolle Zielgruppe für unsere Branche“, ist Günther Soboll, Hauptbevollmächtigter des Versicherers Canada Life Europe für Deutschland, überzeugt.

Auch deshalb war sein Haus eines der ersten, das unter der Bezeichnung „Flexibler Kapitalplan“ mit einem Produkt an den Markt ging, das speziell auf eher Betuchte und Etablierte der Generation 50 + zugeschnitten ist. Es gibt für Senioren mittlerweile zahlreiche unterschiedliche Instrumente, um die gesetzliche Rente aufzupäppeln.

Die zweifellos wichtigsten Vorgaben: Das vorhandene Vermögen bewahren. Sicherheit geht also vor hoher Rendite. In der verbliebenen Zeit bis zum Rückzug aus dem Job zusätzliches Versorgungskapital schaffen. Wobei die staatliche Förderung wie direkte Zuschüsse und / oder Steuerersparnisse optimal genutzt werden sollten.

Eigenheim

Statistisch betrachtet verfügt knapp die Hälfte der über 50-Jährigen über größtenteils abbezahltes Wohneigentum. Gut so! Aber: Zwar trommeln etwa die Bausparkassen für mietfreies Wohnen als sicherste private Rente. Mit zunehmendem Alter der Immobilie gehen Reparaturen, Modernisierungen und oft auch der seniorengerechte Umbau arg ins Geld, was die Mietersparnis weitgehend aufzehrt.

Strategie: Häuschen verkaufen, für einen deutlich geringeren Preis eine kleinere Wohnung erwerben, den verbliebenen Verkaufserlös auf die hohe Kante legen und daraus eine lebenslange Rente machen. Alternative: Ebenfalls das Eigenheim veräußern, den gesamten Erlös wert- und ertragssicher investieren und in eine schnuckelige Mietwohnung umziehen.

Riester-Rente

Diese lohnt auch ab 50 wegen der direkten Zulagen und der Steuerersparnisse, von denen vor allem gut und besser Verdienende profitieren. Deshalb unbedingt mitnehmen. Wegen der kurz vor Rentenbeginn erforderlichen Ertragssicherheit sind Riester-Banksparpläne erste Wahl.

Weil diese aber nur von den wenigsten Banken und Sparkassen angeboten werden, können herkömmliche Riester-Renten vom Versicherer eine gute Alternative sein. In puncto Ertrag zu unsicher sind fondsbasierte Riester-Angebote.

Rürup-Rente

Wegen der hohen Steuerersparnisse für viele Best Agers ein gutes Vorsorgeprodukt. Wer es sich leisten kann, investiert nicht Monat für Monat in diese auch „Basis-Rente“ genannte Anlageform, sondern den Jahresbeitrag auf einmal.

Private Rentenpolicen

Auch hier gilt: Am besten Finger weg von fondsgebundenen Versicherungen, weil diese zu hohe Risiken bergen. Dass solche Privatrenten während des Vermögensaufbaus keine staatliche Förderung erhalten, ist für Anleger, die im Alter mit ansehnlichen Einkünften rechnen, sogar ein Pluspunkt. Private Renten werden nämlich lediglich mit dem Ertragsanteil besteuert, so dass noch viel Spielraum für weitere steuerfreie Einnahmen bleibt.

Investmentfonds

Sehr gut zur privaten Altersvorsorge geeignete Anlageformen. Mit zunehmendem Alter sollten sichere Renten- und Geldmarktfonds dominieren. Aktienfonds können zur Renditeoptimierung beigemischt werden. Wer sich das mangels Erfahrung nicht zutraut, setzt auf einen guten flexiblen Mischfonds.

Bei dieser Fondsspezies ist das Management im Hinblick auf die Anleihen- und Aktienquote nicht an bestimmte Grenzen gebunden, sondern kann diese beiden wichtigsten Anlageformen abhängig vom Umfeld an den Kapitalmärkten sehr flexibel berücksichtigen.


Rente und Finanzamt

Auf einen Bierdeckel passen die Einkommensteuererklärungen vieler Ruheständler leider nicht, falls sie denn ihren Lebens abend mit einem gut austarierten Anlagemix finanzieren.

