Welche gesetzliche Krankenkasse ist die beste?

Welche gesetzliche Krankenkasse ist die beste?

Kassenpatienten können zwischen mehreren Tarifen wählen. Doch welcher ist der Richtige? Und lohnt sich eine private Zusatzpolice?

Das Ende kam schnell – und nicht ganz überraschend. Das Bundessozialgericht (AZ B 6 KA 27/07) kassierte das Hausarztmodell Deutschlands zweitgrößter gesetzlicher Krankenkasse, der Barmer. Die obersten Sozialrichter bemängelten, dass das bestehende System mit festem Hausarzt und einer verbindlichen Hausapotheke nicht der vom Gesetz geforderten „integrierten Versorgung“ entsprechen würde.

Die Kasse reagierte prompt. Ein Sprecher: „Das Modell wird von den Richtern nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Es darf nur nicht aus dem Sondertopf für die integrierte Versorgung gezahlt werden. Wir werden das System entsprechend modifizieren.“

Staunend muss der von Beitragserhöhungen, Leistungskürzungen und Strukturveränderungen in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) gebeutelte Patient erkennen, dass nicht nur er, sondern wohl auch die Experten der Krankenkassen die letzte Gesundheitsreform nicht richtig verstehen.

Das gilt beispielsweise für die neue Wahlfreiheit, die – so die Absicht der Gesundheitspolitiker – dem „Bürger mehr Chancen auf Wettbewerb“ eröffnen soll. In der Theorie klingt das gut – in der Praxis sind auch Experten längst überfordert. Denn wer die beste Kasse für sein Geld buchen will, muss sich nun nicht mehr nur durch die Beitragssätze von rund 240 GKV-Unternehmen wühlen, sondern zusätzlich durch tausende von verschiedenen Tarifvarianten.

Beispiel DAK: Das Mitglied hat die Wahl zwischen acht Tarifen für Gesundheitsprogramme, vier Tarifen mit Selbstbeteiligungen (SB) und fünf Bonustarifen. Wer mehr möchte, darf zu den 17 Grundtarifen noch aus neun Zusatztarifen wählen. Die Barmer setzt noch einen drauf und offeriert ihren Kunden „18 Wahl-Spartarife“ und weitere „zwölf Zusatztarife in Kooperation mit der HUK-Coburg“.

Andere Anbieter wollen nicht dahinter zurückstehen und bieten ähnliche Vielfalt. Wer jetzt noch nicht Patient ist, kann es schnell werden – nachdem er sich durch die rund 6000 Tarifmöglichkeiten und -kombinationen gequält hat. Der Wirtschaftsweise Bert Rürup bringt das auf den Punkt: „Die Gesundheitsreform löst keine Probleme – sie bringt nur neue.“

Die Spreu vom Weizen zu trennen – das kostet Zeit. Durchs Raster fallen oft gleich die Selbstbehalttarife, denn sie sind nur für gesunde Mitglieder interessant. Schließlich müssen sie selten medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Für alle anderen bergen sie jedoch ein Kostenrisiko, das auch durch Aussicht auf magere Beitragsrückerstattung (maximal 600 Euro jährlich) nicht besser wird. Wer die Selbstbehaltgrenzen ausschöpft, zahlt in der Regel zu.

Alternative Bonusprogramme: Sie entpuppen sich schon beim flüchtigen Blick in das Kleingedruckte als Marketing-Maßnahme. Für gesundheitsbewusstes Verhalten erhalten Patienten dabei nur kleine Aufmerksamkeiten. Auch die genannten Gesundheitsprogramme für chronisch Kranke können schnell zum zeitintensiven Beschäftigungsdrill werden.

Sinnvoller erscheinen da schon Hausarztmodelle zu sein – zumal die PKV damit gute Erfahrungen gesammelt und Kostenvorteile von bis 25 Prozent vorzuweisen hat. Die Funktionsweise: Der Patient verzichtet auf die freie Arztwahl und benennt einen Arzt als seinen „Hausarzt“. Dieser wirkt als Dreh- und Verteilstation für alle weiteren medizinischen Maßnahmen.

