Mehr staatliche Rente

Mehr staatliche Rente

Auch Ruheständler zahlen Steuern. Doch bei ihnen ist das Finanzamt milde gestimmt – dank diverser Steuervorteile und falls der Rentenmix stimmt.

Die Rente sei sicher, hieß es einst zu den Zeiten von Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Wie falsch diese Einschätzung war, wissen wir längst. Zugegeben, die gesetzliche Rente als solche ist aus heutiger Sicht wohl weit gehend sicher. „Doch wie hoch sie später sein wird, dies ist alles andere als klar“, sagt Bernd Katzenstein, Sprecher des „Deutschen Instituts für Altersvorsorge“ (DIA) in Köln. Vor allem die jüngere Generation fürchtet, dass sie während ihres Ruhestands aus der gesetzlichen Rentenkasse nicht mehr als eine Grundsicherung erhalten wird.

Gerade noch rechtzeitig räumen auch Politiker ein, dass die Rente aus der Gemeinschaftskasse allein nicht reichen wird, um einen zufrieden stellenden Lebensabend zu finanzieren. Deshalb empfehlen Vorder- und Hinterbänkler die Eigeninitiative, besser bekannt als „Private Altersvorsorge“.

Aus gutem Grund hat sich in den vergangenen Jahren ein System der Altersvorsorge etabliert, das aus unterschiedlichen Bausteinen besteht. Fundament bleibt die gesetzliche Rente. Ergänzend fördert der Staat den Vermögensaufbau seiner Bürger. Dazu passende Vorsorgeprodukte sind Riester-Rente, Rürup-Rente sowie die betriebliche Altersversorgung (BAV).

„Anreichern lässt sich das alles durch eine private Rentenversicherung“, ergänzt Matthias Helfesrieder, unabhängiger Finanzberater in Singen und GELDidee-Kolumnist. Solche Policen werden zwar während der Ansparphase nicht gefördert. Dafür bieten sie später steuerliche Vorzüge.

Auch wenn das deutsche Einkommensteuerrecht als eines der kompliziertesten weltweit gilt, so scheint die grundlegende Systematik vergleichsweise plausibel. Denn „wer Steuern zahlt, der darf auch Steuern sparen. Und wer etwa für die private Altersvorsorge Geld vom Staat erhält, der muss später im Rentenalter das Finanzamt an seinen Einnahmen beteiligen“, erläutert Steuerberater Lutz Koch aus Eschweiler. Wie stark der Fiskus zugreift, hängt von einigen unterschiedlichen Faktoren ab. Zumindest nach eigenem Empfinden geht der Fiskus dabei systematisch vor.

1. Schritt: Das Finanzamt addiert sämtliche Einnahmen des Ruheständlers. Berücksichtigt wird dabei, welche Rententypen da zusammenkommen. So werden etwa die gesetzliche Rente und die Rürup-Rente vorläufig nicht in voller Höhe besteuert, die Riester- und Firmenrenten sehr wohl. Und bei privaten Policen gilt die günstige Ertragsanteilbesteuerung.

2. Schritt: Der saldierte und um die steuerlichen Besonderheiten bei unterschiedlichen Rentenarten bereinigte Betrag unterliegt auch noch nicht dem Zugriff des Fiskus. Schließlich haben Ruheständler, wie alle anderen auch, einen eigenen steuerlichen Grundfreibetrag – immerhin 7664 Euro pro Jahr, bei Ehepaaren 15329 Euro. So viel Geld bleibt garantiert unbesteuert.

3. Schritt: Neben dem Grundfreibetrag profitieren manche Rentner vom Altersentlastungsbetrag. Der gilt vor allem für Ruheständler, die neben der gesetzlichen Rente weitere Einnahmen haben – etwa aus Vermietung und Verpachtung, aus Kapitalvermögen oder auch aus selbstständiger Tätigkeit. Zudem kann der Altersentlastungsbetrag auch genutzt werden bei Einkünften aus der Riester- sowie einer betrieblichen Rente (Pensionsfonds, Pensionskasse, Direktversicherung), falls diese in voller Höhe besteuert werden. Der Altersentlastungsbetrag greift nur, wenn der Ruheständler das 64. Lebensjahr vollendet hat (Tabelle).

