Versicherungen: Dienstleistungen anstatt Geld

Versicherungen: Dienstleistungen anstatt Geld

Leistung von der Assekuranz bedeutete bislang Geld. Das ändert sich. Immer öfter werden statt Barem Dienstleistungen angeboten.

Die Hilfe endete an den Landesgrenzen. Auf bundesdeutschen Autobahnen und Landstraßen konnten die gelben Engel des ADAC und anderer Autoclubs liegen gebliebenen Autofahrern noch mit Schraubenzieher und Keilriemen unter die Motorhaube kriechen. Doch mit sich bessernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zog es die Deutschen ins benachbarte Ausland. Der ADAC reagierte und bot seinen Mitgliedern einen Auslands-Schutzbrief an, der neben telefonischer Hilfe auch Ersatzteilversand, Hotelunterbringung und notfalls Kreditschecks für die Reparatur zur Verfügung stellte. Mehrere Millionen Verträge konnte der Münchener Autoclub einfahren – zum Verdruss der Versicherer. Sie zogen Jahre später mit einem eigenen Alternativangebot nach, den Verkehrs-Service-Versicherungen. Einem ähnlichen Geschäftsmodell folgen auch die jüngsten Angebote der Assekuranz, die nun unter dem neudeutschen Begriff „Assistance-Leistungen“ firmieren.

Hausrat Unfall Vollkasko Versicherung Anteil DeutschlandDie Idee: Viele Leute wollen persönliche Hilfe statt Geld im Leistungsfall. Solche versprechen die Unternehmen, indem sie Netzwerke mit Handwerkern, Werkstätten, Pflegedienstleistern und anderen Dienstleistungsanbietern aufgebaut haben und Datenbanken für Auskünfte nach speziellen medizinischen Fragen zur Verfügung stellen.

Das Spektrum ist breit und umfasst vom Auto über die Immobilie bis hin zu Krankheit und Unfall mittlerweile fast das gesamte Produktspektrum der Versicherer.

Allen Produkten ist gemeinsam, dass sie nicht nur die Kosten für eine bestimmte Leistung erstatten, sondern auch Service bei der Realisierung erbringen.

Versicherungsberater Wilfried Rautenbach aus Köln: „Die Idee passt in unsere Zeit. Immer mehr Single-Haushalten fehlt die Einbettung in das Service-Umfeld einer Großfamilie. Nicht jeder ist willens oder in der Lage, sich um die Organisation von Service-Leistungen zu kümmern. Da liegt es nahe, die Dienste in ein Versicherungs-paket einzubinden. Solche Assistance-Leistungen zählen allerdings nicht zum absolut notwendigen Versicherungsschutz. Es sind eher Komfort-Policen, die beruhigen. Und Komfort kostet bekanntlich immer etwas mehr Geld.“


Autoversicherung

Bei der Autoversicherung scheiden sich die Geister. Die einen wollen sparen, die anderen viel Leistung. Wie sich beides verbinden lässt, zeigen aktuelle Angebote.

Was ist drin? Bei der Werkstattbindung nennt der Versicherer eine oder mehrere Werkstätten, bei denen das Fahrzeug ohne Kostenvorlage repariert werden kann. Abhol- und Bringservice gehören oft zum Angebot – ebenso wie die Stellung eines Ersatzwagens.

Was kostet es? Wer das Schadensmanagement dem Versicherer überlässt, kann Geld sparen. Bis zu 15 Prozent Nachlass gewähren Assekuranzunternehmen, wenn das Modul „Werkstattbindung“ vereinbart wird.

Macht es Sinn? Für den Versicherer machen solche Angebote Sinn, weil er die Reparaturkosten besser im Griff hat. Auch der Versicherte profitiert – durch günstigere Beiträge. Rücksprache beim Autohersteller ist bei Neuwagen wegen der Garantie angesagt.


Schutzbrief

Einen Schutzengel auf Reisen wünscht sich jeder – deswegen läuft das Geschäft mit Schutzbriefen oder Verkehrs-Service-Versicherungen wie geschnitten Brot.

