Kfz-Versicherung wechseln und sparen

KFZ-Versicherung

Rund sechs Millionen Autofahrer wechseln jährlich ihren Versicherer. Aus gutem Grund. Durch clevere Wahl des Anbieters lassen sich etliche Euros sparen und die Leistung verbessern.

In den letzten Wochen des Jahres immer das gleiche Spiel: fieberhafte Geschäftigkeit in den Vertriebsabteilungen der Versicherer, angespannte Erwartungshaltung bei den Chefs. Grund: Der 30. November lässt nicht mehr lange auf sich warten. Und das ist der wichtigste Termin für Autofahrer, die mit dem Beitrag oder der Leistung ihres bisherigen Versicherers unzufrieden sind oder sich auf die Suche nach einem günstigeren oder besseren Angebot machen wollen.

Rund 20 Prozent aller Autoversicherungspolicen werden im Lauf eines Jahres „umgedeckt“, wie das im Branchenjargon heißt. Paul Neurohr, Pressesprecher der CosmosDirekt-Versicherung: „Rund ein Drittel des gesamten Jahresgeschäfts werden zum Jahresschluss abgewickelt.“ Eine Chance für Versicherer und Kunden, denn die Karten werden neu gemischt. Es geht um Prämien und Strukturen. Eingeläutet werde das Jahreswechselspiel schon zum 1. Oktober. Denn ab dann gelten schon folgende Änderungen:

Neue Regionalklasseneinstufungen Von den 445 Zulassungsbezirken verbleiben rund 63 Prozent in der gleichen Haftpflicht-Regionalklasse. Die übrigen werden um bis zu vier Stufen besser oder bis zu zwei Klassen schlechter gestellt. Davon können besonders die Besitzer im Zulassungsbezirk Oberspreewald-Lausitz, Ostprignitz-Ruppin oder Elbe-Elster profitieren. Schlecht schneiden dagegen die Fahrzeugeigner in Kaufbeuren, Nürnberg und Offenbach ab. In der Sparte Vollkasko sind 20 Prozent der Autofahrer von den Änderungen betroffen, in Teilkasko 33 Prozent.

Kfz-Versicherung Refionalklassen

Neue Typklasseneinstufungen: Rund 70 Prozent der Autofahrer erwartet nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in der Auto-Haftpflichtversicherung die Umstufung in eine andere Typklasse. Gut die Hälfte muss mit einer Veränderung um eine Klasse rechnen, bei 20 Prozent können es auch zwei oder mehr Klassen sein. Nur 30 Prozent der Fahrzeugnutzer können sich entspannt zurücklehnen – bei ihnen verändert sich die Typklasse nicht.

Die wichtigsten Gründe für das ungewöhnlich hohe Umstufungsvolumen: Berücksichtigung neuer Risikomerkmale. So werden in den aktuellen Typklassenstatistiken nun auch Merkmale wie „Fahrzeugalter bei Erwerb“, „Wohneigentum“, „Nutzerkreis“ und „Nutzeralter“ berücksichtigt – Kriterien, die bislang schon vereinzelt als „weiche Tarifierungsmerkmale“ von Versicherern herangezogen wurden. Auch in Voll- und Teilkasko ist fast die Hälfte aller Autofahrer von Umstufungen betroffen.

Wirksam werden diese Änderungen meist jedoch erst zum Jahreswechsel – bei der sogenannten Hauptfälligkeit. Hinter diesem Begriff aus dem Versicherungs-Chinesisch verbirgt sich, dass bei vielen Versicherten die Änderungen erst zum Jahreswechsel greifen, weil sie dann die Jahresrechnung bezahlen.

Neben den Änderungen bei Regional- und Typklasseneinteilung, denen sich der Versicherte kaum entziehen kann, weil sie grundsätzlich in der gesamten Assekuranz zum Tragen kommen, können Autofahrer jedoch von aktuellen Trends profitieren. Und davon sind einige besonders hervorzuheben.

Aufsplittung der Produktlandschaft: Anstatt allein Standardprodukte anzubieten, wetteifern die Gesellschaften um „zielgruppenorientierte Angebote“, wie es im Marketing heißt. Im Klartext bedeutet das für den Kunden: Er muss sich intensiver mit den neuen Produkten auseinandersetzen. Denn statt Leistungseinheit herrscht nun Leistungsvielfalt und damit für den versicherungstechnischen Laien die Gefahr der Über-, Unter- oder Fehlversicherung.

