Frauen haben es beim Sparen schwerer

Frauen haben es beim Sparen schwerer

Frauen sind beim Vermögensaufbau schlechter dran als Männer: Sie verdienen weniger, haben weniger Berufsjahre und leben länger. So sorgen Sie richtig vor.

Deutschland diskutiert wieder einmal über den gesetzlichen Mindestlohn. SPD und Gewerkschaften fordern eine flächendeckende Lohnuntergrenze von 7,50 Euro, damit diejenigen, die arbeiten gehen, von ihrem Lohn auch leben können. An einem Punkt wird jedoch auch ein Mindestlohn nur wenig ändern: der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen.

Mehr als 30 Jahre nach Beginn der Emanzipationsbewegung sind die Frauen von ihrem Ziel, der völligen Gleichstellung, noch weit entfernt. Zwar brechen sie in einstige Männerdomänen ein, gehen zur Bundeswehr, bekleiden Richterposten und bestimmen mittlerweile auch die Politik wesentlich mit. Im ökonomischen Sinne gilt aber noch immer das Patriarchat.

So verdient das weibliche Geschlecht auch heute noch deutlich weniger als Männer, im Schnitt sind es 25 Prozent. Und dies nicht nur deshalb, weil Frauen öfter in der Dienstleistungsbranche und kleineren Unternehmen arbeiten, in denen die Löhne niedriger sind. Selbst wenn eine Frau die gleiche Position inne hat wie ein Mann, wird sie schlechter entlohnt.

Viele Nachteile

Die miese Bezahlung ist im Hinblick auf die finanzielle Absicherung im Alter nicht das einzige Handicap. Hinzu kommt, dass Frauen eine kürzere Erwerbsbiografie haben, die von vielen Unterbrechungen geprägt ist.

Die Betreuung der Kinder bleibt oft bei ihnen hängen. Und kaum sind die Sprösslinge aus dem Haus, werden die Mütter selbst noch einmal zu Kindern und kümmern sich um die Pflege der hilfsbedürftigen Eltern. Im Ergebnis zahlen Frauen aus den alten Bundesländern durchschnittlich 14 Jahre weniger in das Rentensystem ein als Männer, im Osten beträgt die Differenz acht Jahre.

Die Melange aus niedrigeren Löhnen und kürzeren Arbeitszeiten führt zu deutlich niedrigeren Rentenansprüchen. Frauen aus den alten Bundesländern, die 2006 in den Ruhestand gingen, erhalten durchschnittlich eine Rente von 490 Euro, die Männer dagegen 1032 Euro.

In den neuen Ländern fällt das Missverhältnis wegen der längeren Erwerbszeiten der Frauen nicht so krass aus. Einer Rente von 1000 Euro für den Mann steht ein Ruhestandsgeld von 663 Euro für die Frau gegenüber. Während das finanzielle Polster geringer ausfällt, ist der Bedarf größer. Denn Sie hat eine um rund fünf Jahre höhere Lebenserwartung.

Doch obgleich die private Altersvorsorge für Frauen wesentlich wichtiger ist, zeigt das weibliche Geschlecht an dem Thema noch zu wenig Interesse. Einer Umfrage der Commerzbank zufolge beschäftigt sich nur ein Viertel von ihnen gern mit Finanzthemen. Die Mehrheit findet das Thema zu kompliziert, macht sich kaum Gedanken über die finanzielle Zukunft oder betrachtet Geld vor allem als Mittel, um sich Konsumwünsche zu erfüllen.

Altersvorsorge - Spar-Typen Frauen

Verdrängung und Irrglaube

Das geringe Interesse paart sich mit einer fatalen Fehleinschätzung. Zwar sieht mehr als die Hälfte die Notwendigkeit, mehr für ihre Altersvorsorge zu tun, dennoch blicken zwei Drittel sorglos in die Zukunft.

„Viele Frauen verdrängen das Problem“, sagt Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Dies betrifft vor allem Hausfrauen, die sich oft über ihren Partner ausreichend abgesichert wähnen. „Eine Heirat ist längst keine Garantie mehr für eine lebenslange Absicherung“, betont Sigrid Britschgi, Fachanwältin für Familienrecht in der Kanzlei Bell&Windirsch in Düsseldorf.

