Eigene Rentenpläne - richtig investieren

Eigene Rentenpläne - richtig investieren

Wer nicht gerade ein Vermögen erbt, muss in vielen kleinen Raten für das Alter vorsorgen. Bestens geeignet sind langfristige Aktienfondssparpläne.
Nicht auch, sondern vor allem Kleinvieh macht Mist. Beruhigend für viele Menschen zwischen Spreewald und Saarlouis, die sich Monat für Monat eine private Altersversorgung aufbauen.

Mittlerweile rund 15,7 Millionen Anleger sind es dann auch, jubelte kürzlich die Branchenvereinigung „Bundesverband Investment und Asset Management“ (BVI), die mithilfe von Fondssparplänen und deshalb monatlichen Raten ihre absehbar karge Rente aus der staatlichen Gemeinschaftskasse aufbessern möchten.

Anzahl Fondssparpläne

Was die Fondslobby besonders freut: Im vergangenen Jahr wurden netto 4,5 Millionen Fondssparverträge neu abgeschlossen. „Das ist ein wichtiger Beitrag der Investmentbranche mit Blick auf die Altersvorsorge“, sagt BVI-Präsident Wolfgang Mansfeld.

Wie ertragreich solches Kleinvieh sein kann, zeigt ebenfalls eine BVI-Statistik. Wer in den vergangenen 30 Jahren Monat für Monat 100 Euro in einen Sparplan mit Aktienfonds Deutschland gesteckt hat, der konnte im Schnitt aus 36000 Euro eigenem Geld gut 200000 Euro machen. Die Rendite betrug hier üppige 9,9 Prozent im Jahr.

Dieses Ergebnis zeigt, wie rentabel Aktienfonds langfristig tatsächlich sein können. Beträgt doch die Sparplanrendite in den vergangenen zehn Jahren mit Aktienfonds Deutschland „nur“ 7,9, in den vergangenen 20 Jahren immerhin 8,8 Prozent.

Andere Aktienfondskategorien, etwa mit Anlageschwerpunkt Europa oder global, hinken hinterher. Noch größer ist der Abstand zu Rentenfonds, die in europäische Schuldverschreibungen oder gar weltweit investieren.

Deutsche Aktien in Führung

Sparpläne mit Aktienfonds Deutschland brachten die höchsten Renditen.

Rendite Fondssparpläne

Kleine Ursache, große Wirkung – diese bekannte Binse ist wohl selten so korrekt wie bei Aktienfondssparplänen. Denn mit Disziplin und Geduld sowie – finanzmathematisch wichtig – dank des Zinseszinseffektes kann aus nur 50 oder 100 Euro monatlicher Rate ein ansehnliches Vermögen werden.

„Der Fondssparplan ist das demokratische Element der Geldanlage“, meint folgerichtig Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer des Vermögensverwalters SJB FondsSkyline aus dem rheinischen Korschenbroich. Denn ob mit 5000, 500 oder 50 Euro im Monat – vor dem Sparplan seien alle Investoren gleich. Nämlich gleich erfolgreich.

Hat jemand nur vergleichsweise wenig Geld übrig, für den ergibt sich die bei der Geldanlage bevorzugte Investmentform gleichsam von selbst. Er sollte sich – ein längerer oder langer Anlagehorizont von deutlich mehr als zehn Jahren vorausgesetzt – konzentrieren auf geförderte Investments und solche, die auf Dauer die höchsten Renditen versprechen.

„Für jüngere Privatanleger gibt es keine echte Alternative zu Aktienfondssparplänen“, glaubt Hans-Werner Martin von der Fondsgesellschaft Union Investment in Frankfurt.

Je jünger der Anleger, desto besser. Verbleiben noch einige Jahrzehnte bis zum Ruhestand, kommt man mit Aktienfondssparplänen unweigerlich ins Plus – auch wenn sie nicht staatlich gefördert werden. Schließlich können Börsenkapriolen wie jene in der zweiten Januarhälfte mit dicken Kursverlusten problemlos ausgesessen werden.

