Hausratversicherung für die sieben Sachen

Hausratversicherung

Drei von vier Haushalten haben eine Hausratversicherung. Doch viele zahlen zu hohe Beiträge, oder sie sind unterversichert. Und das kann teuer werden.

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Vor einigen Jahren musste sich der Bundesfinanzhof (BFH) mit einem spannenden Fall befassen. Es ging um einen Wasserrohrbruch und eine Steuerzahlerin. Der Frau war nach dem Rohrbruch ein Schaden von 15.000 Euro entstanden, weil sie keine Hausratversicherung abgeschlossen hatte und Möbel, Elektrogeräte, Teppiche und Kleidung aus eigener Tasche ersetzen musste. In ihrer Not kam sie auf eine pfiffige Idee: Die Frau versuchte die 15.000 Euro als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abzusetzen. Das Finanzamt fand dies allerdings gar nicht pfiffig und lehnte wie später der BFH ab. Wer sich nicht ausreichend versichere, nehme bewusst in Kauf, auch mögliche Schäden selbst zu tragen. Deshalb ließen sich die Kosten nicht von der Steuer absetzen, so die obersten deutschen Finanzrichter (Aktenz.: III R 36/01).

Das Urteil gilt als Trendwende: Die meisten Richter hielten zuvor den Abschluss einer Hausratversicherung für nicht erforderlich, der BFH sah dies anders. Die meisten Bundesbürger sehen dies offensichtlich genauso. Nur jeder vierte Haushalt hat keine Hausratversicherung. Das heißt aber nicht, dass alle anderen gut und richtig versichert sind. Böse Überraschungen sind nicht nur bei Wasserrohrbrüchen möglich.

Die Hausratversicherung ersetzt bei Feuer, Einbruch, Diebstahl, Vandalismus, Explosion, Sturm oder Schäden durch Leitungswasser alle Schäden an den sieben Sachen im Haushalt. Das gilt sowohl für Einrichtungsgegenstände (Möbel, Gardinen, Teppiche) wie auch elektronische Geräte (Waschmaschine, Computer, Fernseher) und Dinge, die zum Verbrauch bestimmt sind wie die Nudelvorräte in der Speisekammer. Ist die Wohnung oder das Haus nach einem Schaden vorübergehend nicht bewohnbar, kommt die Hausratversicherung sogar für Hotelkosten auf. Nach Angaben des unabhängigen Versicherungsanalysehauses FSS-Online AG gilt dies in der Regel für 100 Tage. Doch Vorsicht! Der Schutz durch so eine Police ist nicht unbegrenzt:

BARGELD Wer Münzen und Scheine nicht im Tresor aufbewahrt, bekommt maximal 1.000 Euro ersetzt.

WERTPAPIERE Die Entschädigungsgrenze für Sparbücher, Urkunden und sonstige Wertpapiere liegt bei 2.500 Euro, sofern sie nicht im Tresor liegen.

SCHMUCK Bei Wertsachen sind in der Regel maximal 20 Prozent der Versicherungssumme gedeckt. „Wer teuren Schmuck zu Hause aufbewahrt, sollte deshalb stets eine besondere Vereinbarung mit der Versicherung treffen, um ausreichend geschützt zu sein“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV).

Ob ein Kunde über- oder unterversichert ist, hängt vor allem von der Versicherungssumme ab. Um diese zu ermitteln, ist es notwendig, den Wert des Hausrats zu schätzen. Experte Rudnik empfiehlt dabei, von Zimmer zu Zimmer zu gehen, wirklich alle Schränke aufzumachen und den Wert der sieben Sachen aufzuschreiben. Einfacher fällt dies mit Hilfe der Wertermittlungstabellen, die jeder Versicherer kostenlos zur Verfügung stellt. „Entscheidend für den Wert ist der Wiederbeschaffungspreis“, erläutert der BdV-Sprecher. Wer etwa den Wert einer Stereoanlage ermitteln wolle, müsse den Preis für einen Ersatz in gleicher Art und Güte ansetzen.