Gesetzliche Rente

Es gilt die sogenannte nachgelagerte Besteuerung. Jahr für Jahr dürfen Erwerbstätige einen größeren Teil ihrer Vorsorgebeiträge steuernsparend mit dem Finanzamt abrechnen. Zum Ausgleich greift der Fiskus auf die Altersleistungen mit jedem neuen Rentenjahrgang stärker zu.

Rürup-Rente

Die gleiche Besteuerungssystematik wie bei der gesetzlichen Altersversorgung. Der Abzugsfähigkeit steigender Vorsorgebeiträge steht die zunehmende Besteuerung im Rentenalter gegenüber.

Riester-Rente

Auch hier gilt die nachgelagerte Besteuerung. Mit dem Unterschied zur gesetzlichen und Rürup-Rente allerdings, dass die Riester-Zahlungen ab dem ersten Tag in voller Höhe der Einkommensteuer unterliegen.

Private Rentenpolicen

Weder direkte Förderung noch Steuerersparnisse während des Vermögensaufbaus. Aber auch keine Abgeltungssteuer. Lebenslange Rentenzahlungen werden auf Grundlage des Ertragsanteils besteuert. Das ist ein bestimmter, oft nur geringfügiger Anteil der jährlichen Zahlungen.

Investmentfonds

Bei Investitionen nach Silvester 2008 unterliegen sämtliche Erträge der 25-prozentigen Abgeltungssteuer (plus Soli und Kirchensteuer). Da sich viele Zinssparer in puncto Quellensteuer besser stehen als heute, sind Renten- und Geldmarktfonds sowie offene Immobilienfonds für die Generation 50 + empfehlenswert.


Altersvorsorge schon früh beginnen

Dragica Csader ist Leiterin Produktmanagement Privat bei der HDI-Gerling Lebensversicherung AG in Köln.

GELDidee: Ist es für die Generation 50+ nicht ein wenig spät, noch private Altersvorsorge zu betreiben?

Csader: Sicherlich gilt für den Aufbau einer Altersvorsorge: je jünger, desto besser. Doch stehen nicht jedem in jungen Jahren genügend finanzielle Mittel zur Verfügung. Grundsätzlich aber ist mit über 50 der Aufbau oder die Ergänzung der Altersvorsorge möglich und auch wichtig.

GELDidee: Sicherheit oder Rendite? Worauf kommt es besonders an?

Csader: Grundsätzlich gilt: je kürzer die verbleibende Zeit bis zum Rentenbeginn, umso stärker tritt der Sicherheitsaspekt in den Vordergrund. Zu berücksichtigen ist, dass die Altersvorsorge eine Absicherung auf Lebenszeit ist. Ansonsten bestünde die Gefahr, als Rentner den Verzehr des eigenen Vermögens zu überleben.

GELDidee: Ist es mit 50 nicht schon ein bisschen spät für staatlich geförderte Angebote wie Riester- oder Rürup-Rente?

Csader: Keinesfalls! Die Riester-Rente ist das am stärksten geförderte private Altersvorsorgeprodukt und ein wichtiger Baustein zur Sicherung des gewünschten Lebensstandards. Auch die großzügigen Steuervorteile der Rürup-Rente können sich sehen lassen.

GELDidee: Mit der Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkünfte wird das Leben nicht gerade einfacher. Welche Vorsorgekonzepte sind empfehlenswert?

Csader: Neben den vielen Vorteilen, die Vorsorgeprodukte im Rahmen privater Renten- und Lebensversicherungen bieten, wirkt sich die Steuerfreiheit der Erträge während der Ansparphase besonders positiv aus. Erst sobald Geld fließt, wird Steuer fällig. Hierbei ist zu unterscheiden, ob die Auszahlung als lebenslange Rente, als Einmal- oder als Teilzahlung erfolgt. Bei einer lebenslangen Rente ist nur der Ertragsanteil steuerpflichtig. Dieser ist vom Alter bei Rentenbeginn abhängig und vergleichsweise niedrig.




Text Heinz-Josef Simons
Artikel aus Heft 05/2008

Vorsorge


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