Denn jede zweite Ehe wird inzwischen geschieden. Bei einer Scheidung ohne Ehevertrag gilt der Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet, dass jedem Partner die Hälfte des während der Ehe erwirtschafteten Vermögens zusteht.

„Um ihre Ansprüche abzusichern, sollte die Frau darauf achten, dass Wertpapierdepots und Lebensversicherungen auf beider Namen lauten und sie bei Immobilien mit im Grundbuch steht“, rät Britschgi. Sonst hat sie keine Sicherheit, dass das Vermögen bei der Scheidung noch vorhanden ist.

Auch beim Versorgungsausgleich gilt, dass die während der Ehe erworbenen Anwartschaften geteilt werden. Doch auch Männer durchleben immer öfter Phasen der Arbeitslosigkeit mit der Folge, dass ihre Renten – und damit auch die Versorgungsansprüche der Frau – sinken.

Unabhängig machen

Die wichtigste Grundregel lautet daher, sich unabhängig vom Partner eine eigene Altervorsorge aufzubauen. Der finanzielle Spielraum von Frauen ist zwar kleiner, doch das heißt nicht, dass sie sich stärker einschränken müssen. „Frauen müssen nicht unbedingt mehr Geld beiseite legen, sie müssen aber eine höhere Rendite erwirtschaften“, sagt Birgit Willberger, Geschäftsführerin von Lady Invest.

Die Depots vieler Anlegerinnen geben das jedoch nicht her. Willberger hat die Erfahrung gemacht, dass viele Klientinnen konservative Anlageformen wie Sparbriefe bevorzugen, die zwar mehr Sicherheit bieten, langfristig aber deutlich niedrigere Erträge.

Dabei sollte gerade bei einem langen Anlagezeitraum der Aktienanteil möglichst hoch sein. Für Willberger ist die Zurückhaltung des weiblichen Geschlechts vor Aktien kein Indiz für eine generell größere Risikoscheu, sondern das Ergebnis mangelnder Aufklärung. „Je besser sie informiert sind, desto größer ist ihre Risikobereitschaft“, sagt die Finanzexpertin.

Grosser Informationsbedarf

Ist die Scheu erst einmal überwunden, agieren die Damen wesentlich cleverer. Sie sind bei der Auswahl sorgfältiger und halten an ihrer Entscheidung länger fest. Damit sind sie erfolgreicher als Männer, die oft auf wechselnde Trends setzen, zur Selbstüberschätzung neigen und hohe Risiken eingehen.

Vor der Geldanlage sollte zunächst jedoch die Basisversorgung gesichert sein. Dazu gehört die finanzielle Absicherung bei Vermögensschäden und Berufsunfähigkeit. Das frei verfügbare Geld kann investiert werden – und dazu eignen sich grundsätzlich alle Produkte.

„Die Rendite ist nicht abhängig vom Geschlecht“, betont Willberger. Eines müssen Frauen jedoch beachten. Sie benötigen flexible Lösungen, um in Phasen der Arbeitsunterbrechung Beiträge aussetzen zu können.

Mehrere Bausteine

Das Idealmodell besteht aus mehreren Komponenten. Zu der gesetzlichen Rente sollte – sofern möglich – in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt werden. Während der Elternzeit können die Angestellten die Zahlungen aussetzen, seit 2005 haben sie auch die Möglichkeit, die Betriebsrente mit eigenen Beiträgen fortzuführen.

Dritte Säule der Altersvorsorge sollte eine private Rentenversicherung sein. Dafür eignet sich besonders die geförderte Riester-Rente. Seit diesem Jahr zahlt der Staat 154 Euro pro Versicherten und 185 Euro für jedes Kind, wenn mindestens 4 Prozent des Vorjahreseinkommens in einen Riester-Vertrag angelegt wird. Insbesondere bei geringen Einkommen verbessert sich das Verhältnis aus Förderung und eigener Sparrate.

Die Zuschüsse stehen nicht nur Arbeitnehmern zu, es reicht aus, wenn die Sparer sozialversicherungspflichtig sind. Dazu zählen auch Kindererziehende und geringfügig Beschäftigte mit freiwilliger Mitgliedschaft in der Sozialversicherung. Viele Anbieter erlauben zudem die Möglichkeit, die Beiträge für eine gewisse Zeit auszusetzen.