Er weist nicht nur in ein Krankenhaus ein, sondern überweist auch zum richtigen Facharzt, analysiert und sammelt alle Untersuchungsergebnisse wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen und Blutwerte. Als Bonus für die Einschränkung erhält der Patient eine ganz- oder teilweise Befreiung von der Praxisgebühr.

Allen Programmen gemein ist der Verlust der Handlungsfreiheit: Wer einen Hausarzttarif wählt, muss diesem grundsätzlich mindestens ein Jahr treu bleiben. Bei anderen Tarifen ist sogar eine Bindung von bis zu drei Jahren vorgesehen.

Die Entscheidungsfreiheit fast völlig aufgeben muss derjenige, der auf die vielfältigen Zusatzversicherungsangebote der Kassen zurückgreift, die diese in Kooperation mit privaten Krankenversicherern anbieten. Gelockt wird mit dem Verzicht auf Warte-zeiten, einer vereinfachten Gesundheitsprüfung und vor allem Beitragsrabatt. Vorteile, die sich schnell relativieren können.

Wer seine Unabhängigkeit nicht verlieren will, ist deshalb mit separat abgeschlossenen Zusatzversicherungen – unabhängig von der Kasse – besser bedient. Vor allem im Krankenhaus kann privater Zusatzschutz sinnvoll sein.

Als Alternative bieten sich private Rücklagen an: Eingesparte Beiträge können statt in den Konsum auch verzinslich angelegt werden und so schnell zu einer Rücklage anwachsen, aus der sich manche medizinische Zusatzleistung bezahlen lässt. Ganz nach dem Vorbild der Barmer, die nun 40 bis 60 Millionen an die Kassenärzte zurückzahlen muss.


Unterschiedliche Kassentarife

Die Tarifvielfalt der Krankenkasse lässt sich in vier Grundlinien aufteilen:


Hausarztmodell

Die Idee ist einfach: Bei gesundheitlichen Problemen wird nicht zunächst der Fach-, sondern der Hausarzt aufgesucht. Damit soll dieser den Einsatz der Fachkollegen besser steuern und so die Gesundheitsversorgung insgesamt besser werden. Teilnehmen können daran alle Patienten ab dem vollendeten 18. Lebensjahr. Dazu muss sich dieser beim Hausarzt oder seiner Krankenkasse „einschreiben“.

Die Folgen: Das Mitglied verpflichtet sich, mindestens für ein Jahr immer zum selben Hausarzt zu gehen. Ambulante fachärztliche Leistungen gibt es nur nach Überweisung durch den Hausarzt. Ein Wechsel des einmal gewählten Haus-arztes ist innerhalb des Jahreszeitraums nur aus wichtigem Grund möglich. Dazu zählt beispielsweise ein „nachhaltig gestörtes Vertrauensverhältnis“.

Wer sich für das Hausarztmodell entscheidet, kann – je nach Kasse – mit einer ganz- oder teilweisen Befreiung von der Praxisgebühr rechnen. Das bedeutet eine Ersparnis von 40 Euro jährlich, gegebenenfalls plus Prämien.


Bonustarife

Nahezu unüberschaubar ist die Zahl der Bonusprogramme, welche von den Kassen in den vergangenen Jahren aufgelegt wurden und in fröhlicher Eintracht dynamisch gepflegt werden. Für fast jedes – wenn auch noch so entfernt vermutetes – gesundheitsbewusstes Verhalten gibt es ein Goodie.

Mag es noch einsehbar sein, wenn Nichtrauchen mit einer Bratpfanne belohnt wird, so sammeln sich schnell die diversen Radiowecker auf dem Kaminsims, wo sie sich den Platz mit den Sportabzeichen teilen können, deren Nachweis für den Empfang der schrillen Dudler nötig war.

