Restschuldversicherung - ein teurer Aufschlag

Restschuldversicherung

Restschuldversicherungen übernehmen die Raten, wenn der Kreditnehmer die Rückzahlung nicht mehr leisten kann. Oft ist dieser Schutz überflüssig.

Eigentlich wollte das Ehepaar Schneider (Name von der Redaktion geändert) nur einen Kredit von 30000 Euro netto aufnehmen. Am Ende mussten sie gut 69000 Euro an die Bank zurückzahlen. Grund war eine Restschuldversicherung (RSV), die die Bank dem Ehepaar ans Herz legte. Der Einmalbeitrag für die Police erhöhte die Kreditsumme um rund 17300 Euro. Folge: Auch Zinsen und Bearbeitungsgebühr stiegen in die Höhe. „Ohne RSV hätten die Schneiders nur rund 37800 Euro zahlen müssen“, resümiert Arno Gottschalk, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale in Bremen, den das Paar nach dem erlebten Desaster konsultierte.

Die Anschaffung einer neuen Einbauküche steht zur Debatte und nach der Geburt des zweiten Kindes wird ein größeres Auto notwendig – um zügig an zusätzliche Barmittel zu kommen, nutzen die Deutschen Ratenkredite. Nach der aktuellen Statistik der Deutschen Bundesbank betrug der Bestand an Konsumentenkrediten Ende 2005 immerhin rund 234 Milliarden Euro (siehe unten).

KonsumentenkreditWer jedoch einmal im Beratungszimmer der Banken Platz genommen hat, wird in den meisten Fällen zugleich mit dem Abschluss einer RSV konfrontiert, lautet das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv). Bei der RSV handelt es sich um eine spezielle Form der Risikolebensversicherung, die die Rückzahlung des Kredits im Todesfall, bei unfallbedingter Invalidität, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit absichern soll. Tritt der Ernstfall ein, übernimmt die Versicherungsgesellschaft die Raten. Ein vor allem bei hohen Kreditsummen im Einzelfall sinnvoller Service, der aber nach Ansicht der Verbraucherzentralen Fallstricke birgt. vzbv-Chefin Edda Müller drastisch: „Die Kopplung von Ratenkredit und RSV ist eine Form des Kreditwuchers.“

Hintergrund: In den meisten Fällen wird die Versicherungsprämie als Einmalbetrag zusammen mit dem Abschluss des Kreditvertrages fällig und auf die abzutragende Kreditsumme addiert. In mehreren der von der vzbv dokumentierten 200 Fälle stieg der Effektivzins des Kredits dadurch um mehr als das Doppelte an.

Verbraucherschützer Gottschalk ärgert sich zudem über die Höhe der angebotenen Versicherungssummen. So hat er bereits erlebt, dass ein Bankkunde für einen Nettokredit von 41000 Euro eine RSV in Höhe von 19000 Euro abschließen sollte. In einem anderen Fall wurde für einen 11000-Euro-Kredit eine RSV von 5600 Euro verlangt. „Solche Summen stehen absolut nicht mehr im Verhältnis“, schimpft Gottschalk. Der eigentliche Wunsch des Kunden, die Bedienbarkeit des Kredits abzusichern, werde dabei komplett konterkariert. „Der Kunde hat durch den Abschluss plötzlich so hohe Kosten, dass seine Zahlungsfähigkeit erst recht bedroht ist.“

Die Kunden sollten in solchen Fällen abwinken: „Wenn der Kunde keine RSV will, bekommt er den Kredit auch ohne, wenn die sonstigen Vergabebedingungen erfüllt sind“, betont Christoph Blumenthal, Sprecher der Dresdner Bank. Dennoch weise das Institut seine Kunden ausdrücklich auf Risiken hin, gegen die man sich bei der Kreditaufnahme versichern sollte – etwa Arbeitslosigkeit. „Teil der Beratung ist aber auch, gemeinsam mit dem Kunden zu überlegen, ob die RSV in seinem Fall Sinn macht, und ob der Kunde so viel Sicherheit haben möchte“, versichert Blumenthal.

Nach den Auswertungen des VZBV sieht die Praxis aber in manchen Bankfilialen anders aus. In 94 Prozent der untersuchten Fälle sei den Kunden die RSV als quasi automatischer Teil des Kreditvertrags verkauft worden. Dass der Abschluss keine Voraussetzung für den Kredit sei, wurde verschwiegen. „Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, vor der Aufnahme des Kredits Angebote und Beratungsservice verschiedener Institute zu vergleichen“, empfiehlt Gottschalk.

