Mehr Geld bei Pflegeversicherungen

Mehr Geld bei Pflegeversicherungen

Schon wieder eine Reform. Diesmal ist es die gesetzliche Pflegeversicherung, die zum 1. Januar kommenden Jahres umgebaut werden soll.

Diesmal gibt es von ihm so gut wie keine Kritik. „Die Pflegeversicherung ist aus meiner Sicht recht gelungen. Die Unterfinanzierung der ambulanten Pflege und der Demenzerkrankten wird gelöst. Zudem gibt es stärkere Anreize der Pflege durch Angehörige“, sagt Karl Lauterbach, Sozial- und Gesundheitsexperte der SPD.

Bei der Gesundheitsreform im vergangenen Jahr fiel sein Lob noch deutlich spärlicher aus. Der Kölner Professor ließ damals keine Gelegenheit aus zu sticheln und die Großvorderen der Koalition ob ihrer Gesundheitsideen zu piesacken.

Die Pflegeversicherung ist die jüngste gesetzliche Fürsorgeeinrichtung in Deutschland. Eingeführt wurde sie zum 1. Januar 1995 auf Drängen des damaligen Arbeits- und Sozialministers Norbert Blüm, des heute großen Alten Mannes im Sozialstaat Deutschland. Zudem war die Pflegeversicherung, nach Rente und Gesundheit, die letzte auf der politischen Reformagenda.

Ob nun Alter, Krankheit oder Hilfsbedürftigkeit – die Gründe für den Umbau sind immer die gleichen: demografische Probleme wegen des rasanten Anstiegs von Alten und Älteren in unserer Gesellschaft und die daraus resultierenden Finanzierungsprobleme.

Doch gerade diese sind auch in der Pflegeversicherung durch die jüngste Reform „nicht gelöst, weil es nicht gelungen ist, privat Versicherte stärker an der Finanzierung des Solidarsystems zu beteiligen“, hat Lauterbach doch noch ein recht dickes Haar in der Suppe gefunden. Folge: Nach der Reform ist vor der Reform. Was im Übrigen auch für Rente und Gesundheit gelten dürfte.

Langsamer Anstieg der Bedürftigen

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig, wenn auch moderat.

Pflegeversicherung Anzahl Bedürftige

Die wichtigsten Eckpunkte: Familienmitglieder sollen dazu animiert werden, sich stärker daheim um ihre pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern. Zu diesem Zweck werden sowohl die so genannten ambulanten Sachleistungen als auch das Pflegegeld in sämtlichen drei Pflegestufen, nämlich I bis III, im kommenden Jahr, in 2010 sowie in 2012 heraufgesetzt (siehe auch Kasten). Mehr Geld bei stationärer Unterbringung in einem Pflegeheim gibt es nur für schwerst Hilfsbedürftige der Stufe III

Eine deutliche Verbesserung bringt die Pflegereform für die Angehörigen von Demenzkranken, die im Bundesgesundheitsministerium als „Menschen mit eingeschränkter Alterskompetenz“ bezeichnet werden. Dort steigt der Betreuungsbetrag in Pflegestufe 0 (Hilfsbedürftige, welche die Voraussetzungen für Pflegestufe 1 noch nicht erfüllen) von momentan 460 Euro auf 2400 Euro jährlich ab 2008. Umstritten ist in der Koalition nach wie vor der zehntägige Pflegeurlaub.

Nach Auffassung der SPD soll die Auszeit – wie der übliche Urlaub – vom Arbeitgeber bezahlt werden, die CDU ist strikt dagegen. „Aber da das parlamentarische Verfahren noch läuft, glaube ich noch an Änderungen, auch beim Pflegeurlaub“, sagt SPD-Experte Lauterbach.

Mehr Pflege- und Betreuungsgeld, höhere Sachleistungen – zum Nulltarif gibt es die Reform nicht. So soll zum 1. Juli kommenden Jahres der Beitrag um 0,25 Punkte auf 1,95 Prozent steigen, bei Kinderlosen auf 2,2 Prozent. Das Geld soll dann, so Ulla Schmidt, bis Ende 2014/Anfang 2015 reichen. Hoffentlich.


Mehr Geld für Pflege

Bis zum Jahr 2012 erhöhen sich die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung spürbar.

Mehr Geld bei Pflegeversicherungen




Text Heinz-Josef Simons
Artikel aus Heft 12/2007

Vorsorge


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