Besonderer Vorteil von Sparplänen: „Das nervige Spekulieren auf den vermeintlich besten Einstiegszeitpunkt entfällt“, ist sich SJB-Chef Bennewirtz sicher. Der Anleger profitiert in jedem Fall vom sogenannten Cost-Average Effekt.

Heißt: Mit seinen Raten schwimmt er bewusst gegen den Strom, stemmt sich gegen den allgemeinen Börsentrend und agiert damit „antizyklisch“. Denn „bei hohen Preisen kauft er weniger Fondsanteile, bei günstigen Preisen viele“, nennt Union-Investment-Sprecher Martin das Kind beim Namen.

So ist es dem Cost-Average-Effekt zu verdanken, dass desaströse Phasen an den Aktienmärkten wie die historische Baisse kurz nach der Jahrtausendwende langfristig kaum negative Folgen für den Vermögensaufbau haben.

Oft sogar im Gegenteil: Denn durch den preisgünstigen Kauf von Fondsanteilen während dreier Baisse-Jahre gewinnt die Vermögensbildung rasch an Fahrt, sobald die Kurse wieder steigen.

Immerhin konnte der deutsche DAX seit seinem Tiefststand im Frühjahr 2003 den Wert in der Spitze mehr als verdreifachen. Wer während der Talfahrt wie ein Eichhörnchen Fondsanteile sammelte, war danach fein raus.

An Dynamik gewinnt der Vermögensaufbau nochmals zusätzlich durch den Zinseszinseffekt. Sicher, Sparer können die regelmäßigen Erträge ihrer Fonds für den Konsum oder den jährlichen Traumurlaub ausgeben.

Doch das ist unklug. Denn durch die Wiederanlage, im Jargon „Reinvestition“, von Zinsen, Dividenden und Fondsausschüttungen steigert sich die Rendite immens. Und „je länger diese dauert, desto dynamischer das Kapitalwachstum“, sagt Hans-Werner Martin von der Union Investment.

Die schlechte Nachricht: Sparpläne haben in puncto Abgeltungssteuer keinen Bestandsschutz, auch wenn die Branchenvereinigung BVI schon seit Monaten Liebkind bei der Bundesregierung macht, um eine gesetzliche Sonderregelung durchzusetzen.

Status quo derzeit: Bei sämtlichen Sparraten, die nach Silvester 2008 in (Aktien)Fonds fließen, werden die beim späteren Verkauf angesammelten Kursgewinne der 25-prozentigen Abgeltungssteuer unterworfen. Das schmälert die Rendite des langfristigen Plansparens erheblich, dito das künftige Endvermögen.

Die Fondslobby BVI bemüht sich um eine Sonderregelung, vergleichbar jener bei Kapitalpolicen, wonach unter bestimmten Voraussetzungen – etwa bei einem Endalter ab 60 Jahren – das Finanzamt nicht mehr so viel von den künftigen Kursgewinnen abgreift.

Und was tun mit dem ganzen Geld, sobald der Abschied aus dem Erwerbsleben naht? Ganz einfach das Fondsvermögen verrenten, und zwar mithilfe eines sogenannten Entnahmeplans. Den bieten praktisch alle Fondsgesellschaften an.

Und zwar in unterschiedlichen Varianten. Der Sparer muss sich nur entscheiden, ob er mit seiner monatlichen Extrarente während einer bestimmten Zeit sein gesamtes Vermögen aufzehren möchte. Oder ob er nur die Erträge ausbezahlt haben will.

Empfehlenswert für Auszahlpläne sind gute Rentenfonds, bei etwas mehr Risikobereitschaft des Sparers Mischfonds, die sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren. Vorteil allgemein von Entnahmeplänen: Kapital, welches nicht als Rente überwiesen wird, bleibt investiert und erwirtschaftet weiterhin Erträge.


Vermögenswirksame Leistungen

Sparen in Aktienfonds unterstützen der Chef und Vater Staat. Viele Arbeitgeber zahlen Mitarbeitern per Tarifvertrag einen Zuschuss als Vermögenswirksame Leistungen (VL). Zusätzlich gibt es gegebenenfalls eine staatliche Zulage.