Was ist drin? Wenn der Motor im Ausland streikt, das Fahrzeug nach einem Unfall geborgen werden muss, ein Krankenrücktransport erforderlich wird oder Ersatzteile an fremde Gestade geschickt werden müssen – der Autoschutzbrief befreit von finanziellen Sorgen.

Was kostet es? Schon für ein paar Euro Zuschlag zur Jahresprämie bieten einige Versicherer solche Zusatzdeckungen. Bei separaten Verträgen liegt die Spanne zwischen rund 10 und gut 30 Euro im Jahr. Autoclubs verlangen zusätzlich noch Mitgliedsbeiträge.

Macht es Sinn? Bei Neufahrzeugen stellt sich die Frage kaum – denn bei vielen Marken ist eine Mobilitätsgarantie bereits im Kaufpreis enthalten. Bei älteren Fahrzeugen mit dem Ausfallrisiko kann es sinnvoll sein.


Unfallversicherung

Unfälle schockieren – deswegen lassen sich Policen, die finanziellen Schutz bei Invalidität versprechen, gut verkaufen.

Was ist drin? An die Generation 50+ wenden sich Angebote, die nicht an der Gliedertaxe, sondern an einem Grundfähigkeitskatalog orientiert sind. Im Leistungsfall wird Betreuung zu Hause sichergestellt, Einkäufe getätigt oder auch eine Rentenzahlung ist oft vorgesehen.

Was kostet es? Ein 50-Jähriger zahlt für eine spezielle Unfallversicherung, die auch Service- und Rentenleistungen beinhaltet, ab rund 7,50 Euro monatlich.

Macht es Sinn? Ältere Menschen haben ein höheres Unfallrisiko und brauchen in der Regel mehr Service als eine reine Geldleistung. Deswegen sind solche Produkte für die graue Generation sinnvoll. Sie können Ergänzung, meist jedoch nicht Ersatz für normale Unfall- oder Pflegezusatzversicherungen sein.


Krankenversicherung

Der Top-Arzt, das beste Krankenhaus, die optimalen Medikamente – das wünschen sich alle. Doch der Weg dahin ist mühsam.

Was ist drin? Eine gute private Krankenversicherung bietet noch lange keine Gewähr dafür, jederzeit den Top-Spezialisten unter den Ärzten in Anspruch nehmen zu können. Auch hier verspricht eine entsprechende Police privater Krankenversicherer Abhilfe. Privat Versicherte können mit einem Zusatztarif sicherstellen, innerhalb kürzester Zeit den gewünschten Top-Spezialisten zu bekommen.

Was kostet es? Zwischen knapp 10 und über 20 Euro können solche Zusatzversicherungen kosten – monatlich.

Macht es Sinn? Entscheidend ist die Garantie eines schnellen Zugangs zum Spezialisten. Medizinische Kapazitäten haben oft lange Wartezeiten. Vorsicht ist angesagt, wenn sich im Kleingedruckten „Ausstiegsklauseln“ mit Geldersatz finden.


Hausratversicherung

Geld repariert nicht – da müssen Handwerker ran. Die zu bekommen, ist nicht immer einfach. Die Marktmacht eines Versicherers kann helfen.

Was ist drin? Schädlinge in der Wohnung, Heizung defekt, Dokumente gestohlen – betroffene Bewohner kennen den Stress, der folgt. Hier verspricht die Assekuranz, Handwerker zu besorgen und den Schaden zu beseitigen.

Was kostet es? Sogenannte Haus- und Wohnungsschutzbriefe kosten rund 5 Euro im Monat. Wer kompletten Immobilienschutz haben will, muss die Beiträge für eine Hausrat- und gegebenenfalls Wohngebäudepolice dazurechnen.

Macht es Sinn? Wenn nichts passiert, sind die Beiträge futsch. Grenzenlose Kostenübernahme gibt es ebenfalls grundsätzlich nicht – Höchstbeträge um die 500 Euro reichen nicht immer.




Text Heino Georg
Artikel aus Heft 11/2007

Vorsorge


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