Der Verbraucherschützer rät indes nicht grundsätzlich von einer Absicherung der Rückzahlungsfähigkeit ab. Die Entscheidung hänge vom Einzelfall ab. Dabei spielen die Lebenssituation und die persönliche Risikobereitschaft eine große Rolle. Doch für Sicherheit sorgt nicht nur die RSV. Im Gegenteil: „In der Regel ist es sinnvoller und günstiger, eine separate Police abzuschließen, als den Kredit mit einer RSV zu koppeln“, betont der Experte. So biete eine Risikolebensversicherung oft ausreichend Schutz für die Familie. Unabhängig davon sollte zudem jeder potenzielle Kreditnehmer prüfen, ob seine Berufsunfähigkeitsversicherung ausreichen würde, auch im Ernstfall die Raten zu tilgen.

Kosten Restschuldversicherung

Entscheidet sich der Kunde für den Kredit mit RSV, muss er darauf achten, dass die Kosten der Police separat im Vertrag ausgewiesen sind. Mehr noch: „Die Bank hat die Kosten bei der Berechnung des Effektivzinses zu berücksichtigen“, erklärt Tanja Beller, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Banken. Können die Kunden nachweisen, dass dies nicht geschehen ist, haben sie Anspruch auf Anpassung der tatsächlich gezahlten Zinsen an die ausgewiesenen Effektivzinsen.

Außerdem ist ein Blick in die Versicherungsbedingungen sinnvoll, um böse Überraschungen zu vermeiden. So kann der Schutz bei Vorerkrankungen von vornherein ausgeschlossen sein. In anderen Fällen springt die Versicherung erst nach dreimonatiger Karenzzeit ein, die Raten werden nur befristet übernommen oder überhaupt nicht, wenn der Kunde selbst kündigt oder ein befristetes Arbeitsverhältnis ausläuft. Dann ist der Sinn der Police fraglich.


Vor Abschluss des Kreditvertrages richtig reagieren

Vor Abschluss des Kreditvertrages gilt es einige entscheidende Kriterien zu beachten. Vor allem sollten Verbraucher sich von der Bank nicht unter Druck setzen lassen. Die wichtigsten Punkte im Schnellüberblick:

KONDITIONEN VERGLEICHEN: Bevor Sie einen Kredit aufnehmen, sollten Sie die Angebote verschiedener Banken checken. Dabei gilt: Nicht nur die Zinshöhe betrachten, sondern auch gezielt die Modalitäten in Sachen Restschuldversicherung (RSV) erfragen.

AUF OFFENHEIT ACHTEN: Der Bankberater sollte Sie darauf hinweisen, dass der Abschluss einer RSV freiwillig ist. Im Gespräch sollte er zwei Angebote vorlegen: Eine Kalkulation mit und eine ohne RSV.

NACHFRAGEN: Lassen Sie sich das Angebot genau erklären. Es muss den nominalen und den effektiven Jahreszins, die Ratenhöhe und -anzahl über die Laufzeit, die Gesamtzinslast und den Gesamtkreditbetrag enthalten. Wichtig: Bei dem Angebot mit RSV müssen die Kosten für die Police im Effektivzins enthalten sein.

BEDINGUNGEN PRÜFEN: Aus dem Angebot mit RSV sollte ersichtlich sein, welche Risiken – Tod, Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit – abgesichert sind und unter welchen Bedingungen die Versicherung zahlt. Die Prämien für eine RSV sollten auf keinen Fall 10 Prozent der Kreditsumme übersteigen.

ALTERNATIVEN ANBIETEN: Prüfen Sie zu Hause, ob Sie bereits ausreichend abgesichert sind. So sichern etwa Risikolebensversicherungen den „Todesfall“ in der Regel günstiger ab als eine RSV.

NICHT DRÄNGEN LASSEN: Wenn Sie Beratungsbedarf haben, sollte sich der Bankmitarbeiter auch die entsprechende Zeit nehmen. Er nötigt Sie nicht zum Abschluss einer RSV, sondern klärt in Ruhe ihre persönlichen Einkommen- und Vermögensverhältnisse und ermittelt, ob eine Absicherung der Rückzahlungsfähigkeit überhaupt notwendig ist.



Text Klara Fischer
Artikel aus Heft 06/2007

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