Top-Versicherer bei der Altersvorsorge

Altervorsorge

2007 sinkt der Garantiezins auf mickrige 2,25 Prozent. Doch einige Versicherer bieten weiter deutlich mehr.

Wer sich bei der Altersvorsorge allein auf Aktien und Fonds verlässt, muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein“, poltert Hans-Joachim Krauß. Geht es nach dem Chef der DBV-Leben, kommt um die Lebensversicherung auch künftig niemand herum. Doch davon dürften immer weniger Kunden zu überzeugen sein: Die Branche hat zum dritten Mal ihre Garantiezinsen gesenkt – von 2,75 auf magere 2,25 Prozent ab 2007.

Zwar zahlen Versicherer oft mehr als die garantierten Prozente, doch auch mit der Gesamtverzinsung geht es ständig bergab. 2006 stand zum siebten Mal in Folge ein Minus vor dem Trend: Die Spareinlagen der Versicherten rentieren im Schnitt mit 4,2 Prozent. Was viele nicht wissen: Die reale Rendite liegt deutlich darunter.

Denn nicht die ganze Prämie wird verzinst, sondern nur der Teil, der nach Abzug von Kosten auf dem Sparkonto landet. Je nach Gesellschaft schrumpft ein Beitrag von 100 Euro auf 60 Euro – bis zu 40 Euro bleiben beim Versicherer hängen. Die Folge: Zahlt der Versicherer den Garantiezins von 2,25 Prozent, rentiert das gesamte Investment mit 1,75 Prozent – vorausgesetzt, die Kosten bleiben im Rahmen.

Bei teuren Anbietern kann die Rendite sogar negativ sein – am Ende erhält der Anleger weniger Geld als er eingezahlt hat. Das muss nicht sein. Die Crème de la Crème der Branche überweist auch heute noch beachtliche Beträge. Anbieter wie Europa und Debeka bieten Zinsen von 5 Prozent und mehr.

Momentaufnahme Allein von den hohen Zinsen sollte sich aber niemand zum Vertragsabschluss locken lassen. Sie sind lediglich ein Ausgangspunkt: Wer sich vor zehn Jahren für einen Lebensversicherer mit überdurchschnittlicher Gesamtverzinsung entschloss,ist meistens gut gefahren. Doch auf dem Gipfel wird die Luft dünn. So muss sich der Anleger fragen, wie lange die Europa Spitzenzinsen von 5,4 Prozent noch zahlen kann? Denn die meisten Versicherer haben das Geld ihrer Kunden auf dem Anleihemarkt investiert.

Mittlere Laufzeiten aber bringen dort eine Rendite von weniger als 4 Prozent. Um langfristig höher rentierende Aktien macht die Branche einen Bogen. „Bei den meisten Versicherern liegt die Quote unter 10 Prozent“, weiß Sylvia Gensler von der Finanzberatung Gensler&Partner. Über kurz oder lang werden die Spitzenreiter also ihre Überschussbeteiligungen deutlich senken müssen – denn die gewährte Verzinsung wird jährlich neu kalkuliert. Tatsächlich kommen spendierfreudige Anbieter verstärkt in die Bredouille. Während die Schlusslichter der Branche bereits die Talsohle erreichten, haben die fünf besten Anbieter 2006 erneut ihre Zinsen gekappt – von 5,3 auf 5,1 Prozent im Schnitt.

Mogelpackung Selbst die für 2006 bereits zugesagten Gewinnbeteiligungen sind mit Vorsicht zu genießen. Eine ganze Reihe von Unternehmen weicht von der einheitlichen Gesamtverzinsung ab, nur Neukunden erhalten den in der Werbung deklarierten Satz. Altkunden müssen sich mit etlichen Prozentpunkten weniger begnügen. Die einschlägige Begründung: Sie erhalten höhere Garantiezinsen und verursachen so höhere Absicherungskosten. Zwar hat die Versicherungsaufsicht BaFin diese Praxis mittlerweile verboten, doch offensichtlich ohne Erfolg. So beobachtete die Analysegesellschaft Assekurata auch 2006 einen wachsenden Trend zur Ungleichbehandlung von Versicherungskunden.

Damit nicht genug: Neue Anleger werden zwar mit höheren Zinsen gelockt. Doch tatsächlich sind diese ohne Bedeutung. Denn im ersten Jahr liegt das Versichertenguthaben wegen der abzuführenden Vertriebskosten quasi bei Null – der hohe Zins kommt gar nicht zum Tragen. „4,6 Prozent auf Null ergeben nun einmal Null“, bringt Versicherungsexperte Poweleit die Mogelpraktik auf den Punkt. Wenn der Anleger in den nächsten Jahren endlich Geld ansparen kann, ist er längst Altkunde geworden – und wird womöglich mit niedrigeren Zinsen bedient.

