Lebensversicherungen als gutes Investment

Lebensversicherungen als gutes Investment

Höhere Gewinnbeteiligungen, mehr Durchblick und handfeste Steuervorteile – als langfristiges Investment können Lebensversicherungen wieder punkten.

Was stört’s die Eiche, wenn sich eine Sau an ihr scheuert? Da haben Verbraucherschützer über Jahre landauf und landab gegen die Lebensversicherung getrommelt – mit den Argumenten: zu teuer, zu undurchsichtig und sowieso überflüssig.

Und gebracht hat’s so gut wie nichts. Denn „die Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds sind als Instrumente der Alters- und Hinterbliebenenvorsorge von herausragender Bedeutung“, jubelte kürzlich die Branchenvereinigung „Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft“ (BDV) in Berlin.

Knapp 100 Millionen Verträge, rund 94 Milliarden Euro Leistungen insgesamt im vergangenen Jahr und Beitragseinnahmen von fast 80 Milliarden Euro, was rund die Hälfte der privaten Ersparnis in 2006 ausmachte. Viel gefruchtet hat das Trommelfeuer von Verbraucherschützern wie dem „Bund der Versicherten“ (BdV) offenbar nicht. Und als das Neugeschäft mit Kapital-Policen vor ein paar Jahren praktisch zum Erliegen kam, war die weiße Ritterschaft des Verbraucherschutzes ebenfalls unbeteiligt.

Schuld war damals der Gesetzgeber, der die über Jahrzehnte lieb gewonnenen Steuervorteile von Kapital-Lebensversicherungen weitgehend aufhob. Nach einem berauschenden Schlussverkauf zum Jahresende 2004, der den Assekuranzen in Deutschland ein rekordverdächtiges Neugeschäft brachte, war weitgehend Ebbe.

Stattdessen liefen die staatlich geförderte Riester-Rente und auch private Renten-Policen gleichsam wie geschnitten Brot. „Steuervorteile sind in Deutschland immer noch gute Argumente für die Geldanlage“, glaubt der Kölner Rechtsanwalt Günter Reinert.

Doch in diesen Wochen und Monaten werden die Karten neu gemischt. Und zwar in der Form, dass Kapital-Policen gleich in mehrerer Hinsicht wieder attraktiver werden als noch vor einiger Zeit.

Schuld daran sind, sofern man überhaupt von „Schuld“ reden kann, einmal mehr der Gesetzgeber und – mittelbar – auch Verbraucherschützer. Von der Großen Koalition in Berlin kommen die künftige Abgeltungssteuer und das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG).

Die Verbraucherschützer wiederum sorgten mit ihrer Klage dafür, dass die Lebensversicherer ihre Kunden künftig weit nachhaltiger als bisher an den stillen Reserven beteiligen müssen. Alle drei gemeinsam, nämlich Abgeltungssteuer, VVG und höhere Gewinnbeteiligung, machen Kapital-Policen wieder zu einem erwägenswerten Investment. Zumal die Renditen nach einer längeren Durststrecke wieder steigen dürften.


Was Lebensversicherungen bei einem Mann bringen

Beispielrechnung für einen 35 Jahre alten Mann, dessen Lebensversicherung mit 65 Jahren fällig wird und der über 30 Jahre hinweg 100 Euro im Monat einbezahlt.

Lebensversicherung Rendite Mann


Was Lebensversicherungen bei einer Frau bringen

Beispielrechnung für eine 30 Jahre alte Frau, deren Lebensversicherung ebenfalls mit 65 Jahren fällig wird und die über 35 Jahre hinweg 100 Euro im Monat einbezahlt.

Lebensversicherung Rendite Frau

Tendenziell gehen die Renditen von Kapital-Policen wieder nach oben, nachdem sie in den vergangenen Jahren beinahe dramatisch zusammengestrichen worden waren. Lag die Gesamtverzinsung auf den Sparanteil der Beiträge im Jahr 2000 noch bei 7,2 Prozent durchschnittlich, so beträgt sie derzeit nur noch gut 4 Prozent. Verantwortlich für den Renditecrash waren die historische Baisse an den Aktienmärkten und die beinahe ebenso drastisch fallenden Anleihenrenditen.

Mittlerweile aber hat der Wind gedreht. DAX&Co. haben seit ihren historischen Tiefstständen ihre Werte teils mehr als verdoppelt. Zudem werfen Schuldverschreibungen höhere Renditen ab als noch vor rund zwei Jahren. Dies alles dürfte den Gesamtertrag von Kapitalversicherungen guter Anbieter immerhin in Richtung 5 Prozent, erneut bezogen auf den Sparanteil der Beiträge, schieben.

Kleiner Steuervorteil

Von der ab dem übernächsten Jahr geltenden Quellensteuer (25 Prozent plus Soli-Zuschlag und oft auch Kirchensteuer auf Kapitaleinkünfte aller Art) sind Lebensversicherungen nicht betroffen. Die einzigen Voraussetzungen: Der Vertrag muss vor seinem Ende eine Laufzeit von mindestens zwölf Jahren gehabt haben. Zudem darf er erst fällig werden, nachdem der Policen-Inhaber sein 60. Lebensjahr vollendet hat.

