Steuerschock für Rentner

Rund 1,3 Millionen Ruheständler werden Neukunden beim Finanzamt. Vielen drohen hohe Steuernachzahlungen, falls sie nicht aufpassen

Finanzbeamte im Dauerstress: Sie müssen derzeit rund 20 Millionen Rentner daraufhin überprüfen, ob sie ihre Altersbezüge korrekt versteuern. Viele Senioren geraten daher in das Visier des Fiskus. Wer seine Steuerpflichten vernachlässigt hat, muss mit hohen Nachzahlungen rechnen. „Im schlimmsten Fall werden Steuern rückwirkend für vier Jahre fällig“, warnt Uwe Rauhöft vom Neuen Verein der Lohnsteuerhilfevereine in Berlin.

Ursache des ganzen Problems ist das Alterseinkünftegesetz, das die Große Koalition 2005 erfunden hat. Danach müssen alle Rentner mindestens 50 Prozent ihrer Rentenbezüge versteuern. Wer nach 2005 in den Ruhestand gegangen ist – oder später noch geht –, wird stärker zur Kasse gebeten (siehe „Steuerpflicht der Renten“). Arbeit-nehmer beispielsweise, die im Jahr 2009 erstmalig eine Rente beziehen, müssen davon 58 Prozent versteuern.

Diese Steuerpflichten haben sich beileibe noch nicht überall herumgesprochen. Viele Rentner gehen davon aus, dass sie mit dem Finanzamt nichts mehr zu schaffen haben. Ein Trugschluss, gut situierte Rentner, die vielleicht sogar noch andere Einkünfte haben – Betriebspensionen, Mieten oder Zinsen – werden jetzt vom Finanzamt angeschrieben. Schätzungsweise 1,3 Millionen Ruheständler werden wohl ertappt.

Was die Steuerpflicht verschärft: Wichtige Freibeträge werden für Neurentner gekappt. Steuervorteile wie der für Nebeneinkünfte geltende Altersentlastungsbetrag sowie der für Pensionen und Betriebsrenten wirkende Versorgungsfreibetrag werden sukzessive abgeschmolzen (siehe „Vorteile für Senioren“). Höhere Steueranteile der Renten und geringere Freibeträge führen laut Rentenberater für spätere Rentnergenerationen dazu, dass sie praktisch immer Steuern zahlen müssen. Spätestens ab 2040 sind Renten voll der Steuer zu unterwerfen. Experte Rauhöft: „Das ist eine Konsequenz der sogenannten nachgelagerten Besteuerung.“ Heißt: Die jetzt gezahlten Rentenbeiträge sind zunehmend steuerbefreit, künftige Altersbezüge steuerpfichtig.

Das Dumme ist, dass nicht nur spätere Rentner, sondern auch Ruheständler, die vielleicht schon seit Jahrzehnten nicht mehr aktiv am Berufsleben teilnehmen, eventuell jetzt Steuern zahlen müssen. Dass sie bislang noch nicht von den Finanzämtern behelligt wurden, liegt daran, dass die Behörden technische Schwierigkeiten hatten. Sie schafften es nicht, alle Renten- und Pensionsinformationen zu verarbeiten. Die Probleme sollen jetzt weitgehend behoben sein. Rückwirkend für die Zeit von 2005 bis 2008 drohen Nachzahlungen. Wer jedoch einzig und allein von der Deutschen Rentenversicherung Ruhegeld bekommt, hat meist keine Probleme. „Bei Ledigen darf man davon ausgehen, dass sie rund 16200 Euro im Jahr ohne einen Cent Steuern einstreichen können“, sagt Experte Rauhöft. Bei Ehepaaren sind es sogar mehr als 32400 Euro pro Jahr.

Artikel aus Heft 01/2009

Vorsorge


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