Eine wertvolle Orientierungshilfe, um die potentesten unter den über 80 Anbietern zu finden, sind die Ratings verschiedener Analysehäuser. Experten nehmen die Konzernbilanzen unter die Lupe. „Wir prüfen Finanzpolster, Kosten- und Stornoquote und weitere sechs Eckdaten aus den Geschäftsberichten der letzten fünf Jahre“, sagt Martin Zsohar vom unabhängigen Analysehaus MORGEN&MORGEN.

Wie viel Euro ein Anbieter in Zukunft ausschütten wird, kann aber auch das beste Rating nicht sagen. Es bleiben Unwägbarkeiten wie die Firmenpolitik. „Leistungsstarke Versicherer könnten ihre Überschüsse für 2007 sogar erhöhen“, so Experte Zsohar. Ob es aber so kommt, steht in den Sternen. Vor allem die Töchter börsennotierter Konzerne müssen bald mehr Gewinn an den Mutterkonzern abgeben – um deren Aktionäre zufrieden zu stellen.

Handlungsbedarf Obwohl viele Versicherer noch deutlich mehr als den aktuellen Garantiezins von 2,75 Prozent ausschütten, macht ein Vertragsabschluss in diesem Jahr Sinn. „Wem Sicherheit wichtig ist, sollte den höheren Garantiezins mitnehmen“, so M&M-Experte Zsohar. „Schließlich ist dieser Satz über die gesamte Laufzeit garantiert.“ Bei Rentenpolicen kann diese schnell bis zu 70 Jahren betragen. Wo dann die Zinsen stehen, ist heute ungewiss. Gerade bei langlaufenden Verträgen sollten Anleger aber den Garantieanspruch prüfen. Schon jeder vierte Versicherungsvertrag hebelt feste Zusagen aus! Klauseln im Kleingedruckten räumen der Versicherung das Recht auf Kürzungen ein – etwa wenn die allgemeine Lebenserwartung steigt. Selbst bereits gutgeschriebene Zinsen werden in diesem Falle gekappt.

Alternative Eine gänzlich andere Strategie verfolgen Anbieter aus dem englischen Sprachraum. „Eine andersartige Garantie versetzt die Versicherer in die Lage, mit einer höheren Quote in Aktien zu investieren, da der Anteil der festverzinslichen Wertpapiere zur Absicherung der Garantie entsprechend gering gehalten werden kann“, erklärt Günther Soboll, Hauptbevollmächtigter der Canada Life Europe für Deutschland. Im Gegensatz zu deutschen Assekuranzen steht angelsächsischen Versicherern die Möglichkeit offen, einen wesentlich höheren Prozentsatz der Kundengelder in Aktien anzulegen, denn das Limit einer 35-prozentigen Aktienquote gilt für sie nicht. Somit können sie Kunden höhere Renditechancen als ihre Mitbewerber hierzulande bieten und stellen im Zuge der aktuellen Problematik um die Einhaltung von Garantieversprechen, sinkende Überschussbeteiligungen und einen historisch niedrigen Zinssatz eine interessante Alternative dar.


Die Spreu trennt sich vom Weizen: Top-Versicherer für die Altersvorsorge

Die Tabelle zeigt, was unterschiedliche Anbieter in folgendem Beispielvertrag ausschütten: Ein 40-jähriger Mann zahlt 20 Jahre lang monatlich 200 Euro in eine Lebensversicherung ein. Aufgelistet werden nur Unternehmen, deren Finanzkraft vom unabhängigen Analysehaus MORGEN&MORGEN mit vier oder fünf Sternen bewertet wird.

Top Versicherer Altervorsorge

1) Der Gesamtzins ergibt sich aus dem Garantiezins zuzüglich freiwillig gezahlter Überschüsse. Er wird jährlich neu kalkuliert. Gezahlt wird er auf den Sparanteil der Prämie (Prämie abzüglich Kosten)
2) in Euro, auf 100 Euro gerundet. Die prognostizierte Ablaufleistung ergibt sich, wenn der Gesamtzins über die gesamte Laufzeit stabil bleibt. Sinkt er, sinkt auch die Ablaufleistung – im schlimmsten Fall bis auf die Garantieleistung
3) Das ist die Rendite auf die eingezahlte Prämie.
Stand Oktober 2006 Quelle: MORGEN & MORGEN

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