Bei solchen Kapitalversicherungen gilt dann nach wie vor das Halbeinkünfteverfahren. Die Berechnungsweise ist ganz einfach: Die gesamten Einzahlungen des Policen-Sparers während der Vertragslaufzeit und die Ablaufleistung werden gegenübergestellt. Die Differenz bleibt zur Hälfte steuerfrei, die anderen 50 Prozent unterliegen mit dem persön-lichen Steuersatz des Policen-Inhabers dem Zugriff des Finanzamts.

Ergebnis: In vielen Fällen stehen sich Anleger schlechter mit der Abgeltungssteuer als mit dem Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalversicherungen. Denn die Überschlagsrechnung sieht so aus: Von 100 Euro Kapitaleinkünften wie Zinsen, Dividenden oder auch Kursgewinnen oberhalb des künftigen Sparerpauschbetrags gehen ab dem übernächsten Jahr grundsätzlich gut 28 Cent ans Finanzamt.

Beim Halbeinkünfteverfahren wird der persönliche Steuersatz nur auf die Hälfte des Ertrags angewendet, so dass lediglich Bestverdienende mit Spitzenbelastung knapp so viel zahlen würden wie bei der Abgeltungssteuer. Durchschnittsverdiener hingegen überweisen deutlich weniger, so dass hier das Halbeinkünfteverfahren spürbare Vorteile gegenüber der künftigen Quellenbesteuerung hat.

Stille Reserven

An denen werden PolicenSparer, im Gegensatz zu früher, ab dem kommenden Jahr zur Hälfte beteiligt. Neben dem Garantiezins von 2,25 Prozent und den jährlichen Überschüssen wird der Gewinntopf nunmehr aus einer weiteren, einer dritten Quelle gespeist. Angezapft wird der Reservetopf entweder bei Policenende, einer Vertragskündigung oder aber, sofern es sich um private Rentenversicherungen handelt, zu Beginn der Rentenzeit. Pikant: Es waren die Verbraucherschützer, die per Gericht die Öffnung der Reservetöpfe durchgesetzt und so die eigentlich veteufelten Kapital-Policen wieder attraktiv gemacht haben.

Durchblick

Mehr Verbrauchernutzen und -schutz bringt ab dem kommenden Jahr das Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Beim Abschluss einer Police müssen Neukunden, im Gegensatz zu heute, detailliert über die Kosten informiert werden. Das gilt für Provisionen und die Verwaltung von Versicherungsverträgen.

Noch nicht ganz einig ist man sich, in welcher Form dies geschehen soll: ob nun als Prozentsatz oder als Betrag auf Euro und Cent genau. Doch egal, ob nun das eine oder andere: Künftige Policen-Sparer werden dann einfacher die Qualität unterschiedlicher Anbieter miteinander vergleichen können.


Britische Zweitmarkt-Policen mit günstigem Rendite-Risiko-Verhältnis

Ihre Ursprünge reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Auch deshalb sind britische Second-Hand-Policen, kurz TEPs genannt, bei den Angelsachsen längst eine Investmentkategorie für sich.

„Rund drei Viertel aller britischen Kapitallebensversicherungen werden vorzeitig beendet“, sagt Alfred Wettach, vom Policenhändler PolicyLink. Was jenseits des Ärmelkanals offenbar weit weniger tragisch ist als bei uns. Denn wer seinen Versicherungsvertrag loswerden möchte, „dem steht ein liquider und seit Jahrzehnten etablierter Zweitmarkt zur Verfügung“, fährt Wettach fort.

Ein Geschäft, von dem offenbar beide Seiten profitieren können. Verkaufswillige erhalten mehr Geld als vom jeweiligen Versicherer. Makler und Investoren wiederum erwerben die Gebrauchtware zu Preisen, die – oft deutlich – unter dem inneren Wert der Policen liegen. Allein im Jahr 2006 wurden am britischen Zweitmarkt Kapitalversicherungen im Gegenwert von rund 800 Millionen Euro umgesetzt.

Mit einem verwalteten Vermögen von momentan knapp 400 Milliarden Pfund ist der britische Lebensversicherungsmarkt der größte Europas. Dank ihrer hohen Aktienquote von rund 50 Prozent und einer eher flexiblen Anlagepolitik bieten Policen von der Insel langfristig bessere Ertragschancen als die deutsche Konkurrenz.

Policen-Sparer profitieren dabei von einem recht ausgeklügelten System bei der Gewinnverteilung. Speziell sind das laufende Jahresboni sowie der oft recht hohe Schlussbonus. Zudem bedienen sich die britischen Assekuranzen eines speziellen Glättungsverfahrens, des sogenannten Smoothings, durch das in der Regel eine Verstetigung der Wertentwicklung erreicht wird.

„Britische Zweitmarkt-Policen verfügen momentan über ein äußerst günstiges Rendite-Risiko-Verhältnis“, glaubt Experte Alfred Wettach. Begründung: Die Lebensversicherer hätten ihre Boni den schlechten Aktienjahren kurz nach der Jahrtausendwende nach unten angepasst. „Inzwischen weist der Trend bei den Bonusraten nach oben, so dass Anleger beste Aussichten auf langfristig hohe Erträge haben“, ist Wettach überzeugt.




Text Heinz-Josef Simons
Artikel aus Heft 01/2008

Vorsorge


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