Teure und preiswerte Zulassungorte
Kfz-News und Auto-Bilder bei Autozeitung.de

Versteckte Differenzierungen: bei der Kalkulation der Tarife bleiben dem Versicherten zwar verborgen, können sich jedoch entscheidend auf die Prämie auswirken. Dazu zählen beispielsweise unterschiedliche Staffeln bei der Bewertung des Fahrzeugalters (bei Erwerb) und bei der Berechnung des Eintrittsalters des Versicherten. So werden Prämienzuschläge fällig, wenn der Versicherungsnehmer beispielsweise das 50., 70. oder 75. Lebensjahr überschritten hat – ähnlich wie die Prämienstaffel bei jungen Fahrzeuglenkern.

PAKET ODER BAUKASTEN

Mit zwei unterschiedlichen Konzepten gehen Versicherer auf Kundenfang.

Bei der Baukastenlösung gibt es eine Grund- und viele optionale Zusatzleistungen, die zu einer individuellen Versicherungslösung vom Autofahrer selbst zusammengestellt werden können. Bei der Paketlösung werden zwei oder drei Produktlinien mit unterschiedlichem Leistungsumfang angeboten. Die wichtigsten Inhalte sind:

• Die Basis liefert der sogenannte Normal- oder Standardschutz. Er enthält alle wesentlichen Elemente wie Haftpflicht- und zusätzlichen Teil- oder Vollkaskoschutz. Das bedeutet in der Regel: Deckungssumme von 50 bis 100 Millionen Euro im Haftpflichtfall, Einschluss von Zubehör im Umfang von 1000 bis 2000 Euro, Einschluss von Marderbiss und Mallorca-Police. Freie Werkstattwahl, frei wählbare Zahlungsweise (monatlich, viertel-/halb-/jährlich). Grundsätzlich gelten auch bei den meisten Versicherern die selben Schadenfreiheitsklassen-Einteilungen sowie Regional- und Typklassenmodelle.

• Die preiswerte Basis-, Clever- oder Sparvariante liefert für weniger Prämie auch weniger Leistung. Die wichtigsten Stellschrauben, an denen Versicherer drehen, um eine günstige Prämie bieten zu können, sind: Leistungsausschluss bei Marderbiss, keine oder stark eingeschränkte Neupreisentschädigung, Wegfall des Rabattretters, keine Mallorca-Police, kein Verzicht auf Einwand der grobfahrlässigen Schadenverursachung, keine erweiterte Tierschadendeckung, Wegfall Schutzbrief, Werkstattzwang, meist auf 50 Millionen Euro begrenzte Deckungssumme, eingeschränkte Zahlmodalitäten – oft zwangsweise Teilnahme am Lastschriftverfahren.

• Bei den Comfort- oder Leistungstarifen gelten über den Leistungsumfang des Normaltarifes hinaus meist noch folgende Leistungsmerkmale: die erweiterte Neupreisentschädigung (längerer Zeitraum), Rabattretter, bessere SF-Klasse nach Arbeitgeberregelung, Verzicht auf Abzug Alt gegen Neu, Schäden bei unmittelbarer Schneelawine mitversichert, längerer Erhalt der SF-Klasse bei Vertragsunterbrechung, bessere Deckungssumme, Schutzbrief enthalten oder zumindest optional, niedrigere Strafen bei fehlerhaften Vertragsangaben.

Auch bei den Paketlösungen können so fast alle Leistungswünsche erfüllt werden. Ob alle sinnvoll und ihr Geld wert sind, mag dahingestellt bleiben.

In alle Ecken schauen die Tarifgestalter, um sich einen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern zu versprechen. Beispiel eins: Immer mehr Versicherer gehen dazu über, bei Unfällen mit Tieren nicht nur Ersatz bei Wildschäden, sondern auch mit Haustieren zu leisten. Beispiel zwei: Nicht nur gute Autofahrer, die 25 Jahre und mehr schadenfrei geblieben sind, können sich jetzt einen Unfall leisten, ohne mehr Prämie zahlen zu müssen (sogenannter Rabattretter). Die Asstel beispielsweise bietet optional einen „Rabattschutz“ an, bei dem der Versicherte zwei Schäden frei hat. Im Klartext: Er wird nicht zurückgestuft, sondern so behandelt, als wäre der Schaden nicht eingetreten.

Wer nicht draufzahlen will oder keine für ihn wichtige Leistungen im Versicherungsschutz missen möchte, kommt deshalb um einen individuellen Tarifcheck nicht herum. Bis zu 50 Prozent Prämie lassen sich sparen. Das kann – je nach Fahrzeug – schon bis zu mehreren hundert Euro Ersparnis führen.

Vor den Erfolg haben aber nicht nur die Götter die Arbeit gesetzt. Auch die Versicherer haben in den vergangenen Jahren kaum eine Chance ausgelassen, um die Vergleichbarkeit von Beiträgen und Leistungen zu erschweren.

Jedes Jahr werden die Karten in der Kfz-Haftplicht, der Teil- und der Vollkaskoversicherung neu gemischt. Bei manchen Autotypen wird der Versicherungsschutz preiswerter, bei anderen Modellen steigen die Beiträge spürbar.