Diese Methode ist allerdings nicht ganz ungefährlich. Der Versicherungskunde könnte dazu neigen, den Wert seines Mobiliars eher gering einzuschätzen, um die Versicherungssumme zu drücken und dadurch Beiträge zu sparen. Doch das kann sich rächen. „Wenn der Wert der Wohnungseinrichtung höher ist als die Versicherungssumme, ersetzt die Versicherung auch bei geringen Schäden den Wert der Einrichtung nur anteilig“, warnt Karl-Heinz Reimer, Vorstandssprecher der FSS-Online AG. Beispiel: Die Wohnungseinrichtung ist 60.000 Euro wert, bei der Hausrat-Police sind 30000 Euro gedeckt. Wenn nun wegen eines Wasserschadens ein Wohnzimmerteppich für 2.000 Euro zu ersetzen ist, erhält der Versicherte nur 1.000 Euro.

Die Versicherer bieten deshalb bei der Wertermittlung die Pauschalmethode an: Dabei wird für jeden Quadratmeter Wohnfläche ein Wert von 650 oder 700 Euro angesetzt. Bei 80 Quadratmetern bedeutet dies eine Versicherungssumme von 52000 oder 56000 Euro. Im Schadenfall ersetzt der Versicherer dann maximal nur diese Summe. Aber auch diese Methode kann zu einem falschen Bild führen, zum Beispiel wenn die Wohnung zwar klein ist, aber mit sehr vielen wertvollen Gegenständen eingerichtet ist. Außerdem besteht die Gefahr, dass im Lauf der Zeit die Versicherung nicht mehr passgenau ist. Rudnik empfiehlt deshalb, alle ein bis zwei Jahre zu prüfen, ob nicht durch diverse Neuanschaffungen im Haushalt die Versicherungssumme zu erhöhen ist.

Dann wird es zwar teurer, aber das ist immer noch besser, als unterversichert zu sein. Außerdem könnte der Kunde eine solche Überprüfung ja zum Anlass nehmen, zu einem günstigeren Versicherer zu wechseln. Denn der Preis hängt nicht nur von der Region ab, in der der Versicherte wohnt (in der Großstadt ist es teurer als auf dem Land), sondern auch vom Versicherer. Preisunterschiede von 100 und mehr sind durchaus möglich (Tabelle oben).


ERSATZ FÜRS GEPÄCK

Wer seine sieben Sachen im Urlaub vor Klau im Hotelzimmer oder Diebstahl im Ferienhaus absichern will, braucht nicht unbedingt eine Reisegepäckversicherung. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hilft oft auch die Hausratversicherung:

  • Bei Verträgen, die von 1992 an abgeschlossen wurden, sind in der Regel Reisegepäck und Wertsachen bis zu drei Monate mit 10 Prozent der Versicherungssumme, maximal bis 10000 Euro mitversichert.
  • Der Schutz gilt aber nur, wenn Langfinger gewaltsam ins Feriendomizil einsteigen. Greifen Diebe im Restaurant, auf der Straße oder im Wohnmobil zu, hält sich die Assekuranz bedeckt.
  • Die Hausratversicherung springt ein, wenn Gepäck und Wertsachen in der Unterkunft durch Sturm, Hagel oder Brand beschädigt werden.
  • Die Versicherung zahlt nur, wenn ihr der Schaden sofort gemeldet wird und eine Bestätigung der örtlichen Polizei vorliegt.


GROBE FAHRLÄSSIGKEIT

Bei Schäden, die Versicherte vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeiführen, gibt es keinen Schutz vom Versicherer. Was darunter zu verstehen ist, darüber wird häufig gestritten. Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten rät deshalb, nur Verträge zu unterschreiben, bei denen die Versicherung auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet. Drei Beispiele:

  • Der Versicherte lässt die Waschmaschine unbeaufsichtigt laufen. Ein Schlauch platzt, die Wohnung steht unter Wasser. Die Versicherung zahlt nicht.
  • Durch eine unbeaufsichtigte Grillstelle wird ein Brand durch Funkenflug verursacht. Von der Assekuranz gibt es kein Geld.
  • Im Erdgeschoss ist ein Fenster gekippt, oder die Haustür ist nicht abgesperrt. Die Versicherung zahlt bei einem Diebstahl nicht.


  • Text Frank Schuster
    Artikel aus Heft 09/2006

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