Kosten sparen bei Bestattungen

Kosten sparen bei Bestattungen

Bestattung, Grabpflege und Versicherung: Wer seinen Nachkommen kein Kostengrab hinterlassen will, sollte rechtzeitig vorsorgen.

Nur der Tod ist umsonst? Von wegen. Sterben war nie teurer als heute. Die Kosten für eine einfache Beerdigung im Reihengrab summieren sich schnell auf über 5000 Euro. Und damit sind nur die Leistungen des Bestatters gedeckt.

Rechnet man Leistungen wie Friedhofsgebühren, Blumenschmuck und Grabpflege hinzu, wird es noch teurer. Viele Menschen können sich das seit Wegfall des Sterbegeldes im Januar 2004 nicht mehr leisten. Oft bleibt den Angehörigen nur der Gang zum Sozialamt. Logische Folge: Billig-Beerdigungen boomen – auf Kosten der Bestattungskultur.

„Immer mehr Menschen achten bei einer Bestattung auf die Kosten und verzichteten auf eine traditionelle Trauerfeier mit üppigem Blumenschmuck“, sagt Rolf Matthießen, Vorsitzender des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur und Bestatter.

Bevorzugte Bestattungsformen DeutschlandGar von einer „Entsorgungsmentalität“ spricht Heike Böhme-Küppenbender, Assistentin der Geschäftsführung des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB). Eine würdevolle Bestattung, die bezahlbar ist – das muss kein Widerspruch sein. GELDidee sagt, worauf Sie achten müssen.


Rechtzeitig vorsorgen

„Unter die Erde kommen Sie immer“, sagt Gabriele Francke, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin. Die Frage ist nur, wie. Rund 2300 Menschen sterben jeden Tag in Deutschland, alle 37 Sekunden einer. Die Beisetzung muss aus hygienischen Gründen schnell erfolgen – maximal zehn Tage später. Für Trauer bleibt da kaum Zeit, für intensive Preisvergleiche erst recht nicht.

So gehen viele Trauernde den Lockangeboten dreister Bestatter ins Netz. „Es gibt leider Unternehmen, die diese emotionale Ausnahmesituation schamlos ausnutzen“, sagt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Aeternitas e.V.

Eine Beerdigung soll ein würdevoller Abschied sein. Dabei möchte sich nie-mand später vorwerfen lassen, unnötig gespart zu haben. So werden Kunden oft unnötige Extras aufgeschwatzt. „Klassisch sind Messinggriffe am Sarg, die pro Stück locker 90 Euro kosten können“, sagt Helbach.

Manche Leistungen werden abgerechnet, obwohl sie gar nicht erbracht wurden, andere werden doppelt in Rechnung gestellt. Denn wer schaut schon nach, ob der Verblichene wirklich das kostbare Totenhemd trägt. Bis zu 1000 Euro zuviel locken die Abzocker so aus den Verbrauchertaschen. Ist Pietät eine Frage des Geldes?


Kosten einer einfachen Bestattung

Auch die Gebühren der Kommunen treiben die Kosten sukzessive nach oben.

Kosten einfache Bestattung Deutschland

Fest steht: Rund 40 Prozent aller Bundesbürger lassen sich mittlerweile nach ihrem Tod in einem Krematorium verbrennen. Etwa die Hälfte dieser Kremierungen mündet in einer anonymen Bestattung auf einem Urnenfeld – auf See oder in einem Friedwald. Interessant sind dabei die regionalen Unterschiede: Während in katholischen Gemeinden in Bayern bis zu 100 Prozent der Bürger die Erdbestattung wählten, wird in ostdeutschen Großstädten von bis zu 90 Prozent die Feuerbestattung favorisiert.

Ebenfalls im Trend: der „Bestattungstourismus“. „Immer mehr Verstorbene werden von ihren Erben zur Verbrennung eigens in die Niederlande oder nach Tschechien transportiert und dort beigesetzt, weil die Kosten dort niedriger sind“, sagt Böhme-Küppenbender.

Die Friedhöfe bringt der Trend zum namenlosen Tod in wirtschaftliche Bedrängnis. Viele der 4000 Bestatter in Deutschland (Jahresumsatz: 8 Milliarden Euro) sind kleine Familienunternehmen, sie reagieren mit Gebührenaufschlag für die übrigen Gräber – ein Teufelskreis.