Sinnvoller ist das Punktesammeln, wenn es Schutzimpfungen als Voraussetzung hat und möglichst mit einem direkten Geldvorteil verbunden ist. Für entsprechenden (ausgenommen Vorsorge) Aktivitätsnachweis gibt es beispielsweise unter dem Begriff „Gesundheitsbonus 2.0“ bei der BKK Fahr keine Stofftiere oder elektrische Zahnbürsten, sondern echtes Geld.


Chronikerprogramme

Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes Typ 1, Koronare Herzkrankheit, Asthma und Chronisch Obstruktive Lungenkrankheiten (COPD), Brustkrebs oder Diabetes mellitus Typ 2 können sich in ein sogenanntes „Chronikerprogramm“ (Disease-Management-Programm, DMP) einschreiben lassen. Hier winkt ein jährlicher Bonus von 40 Euro, der im Voraus auf ein Konto des Versicherten überwiesen wird – gleich, an wie vielen Programmen er teilnimmt.

Ausnahme: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, da sie in der Regel von Zuzahlungen im Rahmen der DMP Teilnahme befreit sind. Die Einschreibung verpflichtet nicht nur zu regelmäßigen Arztbesuchen, sondern auch zur Teilnahme an Schulungsmaßnahmen oder zur Wahrnehmung von Angeboten zur Gesundheitsförderung.


Wahltarife

Dazu zählen zunächst Selbstbehalttarife: Das Mitglied verpflichtet sich, einen Teil der Behandlungskosten selbst zu tragen. Dafür erhält es eine Prämie – die je nach Kasse und Tarifstufe unterschiedlich sein kann (maximal: 600 Euro).

Daneben gibt es Tarife für Nichtinanspruchnahme von Leistungen: Der Versicherte (und ggf. seine Familienversicherten) nehmen ein Jahr lang keine Kassenleistungen (ausgenommen Vorsorge) in Anspruch. Im Gegenzug erhält das Mitglied ebenfalls eine Prämie, die aber auf ein Zwölftel des Jahresbeitrags (im Klartext: ein Monatsbeitrag) begrenzt ist.

Vorsicht ist bei Kostenerstattungstarifen geboten: Das Mitglied und seine Familienversicherten lassen sich wie ein Privatpatient behandeln und rechnen direkt mit dem Arzt und Labor ab. Die Aufwendungen lassen sie sich dann von den Kassen (in deren Kostenerstattungsrahmen) ersetzen. Bei allen Wahltarifen gilt eine Mindestbindungsfrist von drei Jahren.


Privat zusatzversichern

Wer mehr zahlt, wird besser behandelt. Auf die Sonnenseite der Zwei-Klassen-Medizin können auch Kassenpatienten kommen – wenn sie eine private Zusatzversicherung haben. Davon machen sie auch zur Freude der rund 50 Privatversicherer gern Gebrauch.

So stieg die Zahl der Zusatzpolicen von 2002 bis 2006 um satte 30 Prozent auf mehr als 18 Millionen Verträge. Reinholt Schulte, Vorsitzender des Verbandes der privaten Krankenversicherer: „Die Bundesbürger sparen nicht bei den Ausgaben für die Gesundheit. Immer, wenn der Gesetzgeber die Leistungen kürzt, merken wir das durch steigende Nachfrage nach Zusatzpolicen“.

Die Tendenz wird verstärkt durch die seit Anfang 2005 bestehende Möglichkeit, auch über gesetzliche Krankenkassen mittels privater Kooperationspartner Zusatzdeckungen einzukaufen. Ob der Abschluss bei einem solchen Kooperationspartner eines GKV-Unternehmens immer sinnvoll ist, kann getrost bezweifelt werden.

