Verlust durch Kündigung einer Lebensversicherungen vermeiden

Verlust durch Kündigung einer Lebensversicherungen vermeiden

Der Abschluss einer Lebensversicherung sollte gut überlegt sein. Wer vorzeitig kündigen muss, verliert regelmäßig einen hohen Betrag des Ersparten.

Die Deutschen lieben ihre Lebensversicherung. Mehr als 90 Millionen Verträge haben sie unterschrieben, Tendenz steigend.

Doch viele Kunden haben mit der Police keine große Freude, weil sie ihre Kapitallebens- oder private Rentenversicherung vorzeitig kündigen. Hochgerechnet verlieren sie dabei mehr als 3 Milliarden Euro im Jahr. Das ergab eine Untersuchung der Verbraucherzentrale (VZ) Hamburg.

Die Verbraucherschützer schauten sich in einer Stichprobe 418 Verträge genau an und ermittelten die Verluste, also die Differenz zwischen allen Einzahlungen und dem Betrag, den der Kunde zurückbekommt.

Im Fachjargon spricht man vom Rückkaufswert. Dieser ist zumindest in den ersten Vertragsjahren immer deutlich niedriger als die Sparleistung des Versicherten.

Der Grund: In den ersten Jahren wird das Geld der Kunden nicht angelegt, die Versicherten zahlen zunächst einmal die Provision für den Vertreter und andere Abschlusskosten ab, die sich schnell auf einige tausend Euro summieren können.

So ist das Ergebnis der Hamburger Untersuchung für die Versicherungsbranche kein Ruhmesblatt: Pro gekündigtem Vertrag betrug der Verlust durchschnittlich 3362 Euro.

Den Vogel schoss dabei die Aspecta ab: Nach Angaben der VZ Hamburg hatte eine Kundin in eine Kapitallebensversicherung des Versicherers 152000 Euro eingezahlt. Nach der vorzeitigen Kündigung erhielt sie aber nur noch 101593 Euro zurück – das ist ein Verlust von mehr als 50000 Euro.

Die Verbraucherzentrale macht aufgrund ihrer Stichprobe nun folgende Hochrechnung auf: Etwa eine Million Verträge werden jährlich vorzeitig gekündigt. Bei einem durchschnittlichen Minus von 3362 Euro würde sich der Schaden demnach auf 3,3 Milliarden Euro summieren.

Tatsächlich könnte die Zahl höher oder niedriger ausfallen. Dramatisch sind die Stornoquoten aber auf jeden Fall: Schließlich werden drei von vier Verträgen mit einer Laufzeit von 30 Jahren vor Ablauf gekündigt. Bei den 20-Jahres-Verträgen liegt die Stornoquote bei mehr als 50 Prozent und bei den Zwölf-Jahres-Verträgen immer noch bei mehr als 30 Prozent.

Über die Gründe für die vielen vorzeitigen Kündigungen sind sich Finanzexperten weitgehend einig. Als Hauptursachen gelten Einkommenseinbußen aufgrund von Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung, Krankheit oder Geburt eines Kindes, die Gründung einer beruflichen Existenz oder deren Scheitern – aber auch der Erwerb einer Immobilie.

„In allen diesen Fällen benötigt der Haushalt Barmittel. Die stehen aber nicht zur Verfügung, weil das Geld in der Versicherung meist auf Jahrzehnte festgelegt ist“, sagt Edda Castelló, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Verbraucherschützerin empfiehlt deshalb, den Abschluss einer Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung genau zu prüfen und zu checken, ob nicht als Alternative Fondssparpläne infrage kommen.

Bei diesen kann der Anleger jederzeit mit dem regelmäßigen Sparen aufhören. In der Regel fallen auch keine besonderen Abschlusskosten zu Vertragsbeginn an. Wer trotzdem lieber eine Lebensversicherung abschließt, sollte einige Faustregeln beachten:

Die lange Dauer bedenken

Eine Lebensversicherung kann nur lohnen, wenn die Police bis zum Ende bedient wird. Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät deshalb, einen Vertrag nur zu unterschreiben, „wenn sich der Kunde sicher ist, bis Laufzeitende durchhalten zu können“.

