| » Registrieren
31.07.2010 | 20:39
 GELDidee.de > Geld|Steuern|Recht > Portfolio

Die Psychologie des Geldes

Gehaltsfragen


Ob wir unser Gehalt für angemessen halten, hängt nicht allein von der Höhe ab. Dafür aber vielleicht vom Nachbarn.

Jeder hat schon einmal von einem Lottogewinn geträumt. Was könnte man nicht alles mit einem Millionengewinn anstellen? Wie einfach wäre plötzlich das Leben, wie glücklich würde man sich schätzen?

Nicht viel glücklicher als vorher, sagen Glücksforscher – und bestätigen damit die alte Weisheit „Geld macht nicht glücklich“.

Denn Reiche sind nur wenig zufriedener als andere. Das hat der amerikanische Psychologe Michael Argyle herausgefunden, indem er 100 Millionäre mit einem Vermögen von jeweils mehr als 125 Millionen Dollar sowie 100 zufällig ausgewählte Amerikaner befragt hat. Die Supermillionäre schätzten sich zu 67 Prozent glücklich, die zufällig ausgewählten Menschen zu 62 Prozent.

Eine Erhebung des Meinungsforschungsinstitus TNS Emnid führt zu noch konkreteren Ergebnissen: Bis zu einem Nettoverdienst von monatlich 2000 Euro steigt im Durchschnitt die Lebenszufriedenheit der befragten Deutschen parallel zum Einkommen. Wer mehr als 2000 Euro verdient, fühlt sich kaum glücklicher.

Grund: Ist ein bestimmter Lebensstandard erst einmal gesichert, nutzt sich jeder weitere Luxus schnell ab – wir pendeln uns wieder auf dem alten Zufriedenheitslevel ein.

• Gehaltserhöhung Das ist auch der Grund, warum wir uns selbst über üppige Gehaltserhöhungen nur kurz freuen können. Im ersten Moment denken wir vielleicht freudig an das viele Geld. Doch dann gewöhnen wir uns schnell an das neu erreichte Niveau.

Selbst bei Erfüllung eines lang gehegten Konsumwunsches währt das Glück nur kurz – etwa beim Anblick des neuen Sportwagens. Bei der ersten Fahrt steigt die Konzentration des Glückshormons Dopamin im Gehirn noch rapide an.

„Doch bei der vierten, fünften, sechsten Fahrt mit dem neuen Sportwagen erhöht sich der Dopaminspiegel immer schwächer, bis er schließlich gar nicht mehr messbar hochgeht“, erklärt der Neurologe Andreas Heinz von der Berliner Charité.

• Relativitätstheorie
Wenn mehr Geld also nicht glücklicher macht, sollte es uns eigentlich gar nicht so sehr auf die Höhe unseres Gehalts ankommen. Tut es auch nicht, haben Psychologen herausgefunden.

Wichtig ist vielmehr, ob andere für die gleiche Arbeit mehr oder weniger bekommen – oder, wie wir im Vergleich mit dem Nachbarn abschneiden. Kurz gesagt: Auf die Relation kommt es an.

Der Ökonom David Hemenway wies den Zusammenhang vor zehn Jahren in umfangreichen Befragungen nach. Hemenway fragte, ob die Teilnehmer lieber 50000 Dollar im Jahr verdienen würden, während andere nur die Hälfte bekommen.

Oder ob sie 100000 Dollar vorzögen, wenn alle anderen 200000 Dollar verdienen? Immerhin die Hälfte der Probanden entschied sich für das niedrigere Gehalt von 50000 Dollar, nur um im Vergleich besser abzuschneiden.

Die ökonomische Unvernunft hat einen einfachen Grund: Die Angst vor dem eigenen Neid auf den Wohlstand anderer. Laut Ergebnis einer Forsa-Umfrage halten 25 Prozent der Bundesbürger Neid für gerechtfertigt, wenn ein Arbeitskollege mehr verdient als man selbst (siehe Grafik).

Geldillusion Selbst kleinste Lohnerhöhungen sind wichtiger Schmierstoff für den Konsum in Deutschland. Meist sitzt das Geld nach einer Tariferhöhung lockerer. Ökonomen sprechen vom Konsumeffekt. Dabei haben die Arbeitnehmer trotz Gehaltsplus oft gar nicht mehr in der Tasche, denn die Inflation frisst das Plus auf.

NICHT RATIONAL

Der Psychologe Jens Lönneker ist Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Rheingold.

GELDidee Herr Lönneker, rund 20 Milliarden Euro verschwenden die Deutschen jedes Jahr für zu teure und überflüssige Versicherungen. Sind wir zu dumm, um mit Geld vernünftig umzugehen?