Heinz Jürgen Scholz, Vorstand der Continentale: „Wir lehnen solche Kooperationen ab. Die Kassen haben hier mit ihrer Steuerbefreiung und direktem Kundenzugang einen unfairen Wettbewerbsvorteil.“

Hinter der Hand bestreiten Kassenmanager nicht, dass solche Kooperationsangebote reine Marketinginstrumente sind und der Kundenbindung dienen sollen – wie Kreuzfahrten mit Fitnessprogramm. Für das GKV-Mitglied hat die Bindung dagegen handfeste Nachteile. Dem Vorteil marginal günstigerer Beiträge steht der Nachteil der individuellen Entscheidungsfreiheit, die Kassenmitgliedschaft schnell zu kündigen und zu einer anderen Kasse zu wechseln, gegenüber.

Denn mit der Kündigung muss der Zusatzpatient auch den Sondertarif des privaten Versicherers verlassen. Wer seine Entscheidungsfreiheit behalten will, sucht sich den gewünschten Schutz besser bei einem kassenunabhängigen Versicherer.

Weiterer Vorteil: Der Versicherungsschutz richtet sich nicht nach dem vom Kooperationspartner geschnürten Paket, sondern kann individuell nach Beitrag und Leistung selbst zusammengestellt werden. Das wichtigste Angebot sind stationäre Zusatzversicherungen. Kaum jemand wird gern ins Krankenhaus gehen. Wenn es denn sein muss, ist es gut zu wissen, dass einem die beste Versorgung zugute kommt.

Das fängt schon bei der Unterbringung an: Standard – und damit Kassenleistung – sind im Regelfall Drei-Bett- oder gar Mehrbett-Zimmer. Die gern als „Hotelkosten“ bezeichnete Unterbringung lässt sich aber auf Zwei- oder gar Ein-Bett-Zimmer liften. Grundsätzlich schließen Privatpolicen auch gleich die teurere ärztliche Versorgung durch den Chef- oder Oberarzt mit ein.

In der Regel verknüpfen Krankenhäuser auch bessere Unterbringung mit der ärztlichen Zusatzleistung. Viele Versicherer bieten über diesen Standard hinaus noch Zusatzleistungen wie Krankenhaustagegeld an. Darauf kann jedoch getrost verzichtet werden.

Sind die grundlegenden Rahmenbedingungen geklärt, muss sich der Versicherungswillige mit den unterschiedlichen Leistungsversprechen der Versicherer auseinandersetzen. Wenn auch „stationäre Zusatzversicherung“ überall draufsteht, muß dies längst nicht immer auch im Versicherungspaket drin sein. So punkten einige Anbieter zwar mit auf den ersten Blick superniedrigen Prämien (vgl. Tabelle).

Auf den zweiten Blick zeigt sich aber der Haken: Kostenerstattung für Leistungen im Krankenhaus gibt es nur, wenn der Aufenthalt durch einen Unfall (DKV, Central, Mannheimer, AXA) oder durch eine definierte schwere Krankheit bedingt ist.

Auf solche Einschränkungen verzichten zwar die übrigen Angebote, Leistungsunterschiede gibt es dennoch reichlich. Beispiel Einbett-Zimmer: Das sehen nur die Angebote von CSS, HUK-Coburg und Mannheimer vor.

Wer Wert auf höhere Erstattungen legt, die auch die Grenzen der Gebührenordnung übersteigen, kann seine Suche auf Barmenia und ARAG beschränken. Entbindungsgeld offerieren die Tarife von Debeka, HUK-Coburg und Gothaer – bei Letzterer sogar bis zu 535 Euro. Psychotherapien sehen nur die Angebote von Concordia, DEVK und R+V vor.

Letztlich hilft in jedem Fall nur ein Blick in die Versicherungsbedingungen weiter, wenn das individuelle Leistungsprofil mit den Wünschen abgeglichen werden soll. Nur auf die dort zugesagten Leistungen können sich Zusatzversicherte verlassen.


Das kosten Versicherungen

Günstige Tarife am Beispiel eines 35-jährigen gesunden jungen Mannes.

Günstige Tarife Krankenversicherung



Text Heino Georg
Artikel aus Heft 04/2008

Vorsorge


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