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20:34 Uhr
ROUNDUP 3: Chrysler muss in die Insolvenz - Allianz mit Fiat
(Neu: mehr Details, Dudenhöffer)
WASHINGTON/NEW YORK (dpa-AFX) - Der drittgrößte US-Autobauer Chrysler muss
zur Sanierung in die Insolvenz und schmiedet eine Allianz mit dem italienischen
Fiat- Konzern. Es ist laut Experten die bisher größte Pleite
eines Autoherstellers. Präsident Barack Obama betonte am Donnerstag aber, der
Konzern solle schon bald gestärkt aus dem Verfahren hervorgehen. Fiat soll
zunächst mit 20 Prozent bei Chrysler einsteigen und später auf 35 Prozent
aufstocken. Das Insolvenzverfahren soll ungewöhnlich schnell durchgezogen werden
und lediglich 30 bis 60 Tage dauern. Die US-Regierung gibt Chrysler weitere
Hilfen von insgesamt rund acht Milliarden Dollar.
Chrysler stellte einen offiziellen Insolvenzantrag vor Gericht und kündigte
an, die Produktion zunächst großteils einzustellen. Sie solle erst nach
Abschluss des Insolvenzverfahrens wieder das normale Niveau erreichen.
Chrysler-Chef Bob Nardelli wird dann zurücktreten.
UAW SOLL MEHRHEIT BEKOMMEN
Die Gewerkschaft UAW soll wie angekündigt die Mehrheit an dem neuen
Unternehmen Chrysler bekommen. Ihr Gesundheitsfonds VEBA werde nach Abschluss
des Insolvenzverfahrens 55 Prozent halten. Die US-Regierung werde acht Prozent
der Anteile übernehmen, Kanada für weitere Milliardenspritzen zwei Prozent. Fiat
dürfte erst eine Mehrheit an Chrysler übernehmen, wenn alle staatlichen Kredite
zurückgezahlt sind.
Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zeigte sich zuversichtlich,
dass der Sanierungsplan gelingt. Er rechne damit, dass Chrysler das
Insolvenzverfahren tatsächlich schnell verlassen kann, sagte Dudenhöffer der
dpa. Die Allianz von Chrysler und Fiat sei für beide Seiten von Nutzen: "In den
USA können die Kapazitäten in der Produktion und bei Händlern mit Modellen von
Fiat und Alfa Romeo ausgelastet werden. In Europa kann Fiat mehr Fahrzeuge
bauen, weil sie im US-Markt angeboten werden können."
OBAMA GREIFT HEDGEFONDS SCHARF AN
Obama griff scharf die Hedgefonds und "eine kleine Gruppe von Investoren"
an, die eine Lösung ohne Insolvenzverfahren verhindert hätten. Sie hatten einen
weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche abgelehnt. In dem Verfahren mit
Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts solle Chrysler nun
Ballast abwerfen. Gläubiger oder auch Händler könnten dem Weißen Haus allerdings
noch einen Strich durch die Rechnung ziehen und ein schnelles Insolvenzverfahren
mit ihren Ansprüchen blockieren.
Die Insolvenz des Kleinsten unter den "Großen Drei" der US- Autobranche ist
eine beispiellose Zäsur. Obama bemühte sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen.
Der Schritt sei "kein Zeichen von Schwäche". Chrysler werde aus dem Verfahren
gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Die Garantie auf Chrysler-Fahrzeuge
sei von der Regierung abgesichert, betonte der Präsident. Der Autofinanzierer
GMAC werde Kredite für Chrysler-Käufer geben. Man plane weitere Maßnahmen wie
eine Art Abwrackprämie und ein Programm zum Einkauf von US-Fahrzeugen für
Behördenflotten.
INSOVENZ BEREITS SEIT TAGEN ERWARTET
Die Chrysler-Insolvenz war bereits seit Tagen erwartet worden. Bei einem
Verfahren nach Kapitel elf, bei dem das Unternehmen sich unter dem sogenannten
Gläubigerschutz sanieren kann, müssen die Geldgeber vorerst ihre Forderungen auf
Eis legen.
Chrysler hatte bereits die vergangenen Monate nur dank Milliardenkrediten
aus Washington überlebt und wollte weitere Hilfen haben. Das Weiße Haus stellte
jedoch ein Ultimatum: Bis Ende April musste ein Partner gefunden werden und die
Gläubiger zu einem Teilverzicht auf ihre Forderungen bewegt.
KONZERNE WARNTEN VOR FOLGEN EINER INSOLVENZ
Chrysler schuldet mehr als 40 Banken und Hedgefonds rund 6,9 Milliarden
Dollar. Die Regierung wollte sie zu einem weitgehenden Verzicht auf die
Forderungen bewegen; das Gesamtvolumen der Verbindlichkeiten sollte laut
US-Medien auf maximal 2,25 Milliarden Dollar gedrückt werden.
Neben der Gefahr, dass beteiligte Parteien das Insolvenzverfahren in die
Länge ziehen, hatte sich die US-Autobranche auch aus einem anderen Grund stets
dagegen gesträubt. Die Konzerne befürchten, dass die Menschen bei insolventen
Autoherstellern angesichts der unsicheren Zukunft keine Autos kaufen. Eine
Insolvenz bedeute gleich das Ende, hatte zum Beispiel der frühere Chef des
großen Chrysler-Konkurrenten General Motors (GM) , Rick
Wagoner, mehrfach gewarnt. Mit solchen Alarmtönen hatten GM und Chrysler seit
vergangenem Herbst bereits Milliardenhilfen aus Washington
herausgepresst.
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