Staatliche Rente - Freibetrag und Steuern

Bisweilen nutzen Rentiers auch den Versorgungsfreibetrag. Er gilt für Ruheständler, die Versorgungsbezüge erhalten. Dazu zählen Beamtenpensionen sowie Zahlungen aus Pensionszusagen und Unterstützungskassen. Sobald der Pensionär das 63. Lebensjahr vollendet hat, darf er von seinen Bezügen den Versorgungsfreibetrag Steuern sparend abziehen. Wie beim Altersentlastungsbetrag gilt: Der Steuervorteil verringert sich in jedem der nächsten Jahre.

Schließlich dürfen alle, ob Rentner oder Pensionäre, den Sparerfreibetrag bei den Kapitaleinkünften ansetzen. Das sind 750 Euro pro Jahr und Person plus 51 Euro Werbungskostenpauschale. Bei Ehepaaren doppelt so viel. Auf Kapitaleinnahmen wie Zinsen, Dividenden und Fondsausschüttungen darf das Finanzamt erst zugreifen, sobald der Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist.

Allgemein gilt: Mit dem Alterseinkünftegesetz hat es zu Beginn des Jahres 2005 einen steuerlichen Systemwechsel auch bei der gesetzlichen Rente gegeben. Seitdem greift die nachgelagerte Besteuerung. „Abhängig vom Rentenbeginnalter basiert der Zugriff des Finanzamts Jahr für Jahr auf einen immer größeren Anteil der gesetzlichen Zahlung“, erläutert Steuerberater Koch. Für alle, die sich vor dem Jahr 2005 aus dem Erwerbsleben zurückgezogen haben, gilt ein Freibetrag von 50 Prozent. Wichtig: Der einmal fixierte Freibetrag gilt bis ans Lebensende.


Rürup-Rente

Speziell für Selbstständige ist sie das Pendant zur gesetzlichen Rente, wurde ebenfalls in 2005 eingeführt und verdankt ihren Namen dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Der steuerpflichtige Anteil steigt jedes Jahr um zwei, später um einen Prozentpunkt. Die Höhe hängt, wie beim gesetzlichen Bruder, vom individuellen Rentenbeginnalter ab. Dafür dürfen Altersvorsorgeaufwendungen, so der Fachbegriff, also gesetzliche und Rürup-Beiträge, Steuern sparend geltend gemacht werden. Heuer maximal 12800 Euro pro Person.

Positiv: Die Altersvorsorge mithilfe der Rürup-Rente kann durch Zusatzpolicen angereichert werden, ohne die Steuervorteile zu gefährden. Wird beispielsweise eine private Berufsunfähigkeits- und/oder Risiko-Police dazugepackt, dürfen immerhin 49 Prozent des gesamten Rürup-Beitrags auf diese Zusatzvorsorge entfallen, ohne die Steuervorteile zu gefährden.


Riester-Rente

Sie, nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester benannt, besticht durch üppige staatliche Förderung, die Grundzulage und die Kinderzulage. Beide werden im kommenden Jahr, vorläufig zum letzten Mal, angehoben. Zum Ausgleich für die Finanzspritzen des Staates müssen die Zahlungen während des Ruhestands in voller Höhe versteuert werden.


Private Rentenversicherung

Für sie gibt es weder Zuschüsse noch Steuerersparnisse während des Vermögensaufbaus. Doch dieses Manko „wird wettgemacht durch die zurückhaltende Besteuerung der späteren Renten“, erläutert GELDidee-Experte Helfesrieder. Ausschlaggebend ist der Ertragsanteil – ein bestimmter Prozentsatz der privaten Jahresrente. Dessen Höhe richtet sich nach dem Rentenbeginnalter. Je früher der Privat-Rentier erstmals sein Geld bekommt, desto intensiver greift das Finanzamt zu. Und umgekehrt (siehe Tabellen).

Positiv: Die Ertragsanteile bei privaten Rentenversicherungen wurden mit dem Alterseinkünftegesetz im Jahr 2005 für Neu- und auch für Altrentner spürbar abgesenkt. Folge ist, dass Ruheständlern mehr steuerfreier Spielraum für andere Einkünfte bleibt. Etwa aus der gesetzlichen, der Rürup- oder auch der Riester-Rente.

Ertragsanteil private Rentenversicherung




Text Heinz-Josef Simons
Artikel aus Heft 09/2007

Vorsorge


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