Bei den Kosten nachhaken

Vom 1. Juli 2008 an muss die Assekuranz die Kosten in Euro und Cent angeben. Dieses gilt auch für die laufenden Verwaltungsaufwendungen pro Jahr. Den Verbrauchern kann dies helfen, die teilweise sehr unterschiedlichen Kosten einzelner Anbieter zu vergleichen.

Das Versicherungsanalysehaus Map-Report hat Ende 2007 zum 15. Mal die deutschen Lebensversicherer benotet. Dabei spielten die Kosten, aber auch andere Kriterien wie die Bilanzkennzahlen oder der Service eine Rolle.

Der Map-Report kam zu dem Schluss, dass die guten Versicherer „sparsamer wirtschaften. Sie brauchen nur 8,73 Prozent der Beitragseinnahmen für Verwaltungskosten und den Abschluss neuer Verträge. Im Marktdurchschnitt sind es 13,32 Prozent“.

Mit anderen Worten: Schlechte Anbieter sind auch besonders teuer. Bei ihnen liegt die Kostenquote im Durchschnitt bei satten 15,47 Prozent.

Berufsunfähigkeit abkoppeln

Versicherungsvertreter verkaufen Lebensversicherungen gerne mit einer Berufsunfähigkeitspolice (BU). Der Abschluss einer BU-Versicherung wird von unabhängigen Experten immer wieder empfohlen, weil der Verlust der Arbeitsfähigkeit ein hohes finanzielles Risiko mit sich bringt.

Trotzdem warnt Expertin Weidenbach vor solchen Kombiverträgen, schließlich müsse ein guter Lebensversicherer nicht automatisch einen guten BU-Schutz bieten. Hinzu kommt: Wird die Lebensversicherung doch vorzeitig gekündigt, ist auch der BU-Schutz weg. Die Verbraucherschützerin rät deshalb, eine Berufsunfähigkeitsversicherung lieber in einem Extravertrag abzuschließen.

Den Vergleich nicht scheuen

Beim ersten Vertreter, der ins heimische Wohnzimmer kommt, einen Vertrag zu unterschreiben, kann teuer werden. Besser ist es, verschiedene Angebote zu prüfen. Doch Leistungen von Versicherern zu vergleichen, ist für Laien extrem schwierig.

Weidenbach empfiehlt deshalb, bei der Stiftung Finanztest oder Verbraucherzentralen Rat zu suchen. Interessierte, die selbst vergleichen wollen, sollten besonders auf die garantierte Leistung des Versicherers achten.

Schaden minimieren

Wer mangels Geld keine Beiträge mehr zahlen kann, sollte seine Versicherung nicht kündigen, sondern beitragsfrei stellen. Das ist besser, als sich über einen niedrigen Rückkaufswert ärgern zu müssen.


Gut bewertete Versicherungen

Das Versicherungsanalysehaus Map-Report verteilt für sein Rating 100 mögliche Punkte. Mindestens 70 Punkte sind nötig, um die Bestnote „mmm“ für langjährig hervorragende Leistungen zu erhalten. Die Bewertung „mm“ gibt es ab 60 Punkten für langjährig sehr gute Leistungen.

Die Tabelle der GELDidee zeigt die nach diesem Rating besten deutschen Lebensversicherer. 18 Kennzahlen, die von den Analysten nach einem komplizierten Verfahren gewichtet werden, kommen in der Endnote zum Ausdruck. Maximal 43 Punkte gibt es etwa für gute Bilanzkennzahlen, bis zu 24 Zähler für die Servicekennzahlen und weitere 33 Punkte für die Vertragskennzahlen.

Tipp: Holen Sie sich vor Abschluss von drei, vier Gesellschaften ein individuelles Angebot zum Vergleich ein.


Die besten Lebensversicherungen für langfristige Sparer

Diese Gesellschaften erhielten vom Versicherungsanalysten Map-Report die beste Bewertung. Sie bieten bei den genannten Kriterien sehr gute Leistungen und sind insofern empfehlenswert.

Die besten Lebensversicherungen für langfristige Sparer




Text Frank Schuster
Artikel aus Heft 05/2008

Vorsorge


Die gesetzliche Altersversorgung wird beim Eintritt ins Rentenalter kaum ausreichen. Machen Sie jetzt Ihre kostenlose und unverbindliche Anfrage zur Rentenversicherung.