Lönneker Aus psychologischer Sicht ist es gar nicht so dumm. Unser Handeln wird oft von unbewussten Motiven gesteuert. Viele Menschen nutzen Versicherungen als Talisman, so wie sie früher eine Kerze in der Kirche aufstellten, um die Gunst eines Schutzpatrons zu erlangen. Sie schließen quasi eine Police ab, damit der Ernstfall gar nicht erst eintritt.

GELDidee Aber rational ist das nicht.

Lönneker Aus ökonomischer Sicht ist das nicht rational. Aber wir sind emotionale Wesen. Den Homo oeconomicus, der stets nur seinen Nutzen maximiert, gibt es nicht. Es wäre auch falsch, bei finanziellen Dingen einen besonderen Maßstab anzulegen. Andere geben zum Beispiel viel Geld aus, um ihr Auto aufzumotzen.

GELDidee Aber oft stehen uns die Gefühle im Weg, gerade an der Börse. Können wir sie nicht irgendwie abschalten?

Lönneker Nein. Ich behaupte sogar, dass jede Entscheidung auch emotionale Beweggründe hat. Nehmen wir das Beispiel ethischer Fonds: Aus finanzieller Sicht sind sie vielleicht nicht die beste Wahl, dennoch kaufen wir sie. Was uns wertvoll ist, hat auch mit Sympathie zu tun.

GELDidee Sind wir wegen unserer Emotionalität nicht auch manipulierbar?

Lönneker Ja. Ein gutes Beispiel sind Preise, die oft auf 99 Cent enden. Das wirkt billiger. Für problematisch halte ich dagegen Lockangebote, bei denen die wahren Kosten nicht zu erkennen sind.

GELDidee Ist der vernünftige Umgang mit Geld auch eine Frage der Intelligenz?

Lönneker Bildung macht es leichter, Gefahren zu erkennen. Aber auch kluge Menschen begehen Fehler. Die Händler in den Banken sind aktuell ein gutes Beispiel.
zurück  1   2   3   4 
Artikel bookmarken bei: 
Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Google Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Yahoo Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Webnews Bookmark bei: oneview
» Was sind Social Bookmarks?
» zurück zur Übersicht Artikel weiterempfehlen
» zurück zur Homepage Artikel drucken 
Sie sind noch nicht eingeloggt!
Um einen Kommentar zu schreiben, geben Sie bitte Username und Passwort an:

Username Passwort
Automatisch einloggen?

» Neu registrieren (Erst registrieren - dann schreiben)



 Mehr zum Thema
Portfolio
Alles Psycho
Gewinn und Verluste, Hausse und Baisse - alles pure Berechnung? Von wegen. An der Aktienbörse geht es in erster Linie um Psychologie. mehr 
Die Todsünden am Aktie...
Börsenpsychologie
Die Todsünden am Aktie...
Erfolg an der Börse ist grundsätzlich für jedermann machbar. Dass viele Investments mit einem Debakel enden, liegt meist an den Anlegern selbst. Sie agieren in Panik oder blinder Gier und ruinieren ihre Ernte. mehr 
Einkaufen auf Pump
Ratenkredit
Einkaufen auf Pump
Ob bei Tchibo, Rossmann oder C&A – immer mehr Einzelhandelsketten locken mit Ratenkrediten. Doch selten halten die Angebote, was sie versprechen. mehr 


Impressum | Disclaimer | Kontakt | Mediadaten | RSS


© 2009 GELDidee Online - Finanztipps, Wirtschaftsmeldungen, Börsennews


UMFRAGE
Soll der Staat Opel um jeden Preis retten?
Ja, der Autokonzern würde sonst auch Zulieferer und Partner in die Pleite reißen.
Nein, nur systemrelevante Unternehmen und Banken dürfen gestützt werden.
ENERGIE SPAREN *neu*
Strom-Tarifrechner
Gas-Tarifrechner
Heizöl-Tarifrechner
RICHTIG SPAREN
Zinsradar
Persönlicher Zinsrechner
Zinsbindungsrechner
Tilgungsrechner
Volltilgungsrechner
Budgetrechner
Studentenkreditrechner
Rentenrechner
Ratenkreditrechner
KFZ-Kreditrechner
Festgeldrechner
Tagesgeldrechner
Girorechner
Sparbriefrechner
Renditerechner
Hypothekenrechner
Haushaltsrechner
Notar- & Grundbuchrechner
Bausparrechner
Eigenheimrechner
Forwardrechner
RICHTIG SUCHEN
Anwaltsuche
Karrierecenter