Die Konjunktur läuft auf hohen Touren, die Zahl der Arbeitslosen ist deutlich gesunken, die staatlichen Sozialkassen haben wieder Boden unter den Füßen. Alles bestens demnach im ziemlich verregneten Deutschland-Sommer des Jahres 2007? Leider nein. Wegen der amerikanischen Immobilienkrise wackeln die internationalen Finanzmärkte. Nacheder Konjunkturblüte folgt ein mehr der weniger langer Abschwung so sicher wie das Amen in der Kirche. Und dann kam vor einigen Wochen auch noch die internationale Wirtschaftsorganisation OECD mit einer Studie, wonach das Rentenniveau in Deutschland im weltweiten Vergleich denkbar gering ist. Bei uns erhalten Durchschnittsverdiener im Schnitt noch nicht einmal 40 Prozent des letzten Bruttoeinkommens aus der gesetzlichen Rentenkasse. Schlechter schneiden nur noch die Briten und die Japaner ab. An der Spitze die Spanier (81,2 Prozent) und die Holländer (81,9 Prozent). Im OECDDurchschnitt beträgt das Rentenniveau immerhin 58,7 Prozent. Langfristig sparen Mit der gesetzlichen Rente allein lässt sich der Lebensstandard keinesfalls halten. Viele Ruheständler, vor allem Witwen, können davon nicht einmal leben. Norbert Blüms legendäres Zitat aus Zeiten der christlich- liberalen Koalition, wonach die Rente sicher sei, hat deshalb längst eine völlig andere Bedeutung als damals. Als Institution scheint die gesetzliche Rente tatsächlich standfest – halbwegs. In ihrer Höhe und Ausstattung allerdings ist sie es keinesfalls. Konsequenz: Die heraufbeschworene Altersarmut kann nur verhindern, wer überhaupt private Vorsorge betreibt und dabei in den nächsten Jahren noch einen Zahn zulegt. Durchdacht und nicht überhastet. Langfristig ausgerichtet und nicht nur für den Augenblick. An geeigneten Instrumenten, sprich: Anlageprodukten, mangelt es zum Glück nicht. Eine Grundlage können zum Beispiel Riester-Rente, Rürup- Rente sowie Direktversicherung und Pensionskasse als die beiden wichtigsten Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung (bAV) sein. Die größten Pluspunkte: Direkte staatliche Förderung und/oder Steuerersparnisse sowie – bei der Firmenrente – die Befreiung von Sozialabgaben. Ergänzen lassen sich diese Bausteine durch Investments wie die Altersvorsorge- Sondervermögen (AS-Fonds) oder herkömmliche private Renten- Policen. Hohe Renditen Auch wenn die beiden letzteren Anlageformen während des Vermögensaufbaus nicht gefördert werden, bieten sie dennoch unübersehbare Vorteile. So haben Anleger bei den AS-Fonds die Chance auf überdurchschnittliche Renditen, weil in diesen Geldsammlern auch ein vergleichsweise großer Anteil von Aktien enthalten ist. Die späteren Zahlungen aus Renten-Policen schließlich unterliegen der günstigen Ertragsanteilbesteuerung, die den größten Teil der Leistung vor dem Zugriff des Fiskus schützt. Doch so wichtig die langfristige private Altersvorsorge auch ist, so schwierig erscheint es, den richtigen Mix zu wählen. Das Dilemma: Zunehmend warnen kritische Stimmen davor, es mit der kapitalgedeckten Altersvorsorge zu übertreiben. Zu den gewichtigsten Mahnern zählt der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel. Er verweist auf die momentanen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten. Ganz unrecht hat er wohl nicht. Auch wenn derzeit die Dramatik nachlässt, weil die großen Notenbanken gegensteuern. Doch weiterhin ist unklar, in welchem Maß große Banken, Fondsgesellschaften, auch Lebens- sowie Rentenversicherer betroffen sind. Sie alle nämlich investieren das Geld ihrer Kunden mit dem Ziel, möglichst viel Rendite zu erwirtschaften. Die viel gescholtenen ABS- und andere riskante Anleihen stecken demnach so selbstverständlich in den Portfolios wie Staatspapiere und Standardaktien. Naheliegend ist deshalb, dass sogar Riester- und Rürup-Sparer in Deutschland von den amerikanischen Pleitiers betroffen sind. Eine durchaus heikle Situation. Denn dass die Menschen in Deutschland privat mehr für das Alter tun müssen, ist klar. Im europäischen Vergleich dominiert immer noch – leider – die gesetzliche Rente. Nach Erkenntnissen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge stammen bei deutschen Ruheständlern immerhin 88 Cent eines jeden Euros aus der staatlichen Rentenkasse. Betriebliche und private Altersvorsorge steuern zusammen lediglich knapp 10 Cent bei. Da sind die Holländer, Schweden und Dänen schon viel weiter. In den Niederlanden stammen gut 40 Prozent der Alterseinkünfte aus Firmen- und Privatrenten, in Dänemark 25 Prozent und in Schweden 21 Prozent. Bis dahin haben die Menschen in Deutschland noch einen guten Weg vor sich.
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