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09.09.2010 | 02:35
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24-Stunden-Newsticker

20:34 Uhr

ROUNDUP 3: Chrysler muss in die Insolvenz - Allianz mit Fiat

(Neu: mehr Details, Dudenhöffer)

WASHINGTON/NEW YORK (dpa-AFX) - Der drittgrößte US-Autobauer Chrysler muss zur Sanierung in die Insolvenz und schmiedet eine Allianz mit dem italienischen Fiat- Konzern. Es ist laut Experten die bisher größte Pleite eines Autoherstellers. Präsident Barack Obama betonte am Donnerstag aber, der Konzern solle schon bald gestärkt aus dem Verfahren hervorgehen. Fiat soll zunächst mit 20 Prozent bei Chrysler einsteigen und später auf 35 Prozent aufstocken. Das Insolvenzverfahren soll ungewöhnlich schnell durchgezogen werden und lediglich 30 bis 60 Tage dauern. Die US-Regierung gibt Chrysler weitere Hilfen von insgesamt rund acht Milliarden Dollar.

Chrysler stellte einen offiziellen Insolvenzantrag vor Gericht und kündigte an, die Produktion zunächst großteils einzustellen. Sie solle erst nach Abschluss des Insolvenzverfahrens wieder das normale Niveau erreichen. Chrysler-Chef Bob Nardelli wird dann zurücktreten.

UAW SOLL MEHRHEIT BEKOMMEN

Die Gewerkschaft UAW soll wie angekündigt die Mehrheit an dem neuen Unternehmen Chrysler bekommen. Ihr Gesundheitsfonds VEBA werde nach Abschluss des Insolvenzverfahrens 55 Prozent halten. Die US-Regierung werde acht Prozent der Anteile übernehmen, Kanada für weitere Milliardenspritzen zwei Prozent. Fiat dürfte erst eine Mehrheit an Chrysler übernehmen, wenn alle staatlichen Kredite zurückgezahlt sind.

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zeigte sich zuversichtlich, dass der Sanierungsplan gelingt. Er rechne damit, dass Chrysler das Insolvenzverfahren tatsächlich schnell verlassen kann, sagte Dudenhöffer der dpa. Die Allianz von Chrysler und Fiat sei für beide Seiten von Nutzen: "In den USA können die Kapazitäten in der Produktion und bei Händlern mit Modellen von Fiat und Alfa Romeo ausgelastet werden. In Europa kann Fiat mehr Fahrzeuge bauen, weil sie im US-Markt angeboten werden können."

OBAMA GREIFT HEDGEFONDS SCHARF AN

Obama griff scharf die Hedgefonds und "eine kleine Gruppe von Investoren" an, die eine Lösung ohne Insolvenzverfahren verhindert hätten. Sie hatten einen weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche abgelehnt. In dem Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts solle Chrysler nun Ballast abwerfen. Gläubiger oder auch Händler könnten dem Weißen Haus allerdings noch einen Strich durch die Rechnung ziehen und ein schnelles Insolvenzverfahren mit ihren Ansprüchen blockieren.

Die Insolvenz des Kleinsten unter den "Großen Drei" der US- Autobranche ist eine beispiellose Zäsur. Obama bemühte sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Der Schritt sei "kein Zeichen von Schwäche". Chrysler werde aus dem Verfahren gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Die Garantie auf Chrysler-Fahrzeuge sei von der Regierung abgesichert, betonte der Präsident. Der Autofinanzierer GMAC werde Kredite für Chrysler-Käufer geben. Man plane weitere Maßnahmen wie eine Art Abwrackprämie und ein Programm zum Einkauf von US-Fahrzeugen für Behördenflotten.

INSOVENZ BEREITS SEIT TAGEN ERWARTET

Die Chrysler-Insolvenz war bereits seit Tagen erwartet worden. Bei einem Verfahren nach Kapitel elf, bei dem das Unternehmen sich unter dem sogenannten Gläubigerschutz sanieren kann, müssen die Geldgeber vorerst ihre Forderungen auf Eis legen.

Chrysler hatte bereits die vergangenen Monate nur dank Milliardenkrediten aus Washington überlebt und wollte weitere Hilfen haben. Das Weiße Haus stellte jedoch ein Ultimatum: Bis Ende April musste ein Partner gefunden werden und die Gläubiger zu einem Teilverzicht auf ihre Forderungen bewegt.
KONZERNE WARNTEN VOR FOLGEN EINER INSOLVENZ

Chrysler schuldet mehr als 40 Banken und Hedgefonds rund 6,9 Milliarden Dollar. Die Regierung wollte sie zu einem weitgehenden Verzicht auf die Forderungen bewegen; das Gesamtvolumen der Verbindlichkeiten sollte laut US-Medien auf maximal 2,25 Milliarden Dollar gedrückt werden.
Neben der Gefahr, dass beteiligte Parteien das Insolvenzverfahren in die Länge ziehen, hatte sich die US-Autobranche auch aus einem anderen Grund stets dagegen gesträubt. Die Konzerne befürchten, dass die Menschen bei insolventen Autoherstellern angesichts der unsicheren Zukunft keine Autos kaufen. Eine Insolvenz bedeute gleich das Ende, hatte zum Beispiel der frühere Chef des großen Chrysler-Konkurrenten General Motors (GM) , Rick Wagoner, mehrfach gewarnt. Mit solchen Alarmtönen hatten GM und Chrysler seit vergangenem Herbst bereits Milliardenhilfen aus Washington
herausgepresst.

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