Immer weniger gesetzliche Rente im Alter

Weniger gesetzliche Rente im Alter

Noch mehr sparen: Viele künftige Rentner unterschätzen ihre Versorgungslücke im Alter.

Der Unterschied zwischen brutto und netto lässt sich recht einfach interpretieren: je größer, desto ärgerlicher. Das gilt für Arbeitnehmer und Rentner gleichermaßen. Die einen zahlen Steuern und Sozialabgaben. Die anderen haben – dank diverser Reformen – deutlich weniger Geld zur Verfügung als während ihres Erwerbslebens. Sofern sie sich allein auf die amtlichen Zahlungen verlassen.

„Die gesetzliche Rente bietet künftig nicht viel mehr als eine Grundversorgung“, ist sich Bernd Katzenstein, Sprecher des „Deutschen Instituts für Altersvorsorge“ (DIA) in Köln, sicher. Vor zwei Jahren noch habe die Gesetzliche knapp 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens ausgemacht. Dieses Netto-Rentenniveau werde 2030 bei knapp 59 Prozent liegen. Beängstigender sieht die Bruttobetrachtung aus. Lag die Rente im Jahr 2005 noch bei 48,5 Prozent besagten Bruttoeinkommens, so soll die Quote bis zum Jahr 2030 voraussichtlich auf nur noch knapp 40 Prozent sinken.

Ex-Bundesarbeitsminister Franz Müntefering: "Es ist klar, dass von der gesetzlichen Rente alleine der Lebensstandard im Alter künftig nicht gehalten werden kann."

Ein Dilemma für die Jungen und Jüngeren von heute. Denn sie sind gleich dreifach gestraft: durch schon jetzt hohe Rentenbeiträge, um die Versorgung der aktuellen Ruheständler zu bezahlen, eine beinahe dramatische eigene Versorgungslücke im Alter sowie die daraus resultierende Notwendigkeit, ordentlich Geld in die private Altersvorsorge zu schaufeln.

„Bei einem Abgabensatz von 45 Prozent muss ein jüngerer Arbeitnehmer, der heute 61000 Euro verdient, jährlich rund 4,4 Prozent des Bruttoeinkommens sparen, um die spätere Rentenlücke zu schließen“, hat Professor Reinhold Schnabel in einem Gutachten für das DIA ausgerechnet (Titel: Die Rentenlücke: Das Problem wächst).

Frauen kommen damit nicht hin. Denn „wegen ihrer etwa vier Jahre längeren Lebenserwartung erhalten sie, bei gleichem Kapitalstock, deutlich weniger gesetzliche Rente als Männer“, erläutert Schnabel. Damen mittleren Alters, die Geburtsjahrgänge 1950 bis 1960, müssen nach Schnabels Berechnungen 6 bis 10 Prozent ihres monatlichen Bruttos auf die hohe Kante legen, um Versorgungslöcher zu stopfen.

Die Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge wächst also mit jedem Jahr. Doch „die staatlich geförderten Riester- und Rürup-Renten schließen nur die Versorgungslücken, die sich aus den früheren Reformen ergeben haben“, räumt Katzenstein mit dem verbreiteten Irrtum auf, dass spätere Riester- und Rürup-Zahlungen den Lebensstandard im Alter dramatisch verbessern können.

Wer also während der Goldenen Jahre mehr will, muss in punkto Altersvorsorge noch einen Zahn zulegen. Mit Lebens- und Rentenversicherungen in allen Variationen, Wertpapieren, Aktien- und Rentenfonds sowie dem Eigenheim und möglicherweise auch vermieteten Immobilien. Nachteil: Das alles muss mit eigenem Geld, also ohne staatliche Förderung, geschafft werden. Deshalb sind Riester und Rürup sowie die beiden wichtigsten Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge (bAV), Direktversicherung und Pensionskasse, die Pflicht, nicht Kür.

Rentenlücke wächst

Bei Rentenjahrgängen ab dem Jahr 2015 sinkt das Versorgungsniveau spürbar.

Weniger gesetzliche Rente im Alter




Text Heint-Josef Simons
Artikel aus Heft 12/2007

Vorsorge


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