Betriebsrente - was es zu beachten gilt

Betriebsrente Informationen Arbeitgeberwechsel

Die Betriebsrente ist lukrativ. Doch wer den Arbeitgeber wechselt, muss oft Abstriche hinnehmen. GELDidee zeigt, wie Sie dennoch profitieren können.

Jeder zweite Arbeitnehmer besitzt eine Betriebsrente (bAV). Das ist gut so. Schließlich ist sie eine sehr attraktive Form der Altersvorsorge. Aber es kommt zu Abstrichen, sobald Arbeitnehmer ihren Job wechseln. Mitunter ist die Mitnahme der Ansprüche (Portabilität) sogar nicht ratsam.

Die Durchführung der bAV kann direkt über den Arbeitgeber oder indirekt über einen Versorgungsträger (Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse) erfolgen. Die Zusagen orientieren sich an den Leistungen oder an den Beiträgen. Im ersten Fall verspricht der Arbeitgeber den Mitarbeitern eine feste Rente oder Kapitalleistung. Mit welchem Kapitalaufwand der Arbeitnehmer das schafft, bleibt ihm überlassen.

Im zweiten Fall verspricht der Chef einen bestimmten Vorsorgebeitrag zugunsten seiner Arbeitnehmer aufzuwenden. Der Arbeitnehmer trägt dann das Risiko bezüglich der Höhe der Leistungen. „Zumindest die gezahlten Beiträge sind aber garantiert“, sagt Ulf Kesting von der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersvorsorge (DGbAV). Die Beiträge kommen entweder vom Chef, oder der Arbeitnehmer zahlt sie aus seinem Bruttogehalt und wird dabei steuerlich gefördert (Entgeltumwandlung). Die reine Beitragszusage – also ohne Garantie – ist derzeit in Deutschland nicht möglich.


Übertragbarkeit der Betriebsrente bei Arbeitgeberwechsel

Nicht bei allen Durchführungswegen der betrieblichen Altersvorsorge sind die erworbenen Ansprüche übertragbar. Ein Abkommen der deutschen Versicherungswirtschaft bietet erste Lösungen.

Betriebsrente Übertragung

Egal, welche Art der Zusage vorliegt oder wer die Beiträge zahlt, ein Jobwechsel stellt alle Beteiligten vor eine Verwaltungsaufgabe. Sofern sich alle einvernehmlich auf eine Lösung einigen, ist alles klar. Häufig ist das aber nicht der Fall. Zu unterschiedlich sind die Interessen und Versorgungssysteme.

Grundsätzlich ist eine Übertragung für gesetzlich unverfallbare Ansprüche sogar verboten. So sollen Investitionen der Unternehmen in die Bildung ihrer Mitarbeiter geschützt werden. Gleichzeitig aber fördert eine gewisse Mobilität der Arbeitnehmer das Wachstumspotenzial einer Volkswirtschaft. Ein klassisches Dilemma. Also hat der Gesetzgeber für die Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Portabilität geschaffen – unter vier Bedingungen:

Erstens nur für Zusagen nach dem 1. Januar 2005. Bei älteren Zusagen müssen sich alle Parteien irgendwie einigen. Auch langt der Fiskus dann häufig zu. Zweitens nur für Pensionsfonds, Pensionskasse und Direktversicherung. „Diese Durchführungswege stehen für die Hälfte aller Verträge“, so der Wirtschaftsweise Bert Rürup. Drittens nur, wenn der Übertragungswert die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung – derzeit 63000 Euro im Jahr – nicht übersteigt. Ist der Betrag nur 1 Euro höher, gibt es für die ganze Summe keinen Rechtsanspruch.

Viertens muss der Arbeitnehmer die Übertragung innerhalb eines Jahres nach seinem Jobwechsel vom früheren Chef verlangen. Sind die Bedingungen erfüllt, muss der neue Arbeitgeber die Übertragung der Betriebsrente akzeptieren. Zudem dürfen steuerlich keine Nachteile entstehen.

Der Arbeitnehmer muss sich darüber im Klaren sein, dass er beim Jobwechsel den Vorsorgeträger (in der Regel Versicherer) akzeptieren muss, den sein neuer Chef ausgesucht hat. Das kann gut oder schlecht sein. Wenn er bei einem solideren Versicherer landet – quasi von einer „Ramsch-Gesellschaft“ zu einer Top-Adresse wechselt – profitiert er von einer langfristig höheren Gesamtverzinsung seiner Beiträge. Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich.