Ist darüber hinaus noch Geld verfügbar, so sollte es in breit gestreute Investmentfonds angelegt werden. Es gilt: Früh anfangen und zu Beginn eine hohe Aktienquote wählen. Vor allem in diesem Jahr sollten auch Frauen alles, was sie erübrigen können, in breit gestreute Fonds investieren. So umgehen sie die Abgeltungssteuer, die bei allen ab 2009 gekauften Wertpapieren ein Viertel der Kursgewinne wieder auffrisst.

Wer die private Altersvorsorge immer noch nicht ernst nimmt, sollte vielleicht einmal eine Rentenauskunft anfordern. Manchmal kann ja auch ein Schock ganz heilsam sein.


Das Dilemma der Frauen

Kürzere Arbeitszeiten

Rente Frauen kürzere ArbeitszeitenOb Kinderbetreuung oder die Pflege der Eltern – oft tragen die Frauen die Last und nehmen sich eine berufl iche Auszeit. Doch dafür werden sie nicht belohnt.

Das umlagefinanzierte System der gesetzlichen Rente honoriert lange Beitragszeiten, nicht aber den beruflichen Ausstieg. Doch besonders Frauen unterbrechen oft ihre Arbeit und zahlen damit weniger in die gesetzliche Rente ein.

Besonders krass ist das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern in den alten Bundesländern. Die Frauen, die 2006 in Rente gingen, kamen durchschnittlich auf 26,1 Versicherungsjahre, Männer dagegen auf 40,1.

Niedrigere Löhne

Rente Frauen geringere LöhneZwar ist der Verdienstabstand in den vergangenen Jahrzehnten gesunken, dennoch bekommen Frauen noch heute ein deutlich niedrigeres Gehalt als ihre männlichen Kollegen.

Vor 50 Jahren verdiente eine Frau im Durchschnitt 40 Prozent weniger als ein Mann. Inzwischen stehen ihnen auch Führungspositionen offen und das Gehaltsgefälle ist auf 25 Prozent gesunken.

Die Differenz erklärt sich aber auch dadurch, dass das weibliche Geschlecht öfter in der Dienstleistungsbranche oder kleineren Unternehmen tätig ist, wo die Löhne generell niedriger sind. Dennoch gilt noch heute: Selbst wenn Mann und Frau die gleiche Position bekleiden, erhält der Mann meist mehr.

Höhere Lebenserwartung

Rente Frauen längere LebenserwartungFrauen leben im Durchschnitt fünf Jahre länger als das starke Geschlecht. Das bedeutet aber auch, dass sie größere finanzielle Rücklagen für den Ruhestand bilden müssen.

Ist der Ehemann verstorben, reicht trotz Witwenrente das Einkommen vieler Frauen nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Denn mit dem Alter nehmen auch die körperlichen Gebrechen zu, medizinische Betreuung und im schlimmsten Fall stationäre Pflege verschlingen viel Geld.

Am härtesten trifft es Alleinstehende ohne Kinder: Sie erhalten einerseits keine Hinterbliebenenrente und haben zudem keine Angehörigen, die sie im Pflegefall aufnehmen könnten.


Mehr Flexibilität beim Sparen

Birgit Willberger ist Geschäftsführerin der Beratungsgesellschaft Lady Invest in Nürnberg und Autorin zahlreicher Bücher zum Thema Frauen und Finanzplanung.

GELDidee: Frau Willberger, Frauen sind beim Thema private Vermögensbildung zögerlicher als Männer. Warum tun sie sich damit immer noch so schwer?

Willberger: Männer sind entschlussfreudiger und lassen sich eher auf ein Angebot ein, Frauen wollen es dagegen ganz genau wissen, was auch sinnvoll ist.

GELDidee: Geduld ist ja kein schlechter Ratgeber.

Willberger: Das stimmt. Aber wenn Frauen am Ende etwas nicht richtig verstanden haben, neigen sie dazu, nichts zu tun. Und das ist ein Fehler.

Rente Frauen Unterschied Mann Ost WestGELDidee: Frauen haben in der Regel ein niedrigeres Einkommen und damit geringere Rentenansprüche. Müssten sie nicht ungleich mehr für die private Alters-vorsorge zurücklegen als die Männer?