Allein im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres wurden 143000 neue VL-Investmentfondssparpläne abgeschlossen. Insgesamt haben jetzt 4,5 Millionen Arbeitnehmer einen Vertrag in der Schublade.

Arbeitnehmer, die regelmäßig 40 Euro pro Monat in Aktienfonds anlegten, konnten sich nach 31 Jahren – das sind nacheinander fünf VL-Verträge plus ein Jahr Wartezeit – im Schnitt über einen Depotwert von 87803 Euro freuen.

Eingezahlt wurden 14400 Euro, mithin eine Rendite von 9,8 Prozent im Jahr. Bei niedrigen Einkommen kommt noch die Arbeitnehmersparzulage hinzu (siehe unten).

Wer als Lediger nur über ein zu versteuerndes Einkommen von bis zu 17900 Euro im Jahr verfügt (bei Paaren sind es 35800 Euro), erhält vom Staat die Arbeitnehmersparzulage.

Wenn der Anleger mindestens 400 Euro einzahlt, beträgt sie maximal 72 Euro (Höchstgrenze), sonst 18 Prozent der Sparleistung. Wie viel der Chef ihm dazugibt und um wie viel er seine Rate jeden Monat noch selbst aufstockt, ist dabei egal.

Vermögenswirksame Leistungen: Die besten und die schlechtesten Perioden

Fast 25 Prozent Rendite im Jahresschnitt waren mit Förderung möglich – bezogen auf einen jeweils siebenjährigen Sparzeitraum. Nur zwischen 1996 und 2002 machten Anleger Verluste.

Rendite vermögenswirksame Leistungen


Zu wenig Aktien

Jörg Burger ist Geschäftsführer der Fondsgesellschaft AmpegaGerling Investment in Köln.

GELDidee: Wie viel Geld sollte man denn in Aktien und Aktienfonds stecken, um die gesetzliche Rente aufzubessern?

Burger: Das hängt von den persönlichen Lebensumständen, den Anlagezielen, der Anlagedauer und der individuellen Risikobereitschaft ab. Eine Faustformel lautet 100 minus Lebensalter gleich Aktienanteil.

GELDidee: Wegen der Abgeltungssteuer empfehlen viele noch in diesem Jahr hohe Einmalinvestments. Sind Sparpläne nicht doch besser?

Burger: Im Hinblick auf die künftige Abgeltungssteuer sollten Anleger ihre Positionen bis spätestens Jahresende 2008 aufgebaut haben. Bei Sparplänen besteht nach gegenwärtiger Gesetzeslage der Nachteil, dass Einzahlungen ab 2009 von der Abgeltungssteuer erfasst werden. Sollte es dem Bundesverband BVI gelingen, eine analoge Regelung zur Lebensversicherung zu erreichen, würde sich die Situation für langfristige Sparpläne günstiger darstellen.

GELDidee: Misch- und Dachfonds gelten als die Gewinner der Abgeltungssteuer. Weshalb?

Burger: Sie sichern dem Anleger, der seine Fondsanteile vor 2009 erwirbt, eine abgeltungssteuerfreie Vermögensverwaltung. Denn die Manager von Misch- und Dachfonds können zwischen den verschiedenen Anlageklassen wechseln, um das Portfolio optimal auf die Zukunft auszurichten, ohne dass bei den dazu nötigen Verkäufen Abgeltungssteuer anfällt.

GELDidee: Derzeit sind weit mehr als 6000 Fonds im Angebot. Wie findet der Anleger die Passenden für seine Altersvorsorge?

Burger: Er sollte möglichst breit aufgestellte Aktien-, Dach- oder Mischfonds erwerben, die ihre Qualität schon über längere Zeiträume bewiesen haben. Ein Indiz für die Qualität können die Ratings der auf Fondsbewertungen spezialisierten Agenturen sein.




Text Heinz-Josef Simons
Artikel aus Heft 04/2008

Vorsorge


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