Die Kosten der Übertragung zahlt der Arbeitnehmer. Die Höhe des Übertragungswertes – also das, was der Arbeitnehmer an Betriebsrente mitnehmen darf – errechnet der Versicherer oder Vorsorgeträger. Dabei werden von den eingezahlten Beiträgen zuzüglich der am Kapitalmarkt erzielten Überschüsse die Kosten abgezogen. Immerhin fallen bei bestimmten Übertragungen keine Storno- oder erneuten Abschlussgebühren an. Dazu haben sich fast alle Versicherer in einem Abkommen verpflichtet.

Ein Problem haben Arbeitnehmer, wenn sie ihre Ansprüche zum Beispiel von einer Direktversicherung auf einen Pensionsfonds übertragen. Dann fallen beim neuen Vertrag eventuell Abschlussgebühren an, beim alten Stornogebühren. Auch das Finanzamt hält dann gern die Hand auf. Es kann deshalb sinnvoll sein, den Vertrag beim alten Arbeitgeber ruhen zu lassen. Das gilt vor allem, wenn der bisherige Versicherer eine hohe Gesamtverzinsung bietet und sehr finanzstark ist. Oder wenn bisher ein Berufsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenschutz vereinbart war, der neue Chef diese Leistungen aber nicht anbietet.

Bei einer Übertragung kommt stets ein neuer Vertrag zustande. Meistens sogar bei einem neuen Versicherer. Sofern der Arbeitnehmer nicht bei einem wesentlich besseren Versicherer als vorher landet, hat das oft negative Folgen. „Der neue Vertrag bedeutet auch neuer Garantiezins und neue Sterbetafel“, betont Ulf Kesting. Das heißt: Die garantierte Verzinsung sinkt auf derzeit 2,25 Prozent statt der früher üblichen 3,5 oder gar 4 Prozent. So lange die Gesamtverzinsung über dem alten Garantiezins liegt, braucht das den Arbeitnehmer nicht zu stören. Die Anwendung der neuen Sterbetafel, die eine längere Lebenserwartung als bisher ausweist, drückt die spätere Rente.

Ein Jobwechsel kann also großen Einfluss auf die Höhe der Betriebsrente haben. Sinnvollerweise lässt sich ein Arbeitnehmer hier beraten. Das Belassen des Vertrages beim alten Chef kann eine Alternative sein, auch wenn man später Versorgungsansprüche gegenüber mehreren Arbeitgebern hat und der Überblick über die gesamte Rente erschwert ist. Bei noch jungen Verträgen fällt der Übertragungswert ohnehin gering aus oder ist sogar negativ. Denn in den ersten Jahren nutzt der Versicherer die Beiträge, um seinen Vertrieb zu finanzieren – zum Mitnehmen bleibt da nichts übrig. Eventuell können Arbeitnehmer hier eine Abfindung mit ihrem alten Chef aushandeln.

Generell sinnvoll sind die Dienste einer zentralen Verrechnungsstelle (Clearing) wie sie etwa die DGbAV anbietet. Gegen eine Gebühr von 2,50 Euro pro Arbeitnehmer und Monat reduziert sie den Verwaltungsaufwand für alle Beteiligen. Der Arbeitnehmer behält seinen alten Vertrag, und der neue Chef führt die Beiträge über die zentrale Verrechnungsstelle der Gesellschaft ab. Solche Einrichtungen sind wohl notwendig, damit die Betriebsrente auch künftig noch eine der attraktivsten Altersvorsorgeformen ist.


EU-Regelung zur Betriebsrente

Innerhalb der Europäischen Union (EU) dürfen Arbeitnehmer überall arbeiten. Allerdings ist ihre Betriebsrente beim Jobwechsel ins Ausland nicht geschützt.

Der EU-Ministerrat konnte sich Anfang Juni nicht auf einen europaweit einheitlichen Richtlinienvorschlag einigen. Überträgt ein Arbeitnehmer seine Betriebsrente ins Ausland, wird sie in der Regel versteuert. Dies gilt selbst, wenn der Arbeitnehmer innerhalb des gleichen Unternehmens ins Ausland wechselt und dort dauerhaft wohnt. Das macht die Übertragung auf den neuen Chef unattraktiv. Meist sinnvoller ist es, den Vertrag beim alten Arbeitgeber in Deutschland ruhen zu lassen.




Text Stefan Terliesner
Artikel aus Heft 08/2007

Vorsorge


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