Wer seinen Angehörigen den Entscheidungsdruck und hohe Kosten ersparen will, sollte schon zu Lebzeiten vorsorgen. Dafür ist es zunächst wichtig zu wissen, welche Leistungen man überhaupt wünscht und was wie viel kostet. Nur jeder dritte Erwachsene hat eine solche Verfügung für den Todesfall getroffen, besitzt also ein Testament oder einen Erbvertrag.

Eine Willenserklärung zur Sicherung der eigenen Bestattungswünsche hat kaum jemand. Damit bleibt für Angehörige im Trauerfall oft unklar, wie sich der Verstorbene den letzten Abschied gewünscht hätte, denn Gespräche über Tod und Bestattung sind in den meisten Familien tabu. Eine schwierige Situation – und unbefriedigend bei ungewöhnlichen Wünschen wie beispielsweise einem Gemeinschaftsgrab.

Wer noch kein Familiengrab hat, muss sich entscheiden: Soll es ein einzelnes Reihengrab, ein ausgewähltes Grab für mehrere oder ein Urnengrab sein? Erdwahlgräber sind am teuersten (zwischen 1600 und 3000 Euro), am günstigsten sind Urnenreihengräber.

Auch der Standort ist entscheidend: Das Preisgefälle zwischen den Gemeinden ist hoch. „Auf dem Land sind Bestattung und Friedhofsgebühren in der Regel günstiger als in größeren Gemeinden oder gar in der Großstadt“, sagt Böhme-Küppenbender.

Die Preisunterschiede sind enorm: Ein Erdwahlgrab kostet bei einer Laufzeit von 20 Jahren in Ulm 660 Euro, in Dortmund dagegen 2331 Euro (siehe Kasten „Grabgebühren“). Günstiger als kommunale sind oft kirchliche Friedhöfe. Allerdings kommen dort nur Kirchenmitglieder unter die Erde.


Bestatter gründlich wählen

Bei der Wahl des Bestatters gilt: Kostenvoranschläge von mehreren Anbietern einholen und die Preise für die einzelnen Leistungen wie Sterbeurkunde, Sarg und Überführung aufschlüsseln lassen. So können Sie besser Schwachstellen identifizieren und überlegen, wo Sie durch Eigenarbeit eventuell sparen können.

„Viele Trauernde möchten nicht untätig auf die Beisetzung des Verstorbenen warten und lenken sich mit dem Schreiben der Trauerkarten, der Abmeldung der Rentenbezüge und ähnlichem ab – und sparen so bares Geld“, sagt Böhme-Küppenbender. Grundsätzlich gilt: Nicht immer ist das günstigste Angebot auch das beste. Hohe Qualität und Extra-Wünsche haben ihren Preis.

Beispiel Sargwahl: Nach Schätzungen des Verbandes der Deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe (VDZB) ist bereits heute jeder zweite Sarg aus dem Ausland importiert – Tendenz steigend. „Dabei handelt es sich meist um Billigprodukte aus Osteuropa mit schlechter Qualität“, sagt VDZB-Geschäftsführer Siegried von Lauvenberg.


Grabgebühren im Vergleich

Kaum zu glauben, aber wahr. In Reutlingen ist es sieben Mal so teuer wie in Dresden.

Grabgebühren im Vergleich

Der Branchenverband reagiert mit einer Qualitätsoffensive und führt ab Januar 2008 ein Vollholzsiegel für Särge ein, die komplett aus Nadel- oder Laubholz gefertigt sind. „Wir fordern mindestens 20 Millimeter dicke Außenwände sowie umweltverträgliche Lackierungen und Leimungen“, sagt von Lauvenberg. Nur so kann bei Bestattungen eine rückstandsfreie Verrottung und bei Einäscherung eine Emissionsreduzierung gewährleistet werden.

Die Kosten liegen je nach Größe, Farbe und Verzierung zwischen 300 und 6000 Euro. Am beliebtesten ist ein Kiefern-Echtholzmodell (ca. 550 Euro). Griffe, Innenausstattung, Kissen und Decke müssen in der Regel zusätzlich gezahlt werden. Tipp: Den Kostenvoranschlag des Bestatters jährlich aktualisieren.