Willberger: Das nicht, aber sie müssen eine höhere Rendite erwirtschaften. Je weniger Geld zur Verfügung steht, desto ertragreicher muss das Produkt sein. Das Risiko muss aber zum individuellen Profil passen.

GELDidee: Höhere Rendite geht mit größerem Risiko einher. Frauen gelten aber als risikoscheu. Sind sie überhaupt bereit, große Risiken einzugehen?

Willberger: Jein. In dem Moment, wo sie die Risiken verstanden haben, handeln sie ähnlich wie Männer.

GELDidee: Gibt es überhaupt Unterschiede in der Anlagestrategie zwischen den Geschlechtern?

Willberger: Die Rendite ist nicht abhängig vom Geschlecht. Gute Produkte eignen sich für Männer wie für Frauen. Sie brauchen jedoch mehr Flexibilität, um in Phasen der Arbeitsunterbrechung Zahlungen aussetzen zu können. Versicherungen mit festen Beiträgen sind daher nur als Beimischung geeignet. Viele verwechseln aber Flexibilität mit kurzfristiger Verfügbarkeit und zahlen beispielsweise in einen Banksparplan ein, der langfristig jedoch nur eine geringe Rendite abwirft.

GELDidee: Wo rauf sollten Frauen noch achten?

Willberger: So früh wie möglich mit dem Vermögensaufbau beginnen und auch in der Ehe für sich selbst vorsorgen.


Strategien für Frauen

Besonders der weibliche Teil der Bevölkerung muss zusehen, wie er seine Altersvorsorge aufstocken kann. Das Befolgen einiger Grundregeln kann dabei schon helfen.

Unabhängig machen

„Wenn du siehst, wen einige Mädchen heiraten, weißt du, wie sehr sie es hassen müssen, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.“ Dieser alte Spruch hat heute nicht mehr die Gültigkeit von einst, dennoch wiegen sich viele verheiratete Frauen noch immer zu sehr in Sicherheit.

Doch allein ein Blick auf die Scheidungsrate verrät, dass die Ehe kein sicheres Ruhekissen mehr ist. Um kein böses Erwachen zu erleben, sollte jede Frau für sich selbst vorsorgen. Daneben gilt, dass das gemeinsame Vermögen auch im Namen beider Ehepartner angelegt wird. Im Fall einer Scheidung hat die Frau sonst keine Sicherheit, dass das Geld noch vorhanden ist.

Früh anfangen

Schon während der Ausbildung sollten Frauen für das Alter privat vorsorgen. Die Zeit spielt bei der Vermögensbildung eine wichtige Rolle. Je eher Sie mit permanenten Einzahlungen beginnen, desto stärker macht sich der Zinseszinseffekt bemerkbar. Für den Anfang reicht eine monatliche Sparrate von 50 Euro aus. Steigt das Einkommen, sollten die Beiträge sukzessiv angehoben werden.

Rentabel anlegen

Die Damenwelt scheut oft das Risiko von Aktien. Sie unterliegen kurzfristig zwar starken Schwankungen, langfristig sind sie aber die lukrativste Anlageform. Der Deutsche Aktienindex DAX weist zum Beispiel eine historische Rendite von rund 12 Prozent pro Jahr aus.

Deshalb gilt: Zu Beginn sollte der Aktienanteil möglichst hoch sein und während des Anlagezeitraums kontinuierlich abnehmen, um das ersparte Vermögen abzusichern. Als Faustregel gilt „100 minus Lebensalter“.

Flexibel agieren

Spezielle Anlageprodukte für die Frauen gibt es nicht, und sie sind auch nicht nötig. Denn die Rendite ist unabhängig vom Geschlecht des Anlegers. Im Unterschied zu Männern brauchen Frauen allerdings mehr Flexibilität, die es ihnen erlaubt, während der Kinderbetreuung die Beiträge auszusetzen oder kurzfristig das Vermögen aufzulösen.

Lebensversicherungen

sind vor diesem Hintergrund weniger ratsam. Riester- und Betriebsrenten bieten die Flexibilität, auch Fondssparpläne können jederzeit kostenlos unterbrochen werden. Besser ist jedoch, die Sparrate zu reduzieren anstatt sie völlig auszusetzen.




Text Karsten Röbisch
Artikel aus Heft 03/2008

Vorsorge


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