Kündigung der Lebensversicherung - Rückzug auf Raten

Kündigung Lebensversicherung

Viele Verbraucher wollen ihre Lebensversicherung kündigen. Assekuranzen schlagen dann oft eine Beitragsfreistellung vor – auch die ist verlustträchtig.

Lebensversicherer lassen ihre Kunden nur ungern vorzeitig ziehen. Ein Grund: Hohe Stornoquoten gelten in der Branche als ein Signal für schlechte Beratung. Gerät ein Versicherungsnehmer in eine finanzielle Klemme, bekommt er deshalb zahlreiche Vorschläge, wie er die Police fortführen kann. Hauptsache, er kündigt nicht.

Besonders beliebt ist die so genannte Beitragsfreistellung, bei der die Versicherung mit reduzierten Leistungen fortgeführt wird, wie es gerne heißt. Es wird dabei suggeriert, der Kunde komme damit besser weg als mit einer Kündigung, mit der regelmäßig hohe Verluste verbunden sind, wie sich herumgesprochen hat. Das allerdings ist gleich ein doppelter Bluff. Abschlusskosten, die bei frühzeitigen Kündigungen für die hohen Verluste verantwortlich sind, fallen ebenfalls bei der Beitragsfreistellung in voller Höhe an. Bis zu 4 Prozent der gesamten Prämien können einem Kunden belastet werden. Ein Rechenbeispiel: Bei einem Vertrag über 30 Jahre und 150 Euro monatlich beträgt die Gesamtprämie 54000 Euro. 4 Prozent davon sind 2160 Euro, die via Abschlusskosten dem Kunden als „Miese“ gleich zu Vertragsbeginn angekreidet werden dürfen (siehe Kasten Seite 32). Erst wenn die Abschlusskosten durch den Sparanteil der Prämien getilgt wurden (Sparanteil entspricht etwa drei Viertel der Gesamtprämie), ergibt sich überhaupt ein Guthaben, im Jargon „Deckungskapital“ genannt. Das dauert je nach Gesellschaft und Alter etwa zwei Jahre, bis der Kunde aus den roten Zahlen heraus ist und ein kleines Deckungskapital verbuchen kann.

Stornokosten können dann das Deckungskapital zusätzlich mindern – auch bei einer Beitragsfreistellung. Wer das nachlesen möchte, sollte einmal in seine „AllgemeinenVersicherungsbedingungen“schauen. Unter „Umwandlung in eine beitragsfreie Versicherung“ (§ 6, Absatz 4) heißt es meist einheitlich: „Der für die Bildung der beitragsfreien Summe zur Verfügung stehende Betrag mindert sich um einen als angemessen angesehenen Abzug in Höhe von...“ Angemessen finden die Lebensversicherer mal 5, mal 15 Prozent. Möglicherweise ist der Stornoabzug bei einer Beitragsfreistellung etwas geringer als bei einer Kündigung.

„Unterm Strich ist für den Kunden die Beitragsfreistellung genau so verlustreich wie eine Kündigung“, sagt Andreas Kutschera, gerichtlich zugelassener Versicherungsberater. „Die Beitragsfreistellung ziehen die Lebensversicherer vor, weil das Geld zunächst bei ihnen bleibt.“ Der wichtige Unterschied: Während der Kunde bei einer Kündigung einen Rückkaufswert ausgezahlt bekommt, wird bei einer Beitragsfreistellung der Restbetrag in eine neue Lebensversicherung umgewandelt. Ein Argument für die Beitragsfreistellung lautet, die neue – geschrumpfte – Police sei weiterhin an den Überschüssen beteiligt. Die Guthabenverzinsung liegt derzeit bei etwa 4 Prozent. Das ist in der Tat mehr, als momentan auf einem Sparkonto erzielt werden kann. Sind aber Schulden aufgelaufen, ist es unwirtschaftlich, gleichzeitig Kreditzinsen von 10 Prozent und mehr abzustottern. „Dann wäre es günstiger, die Police zu kündigen und mit dem Auszahlungsbetrag die Schulden zu tilgen“, so Kutschera. Zwei gute Gründe könnte es aber für eine Beitragsfreistellung geben.

kapitalertragssteuer: Lief der Vertrag noch keine zwölf Jahre, wird bei einer Kündigung Kapitalertragssteuer fällig. Mit der Beitragsfreistellung kann der Kunde sich über die Zeit retten. Das ist dann wichtig, wenn der Sparerfreibetrag mit anderen Kapitalerträgen aufgebraucht ist.

schlussgewinn: Steht der Vertrag kurz vor dem regulären Ablauf, etwa zwei bis drei Jahre vor Ende der vereinbarten Laufzeit, kann die Beitragsfreistellung ebenfalls sinnvoll sein. Denn wer durchhält, erhält einen mitunter erheblichen Schlussgewinn, eine Art Treuebonus. Bei einer Kündigung würde der entfallen. Der Kunde kann sich ausrechnen lassen, wie hoch die Auszahlung für einen freigestellten Vertrag inklusive Schlussgewinn voraussichtlich sein wird.

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