Hauptsache gut versichert

Seit Wegfall des gesetzlichen Sterbegeldes boomt das Geschäft mit den so genannten Sterbegeldversicherungen. Verbraucherschützer raten jedoch dringend davon ab. „Die Laufzeiten sind zu lang, die Rendite miserabel und die Versicherungssumme gering“, sagt Gabriele Francke, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin.

Weitere Haken: Das Geld ist zu Lebzeiten nicht frei verfügbar. Viele Versicherer zahlen zudem in den ersten drei Jahren nur den bis dahin eingezahlten Betrag aus. Besser geeignet: eine „Bestattungsvorsorge“, wie sie etwa der Berliner Seniorenversicherer Ideal anbietet, dem praktischerweise das große Bestattungsunternehmen Ahorn-Grieneisen AG gehört. Dabei legen Sie schon zu Lebzeiten die Einzelheiten Ihrer Beerdigung fest. Eine monatliche Rate fällt weg, dafür wird jedoch eine saftige Einmalzahlung fällig.

Experten raten zur Vorsicht: „Übergeben Sie das Geld nicht direkt dem Bestatter, sondern zahlen Sie es auf ein Sperr- oder Treuhandkonto ein. Andernfalls ist es im Insolvenzfall verloren“, rät Francke. Für die meisten Menschen ist der Abschluss einer Risikolebensversicherung zu empfehlen, die nicht nur die Kosten für eine Beerdigung abdeckt, sondern auch eine vergleichsweise hohe Summe auszahlt.

Angehörige von den finanziellen Folgen des eigenen Todes freihalten: Übertreiben sollte man es damit nicht. Vor allem wenn die Nachkommen etwas erben, sollte der Dank wohl für einen würdigen Abschied reichen.


Discout-Bestattungen

490 Euro, alles inklusive: Viele Anbieter werben mit Bestattungen zu Dumpingpreisen unter 500 Euro. So viel kostet normalerweise schon der Sarg alleine. Auch exotische Varianten sind buchbar:

So kann die Asche von Verstorbenen aus einem Heißluftballon in alle Winde zerstreut oder mit einer Feuerwerksrakete in den Himmel geschossen werden – allerdings nur in Tschechien, in Deutschland ist das nicht erlaubt. Günstig und originell – Discount-Bestattungen boomen.

Nicht immer ist Armut der Grund. Viele möchten nach ihrem Tod der Familie nicht zur Last fallen und anonym beerdigt werden. Und so werden neuerdings immer mehr Urnen in den Rasenfeldern versenkt, die es inzwischen in jedem größeren der 33000 deutschen Friedhöfe gibt. Und bei Erdbestattungen werden immer häufiger Spanplatten-Särge aus Polen und Tschechien statt rustikaler Eichenmodelle made in Germany geordert. Aber Vorsicht: Nicht immer ist die Beerdigung ihren Preis wert. Im Kleingedruckten verstecken sich oft deftige Zusatzkosten.

Wer Leistungen außerhalb des Billig-Pakets wie Trauermusik, Blumenschmuck oder Sargträger wünscht, wird kräftig zur Kasse gebeten. Manchmal fällt die Rechnung dann höher aus als bei einem „normalen“ Bestatter. „Unter 1000 Euro ist eine Erdbestattung in Deutschland nicht denkbar“, sagt Heike Böhme-Küppenbender vom Bund Deutscher Bestatter (BDB). Die Friedhofsgebühren kommen da natürlich noch drauf.

Ihr Tipp: Achten Sie darauf, dass bei Pauschalangeboten alle Gebühren beinhaltet sind – auch die der Stadt und Kommune für Grabstätte und Einäscherung sowie Überführung. Tipp: Lassen Sie sich alle Kostenpunkte detailliert aufl isten und schriftlich bestätigen. Prüfen Sie dann, ob alles enthalten ist.

Für die katholische Kirche sind die Billig-Beerdigungen ein Dorn im Auge. „Unmenschlich und unchristlich“ nennt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick die Discount-Angebote. Die Achtung vor dem einzelnen Menschen dürfe weder im Leben noch nach dem Tod vernachlässigt werden.



Text Sebastian Meissner
Artikel aus Heft 01/2008

Vorsorge


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