Diese Hürde lässt sich jedoch überwinden, um dann den Lohn der Mühe in Form niedrigerer Beiträge und höherer Leistungen zu kassieren. Wer diese versteckten Reserven bei den Fixkosten heben will, sollte deshalb den November nutzen, um sich bei einem der Vergleichs-Portalanbieter eine entsprechende Analyse anfertigen zu lassen. Vielleicht ergibt sich daraus ja eine Chance beim bisherigen Versicherer, günstigere Konditionen zu erhalten. Denn vor allem bei Versicherern mit Vertreterstab lassen sich Prämien manchmal frei aushandeln. Der billige Einstieg gilt aber oft nur für ein Jahr – dann gelten wieder die verbrieften Konditionen.
Das Wechselspiel um den König Kunden kommt dabei längst nicht allen Anbietern zu Gute. Ein Blick auf die Marktanteilsgewinner im Zehn-Jahres-Vergleich zeigt: Vor allem die bislang größten Anbieter mussten Federn lassen. So verlor beispielsweise die Allianz von 1996 bis 2005 nach Untersuchungen des map-Reports gut 241 Millionen an verdienten Bruttobeiträgen, die Generali fast 290 Millionen, die R+V gute 164 Millionen und Gerling fast 159 Millionen Euro.

Den Verlierern stehen auch Gewinner gegenüber: Shootingstar ist die Kravag mit einem Zuwachs von über 360 Mil lionen. Profitiert hat entgegen dem Trend der Branchenzweite, die HUK-Coburg, die noch einmal fast 147 Millionen an Beitragseinnahmen hinzugewinnen konnte. Ansonsten wuchsen vor allem mittlere und kleine Versicherer. So legte etwa die Deutsche Allgemeine um gut 111 Millionen, die Basler Securitas um fast 89 Millionen Euro zu.

Einige schafften es sogar, beim Kampf um den Kunden die Gewinne nicht aus den Augen zu verlieren. Die HUK-Coburg erzielte im Vergleichszeitraum ein versicherungstechnisches Ergebnis von knapp 325 Millionen, die DEVK-Gruppe fast 254 Millionen. Das zeigt: Die Verankerung in der Region ist wichtig – die Nähe zum Kunden zahlt sich bei bestimmten Kundengruppen positiv aus.

Kundenbindung lässt sich neben dem vergleichsweise guten Preis auch durch prima Service erreichen. Da unternehmensinterne Zahlen bislang nicht publiziert werden, kann man nur auf Hilfsgrößen zurückgreifen. Gern werden dabei die amtlichen Beschwerdezahlen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) herangezogen. Deren Aussagefähigkeit ist allerdings begrenzt, da zum einen hier nur die wirklich harten Fälle landen und zum zweiten die Beschwerdezahlen beim Ombudsmann für Versicherungen nicht hinzuaddiert werden.

Beim map-Report fließen neben den offiziellen Zahlen auch beispielsweise die Zahl der Prozesse in die Bewertung ein. Im jüngsten Kraftfahrzeug-Rating führten folgende 20 Versicherer die Liste bei der Bewertung des Service an (in Klammern erreichte Punktzahl): Itzehoer (28), WGV (27), VGH (26), Prov. Rheinland (26), Badischer Gemeindeversicherungs-Verband (26), Debeka Allgemeine (26), Oldenburgische Landesbrand (25), Westfälische Provinzial (25), VHV (25), LVM (25), DEVK a.G. (24), WGV-Schwäbische (24), Öffentliche Braunschweig (24), HUK24 (24), HUK-Coburg Allgemeine/HUK-Coburg (23), Bruderhilfe (23), Prov. Nord/Kiel (23), R+V Allgemeine (23) und die DEVK AG sowie die Allianz (21).

Während von einem guten Service in der Regel der profitiert, der einen Schaden erlitten oder zugefügt hat, profitieren alle Versicherten von einem ordentlichen vertraglichen Leistungsumfang und günstigen Beiträgen. Wer keinen Prämienkater bekommen will, sollte sich an die geschriebenen Konditionen halten und lieber alle offiziellen Chancen nutzen. GELDidee wird im nächsten Heft die günstigsten Anbieter vorstellen. Wer sich dann schnell entscheidet, kann zwölf Monate richtig Geld sparen. Bis zum nächsten Jahr – wenn das Wechselfieber wieder beginnt.

Marktanteile Versicherungsgesellschaften



Text Heino Georg
Artikel aus Heft 11/2007

Vorsorge


Die gesetzliche Altersversorgung wird beim Eintritt ins Rentenalter kaum ausreichen. Machen Sie jetzt Ihre kostenlose und unverbindliche Anfrage zur Rentenversicherung.